Kriminalität

Betrugsmaschen werden dreister

Die Betrüger denken sich immer neue Methoden aus, um an Geld zu kommen.
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Die Betrüger denken sich immer neue Methoden aus, um an Geld zu kommen.

Kriminalkommissarin warnt: Wachsam sein und sich rückversichern.

Von Anja Carolina Siebel

Ein Unbekannter gibt sich als Enkel aus und behauptet gegenüber einer älteren Dame, dringend Geld zu brauchen. Andernorts behauptet eine junge Dame am Telefon, sie sei eine Sparkassen-Mitarbeiterin und wolle einen Datenabgleich vornehmen. Dazu würde sie eine SMS mit einem Link verschicken, den der Angerufene bestätigen möge. Sei es online oder am Telefon – oder direkt an der Haustür: Die Maschen der Betrüger werden dreister. Und die Fälle nehmen auch im Rheinisch-Bergischen Kreis zu.

Das bestätigt Susanne Krämer, Kriminalhauptkommissarin und Opferschutzbeauftragte der Polizei Rhein-Berg. „Spontan habe ich gleich 14 verschiedene Betrugsmaschen gefunden, die gerade im Umlauf sind; würde ich weiter suchen, würde ich sicher noch mehr finden“, sagt die Expertin. Das Tückische sei, dass die Betrüger immer spitzfindiger, immer ausgeklügelter vorgehen und mit immer neuen Versionen des Betruges ihre Opfer überraschen würden. „Dabei öffnen sie ihre Taten zunehmend auch für jüngere Leute“, sagt Krämer.

Das heißt, die Opfer seien nicht immer nur ältere Mitbürger, wie etwa beim berüchtigten Enkeltrick. „Auf Internetbetrügereien fallen auch immer öfter jüngere Menschen rein“, sagt die Kriminalbeamtin. Beispiele seien etwa das Wohnungsinserat im Internet, bei dem der Betrüger vorgebe, für eine Abwicklung schon mal vorab eine Anzahlung zu benötigen. Nach Zahlung sei das Inserat dann plötzlich weg – und mit ihm natürlich das angezahlte Geld.

Absicherung innerhalb der eigenen Familie

Oder, noch dreister, der Betrug beim Kleinanzeigen-Portal eines bekannten Anbieters. Verkäufer wie Käufer würden mit angeblich „sicheren Zahlungen“ hinters Licht geführt und um ihr Geld gebracht. Auch bei Aufrufen angeblicher Streaming-Dienste, seine Daten erneut einzugeben, sei Vorsicht geboten, warnt Krämer. „Die Betrüger geben sich dann als Spotify oder Netflix aus und ziehen das Geld ein, ohne dass der Betroffene es erst einmal bemerkt.“

Doch was kann der Einzelne tun gegen die immer dreister werdenden Betrugsmaschen, die man zum Teil kaum durchschaut?

„Erst einmal gilt wie immer: Ruhe bewahren“, rät Susanne Krämer. Oft würden die Betrüger zur Eile drängen. Man solle schnell sein Paypal-Konto erneuern, rasch Geld überweisen, damit ein Portal nicht geschlossen würde, oder andere Dinge ganz schnell erledigen. Krämer: „Da sollte man sich keinesfalls drängen lassen. Es hat alles etwas Zeit. Zumindest die, sich rückzuversichern. Bei seinem Anbieter, dem Geldinstitut oder dem jeweiligen Online-Dienst. Eine Nachfrage genügt oft, um den Betrug zu entlarven. Dann kommt eben heraus, dass da nichts geschlossen, neu eingerichtet oder erfragt werden muss.“

Das Perfide: Oft würden die Täterinnen und Täter klingen, wie freundliche Mitarbeitende von nebenan. „Das wird bewusst so gemacht“, erklärt Susanne Krämer. „Natürlich ruft da nicht der böse Mann an und verlangt etwas. Sondern vielleicht eine junge Dame, die wie eine Bank-Mitarbeiterin klingt und sich empathisch mit dem Gesprächspartner unterhält.

„Man muss sich immer fragen: Kann das gerade sein?“, empfiehlt die Kripo-Beamtin. „Warum ruft die Bankmitarbeiterin mit unbekannter Nummer an, warum muss ich auf diesen Link klicken, warum sollte ich womöglich sogar Geld überweisen?“ Und: „Senioren empfehlen wir, immer in der Familie nachzufragen, wenn sich ein angeblicher Enkel meldet. Und in der Familie auch zu besprechen, wie man sich im Notfall verhält.“ Eine Anzeige bei der Polizei empfiehlt die Beamtin vor allem dann, wenn ein Betrug stattgefunden hat, wenn also zum Beispiel ein Geldbetrag überwiesen wurde.

 Viel Hoffnung darauf, dass die Täter gefasst werden, kann die Polizei indes erst einmal nicht machen. „Die Vorgehensweisen sind zu versteckt, oft passiert das Ganze im Ausland“, berichtet Susanne Krämer von erschwerten Ermittlungsbedingungen. Würden beispielsweise SMS verschickt, würden die Täter sogenannte Wegwerf-SIM-Karten verwenden, die kurz nach der Nutzung nicht mehr gültig, also auch nicht mehr als Nummer erreichbar seien. „Das macht uns die Ermittlungen schwer.“

Kontakt

Die Opferschutzbeauftragten der Polizei RheinBerg bieten Angebote für Opfer von Straftaten aber auch Opfern von anderen Ereignissen. Sie können sich per E-Mail, telefonisch und persönlich an die Opferschutzbeauftragten wenden.

Tel. (0 22 02) 20 54 33

gl.kriminalpraevention@polizei.nrw.de

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Sich selbst schützen

anja.siebel@rga.de

Manchmal ist man ganz schön leichtsinnig. Wem ist es noch nicht so gegangen: Da klickt man auf den Link, beißt sich auf die Lippen und weiß im selben Augenblick, dass man das besser gelassen hätte. Meist gehen solche Flüchtigkeitsfehler gottlob noch glimpflich aus. Aber manchmal werden sie auch richtig teuer. Dann beispielsweise, wenn man das Opfer von dreisten Betrügern wird, die den Link beispielsweise dafür verwenden, an persönliche und empfindliche Daten zu gelangen. Deshalb ist es umso wichtiger, sensibler für solche Betrugsmaschen zu werden.

Es muss ja nicht gleich unfreundliches Misstrauen gegenüber dem Anrufenden sein. Es reicht ja, ihr oder ihm freundlich mitzuteilen, dass man sich an anderer Stelle kurz rückversichern möchte. Meist hat sich der Anruf dann schon erledigt. Den Betrugsversuch bei der Polizei zu melden, lohnt sicher auch, um andere vorbeugend vor der betreffenden Masche zu schützen.

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