Kriminalität

Betrugsmasche: Polizei warnt vor Telefonanrufen

Die Polizei gibt Tipps, was bei auffälligen Anrufen zu tun ist – unter anderem: Die echten Verwandten anrufen.
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Die Polizei gibt Tipps, was bei auffälligen Anrufen zu tun ist – unter anderem: Die echten Verwandten anrufen.
  • Susanne Koch
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Täglich werden Menschen Opfer am Hörer. Beamte raten: „Am besten auflegen“.

Von Susanne Koch

Die 73-Jährige kam mit einem großen Schrecken davon. „Ich möchte aber jedem weiteren Menschen ersparen, was mir passiert ist“, sagt die Hückeswagenerin. „Deswegen erzähle ich hier meine Geschichte.“

Am Mittwoch klingelte ihr Telefon. Eine männliche Stimme klang ganz aufgeregt. Sie sagte: „Mama, Du musst mir helfen. Ich hatte einen Unfall.“ Ein angeblicher Polizist übernahm und sagte zu ihr, ihr Sohn habe eine Frau tödlich verletzt. „Er hat einen Nasenbruch und ein Stück seine Zunge abgebissen. Er ist jetzt in einer Klinik.“

„Aber wo ist er, wie kann ich ihm helfen? Das alles schoss mir durch den Kopf. Sie können sich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Zuerst höre ich von dem tödlichen Unfall, dann soll mein Sohn noch verletzt sein, ich wusste wirklich nicht mehr, wo mir der Kopf stand.“ Der angebliche Polizist sagte ihr, dass sie ihren Sohn nur vor dem Gefängnis bewahren kann, wenn sie eine Kaution von 50 000 Euro zahlt. „Da wurde ich zum ersten Mal stutzig und sagte, dass ich das Geld nicht habe und auch nicht so schnell auftreiben kann.“ Der Polizist fragte sie, ob sie nicht Schmuck in dem Wert hätte. „Dann habe ich einfach aufgelegt.“ Sie brachte den Fall anschließend direkt zur Anzeige. Und bekam als erstes von den Beamten zu hören: „Sie sind heute schon der 10. Fall.“

Christian Tholl, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Rhein-Berg, sagt: „Das ist ein nahezu klassischer Fall.“ Menschen, die von fremden Personen angerufen werden, sollten am besten sofort wieder auflegen. „Und dann selber versuchen, Kontakt mit dem Sohn oder der Tochter aufnehmen.“ Sollte das nicht funktionieren, sofort die Polizei informieren. Die könne nachprüfen, ob es einen Unfall gegeben hat. Auf keinen Fall sollten persönliche Daten übers Telefon weitergegeben werden, auch nicht wie viel Schmuck oder Bargeld man in der Wohnung aufbewahrt. „Und man sollte aufgrund so eines Anrufs weder Schmuck noch Bargeld übergeben oder überweisen“, sagt Christian Tholl. „Und ganz wichtig: In Deutschland gibt es keine Kautionsforderungen wie man dies vielleicht aus amerikanischen Spielfilmen kennt“, sagt der Polizei-Pressesprecher. „Weder Polizei, noch Staatsanwaltschaft, noch ein Gericht, verlangen per Telefon Geld von Angehörigen.“

Die Polizei warne immer wieder vor solchen und ähnlichen Anrufen oder WhatsApp-Betrügereien. „Sie erhalten eine Whatsapp-Nachricht einer unbekannten Nummer. Der Sender der Nachricht gibt an, ihr Sohn oder ihre Tochter zu sein.“ Die Person erkläre dann, dass ihr Handy kaputt gegangen sei und sie daher ein neues Gerät mit einer neuen Nummer organisieren musste. Im weiteren Gespräch geht es dann um angeblich dringend benötigtes Geld. „Überweisen Sie kein Geld“, sagt Christian Tholl. „Versuchen Sie immer, erst Ihre Angehörigen über die Ihnen bekannten Rufnummern zu erreichen.“

Auch weitere Betrugsmaschen wie falsche Bankmitarbeiter oder falsche Microsoftmitarbeiter seien zu verzeichnen. „Fühlen Sie sich nicht zu sicher, dass Sie diesen Tätern widerstehen könnten“, sagt Christian Tholl. „Die Betroffenen sind nicht nur hochbetagte Seniorinnen und Senioren; auch studierte Mittfünfziger befinden sich unter den Opfern.“ Die Täter arbeiteten äußerst geschickt, seien rhetorisch sehr gewandt und sprechen Menschen ganz bewusst auf einer emotionalen Schiene an. Betroffene berichten im Nachgang nicht selten, dass sie vorher um diese Tricks wussten, in der konkreten Situation aber nicht in der Lage waren, sich zu widersetzen. Weitere Beratungen gibt es beim Kommissariat für Kriminalprävention unter Tel. (0 22 02) 2 05-4 30 bis -4 34.

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