Historische Bedeutung

BGV: Büros passen nicht ins Eifgental

Burkhard Stock (l.) und Volker Ernst vom BGV finden es wichtig, dass die Denkmäler im Eifgental, wie das alte Wasserwerk hinter ihnen, erhalten bleiben. Foto: Doro Siewert
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Burkhard Stock (l.) und Volker Ernst vom BGV finden es wichtig, dass die Denkmäler im Eifgental, wie das alte Wasserwerk hinter ihnen, erhalten bleiben.
  • Markus Schumacher
    VonMarkus Schumacher
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1. und 2. Vorsitzender des Geschichtsvereins betonen die historische Bedeutung des Ensembles für die Naherholung.

Wermelskirchen. „Ein hypermoderner und protziger Bürokomplex passt nicht ins Eifgental“, betont Volker Ernst. Der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins (BGV), Abteilung Wermelskirchen, stellt vielmehr die historische Bedeutung des gesamten Ensembles für die Naherholung heraus: „Hier auf dem Parkplatz, auf dem wir gerade stehen, gab es 1859 das erste Strandbad.“ Für den BGV sei daher das Konzept des Vereins Bowl Church gegenüber dem von Investor Rainer Kohl (lo-project) die klar bessere Lösung für das Eifgental.

Zum Hintergrund: Die Stadtverwaltung will die alte Schmiede, das ehemalige Wasserwerk, das Maschinistenhaus und das ehemalige Freibad verkaufen. Denn selbst könne man die Investition für die notwendige Renovierung und den Umbau der Gebäude und des Geländes nicht stemmen. So meldete sich der Düsseldorfer Investor: Mit Rücksicht auf den Denkmal- und Naturschutz im Eifgen will er alle Gebäudeteile hochwertig sanieren. Entstehen sollen vor allem moderne Büroräume, so genannte Co-Working-Areale. Eine andere Idee hat der Verein „Bowl Church“: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wollen in Eigenleistung das Eifgen zu einem Veranstaltungs- und Schaffensort, einem „Creative Space“ werden lassen.

Die Stadt bekam nach Offenlegung der Pläne weitere Rückmeldungen. Bürgermeisterin Marion Lück erklärte, dass die Pläne des Investors den Vorstellungen entsprächen, die auch im Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept für das Eifgen zusammengefasst seien. Das Konzept von Bowl Church gefalle ihr ausgesprochen gut, sie wünsche sich, dass es in jedem Fall in Wermelskirchen realisiert werde – aber nicht unbedingt im Eifgen.

Doch aus Historikersicht passe es dort bestens hin, unterstreicht Volker Ernst. Sein Stellvertreter Burkhard Stock erinnert an die vielen Freizeiteinrichtungen, die es einst im Eifgental gab und zum Teil immer noch gibt: ein Kleintierzoo, eine Konzertmuschel, den Sportplatz, einen Schießstand, den Aussichtspunkt „Hoher Stein“. . . „Hinter dem Haus Eifgen können Sie immer noch eine Grotte erkennen, die dort für Besucher angelegt worden ist“, berichtet Stock. „Und hier führte nie eine Straße längs durch“, stellt Stock heraus, „dabei war sogar mal eine Autobahn geplant.“

„Hier sollten Wermelskirchener etwas für Wermelskirchener ehrenamtlich auf die Beine stellen.“

Volker Ernst, BGV-Vorsitzender

„Für die Wermelskirchener fing hier schon immer der Urlaub, die Naherholung an“, betont Ernst. Das sei heute noch so, wie man an jedem Wochenende beobachten könne. „Und so sollte das auch bleiben“, betonen die BGV-Vorstandsmitglieder. Die Hochbauten der alten Schmiede und des Wasserwerks seien einige der letzten Zeugen der frühen Industrialisierung. Sie stehen unter Denkmalschutz. „Von hier wurde das Wasser bis 1983 hoch zum Wasserturm an der Berliner Straße gepumpt“, erinnert Stock.

„Aber sie sind jetzt stark renovierungsbedürftig“, weiß Ernst, „es muss also gehandelt werden.“ Nur sollte dabei möglichst viel von der Substanz erhalten bleiben. Und Bowl Church wolle ja gerade die vorhandenen Gebäude renovieren und mit Leben füllen. „Hier sollten Wermelskirchener etwas für Wermelskirchener ehrenamtlich auf die Beine stellen“, plädiert der BGV-Vorsitzende für Bowl Church.

Sollte dennoch der Investor den Zuschlag bekommen, müsse darauf geachtet werden. dass das Eifgental für die Wermelskirchener zugänglich bleibe, findet Stock. „Und der Bürokomplex muss auch mit dem Haus Eifgen funktionieren“, sagt Ernst, „dazu gehören die Lautstärke von Konzerten aber auch die Parkplätze für Besucher.“ Ernst und Stock wünschen sich, dass sich die Wermelskirchener noch stärker in die Diskussion einbringen, was denn mit dem Eifgental geschehen soll.

Der Verein

Der BGV Wermelskirchen wurde 1927 gegründet. Er möchte die Geschichte Wermelskirchens, des Bergischen Landes und der mit ihm geschichtlich verbundenen Gebiete erforschen die Kenntnisse den Bewohnern durch Wort, Schrift und Bild vermitteln, Aufgaben der Denkmal- und Stadtbildpflege wahrnehmen und unterstützen das geschichtliche Wissen und Verständnis fördern.

www.bgv-wermelskirchen.de

Standpunkt

markus.schumacher@rga.de

Kommentar von Markus Schumacher

Bekannt sind bislang zwei unterschiedliche Konzepte zu einer künftigen Nutzung des Eifgentals. Der Düsseldorfer Investor lo-project möchte die Gebäude umbauen lassen und dann als Bürokomplex nutzen. Der Wermelskirchener Verein „Bowl Church“ will dort einen Ort für Kreative schaffen. Beide Ideen haben ihre Vor- und Nachteile. Bei den Büros würde zum Beispiel an den Gebäuden doch einiges geändert werden durch Glasdächer und Anbauten. Und für die ehrenamtliche Umsetzung ist viel Geduld gefragt, denn das dauert schon sicher ein paar Jahre, bis es mal endgültig fertig sein wird. Die Konzepte haben aber außer den beiden hochtrabenden englischen Namen – „Co-Working-Areale“ auf der einen, „Creative Space“ auf der anderen Seite – noch eine viel wichtigere Gemeinsamkeit. Denn beides würde dafür sorgen, dass das Eifgental nicht weiter vor sich hin schlummert und irgendwann still verrottet. Für welche Variante sich die Ortspolitiker am Ende auch entscheiden, die Situation vor Ort wird sich wohl auf jeden Fall verbessern.

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