Impfangebot

Betriebsärzten fehlt der Impfstoff

Impfwillige gibt es viele, die Impfstoffe sind indes derzeit eher knapp. Archivfoto: Christian Beier
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Impfwillige gibt es viele, die Impfstoffe sind indes derzeit eher knapp.

Wermelskirchener Unternehmen wollen ein Impfangebot machen – Es gibt aber Probleme.

Von Anja Carolina Siebel

Wenn es nach Harald Bergerhoff ginge, würde er alle Mitarbeiter in sämtlichen Betrieben durchimpfen. Der Wermelskirchener Mediziner mit Hausarztpraxis an der Oberen Remscheider Straße ist auch Betriebsarzt und startete diese Woche mit den Impfungen in Wermelskirchener und Remscheider Unternehmen. „Es sind meist Firmen, mit denen ich als Betriebsarzt einen Vertrag habe. Die Unternehmensgröße variiert aber“, sagt Bergerhoff.

Am 2. Juni wurde die vom Bundeskabinett beschlossene Neufassung der Impfverordnung verabschiedet. Wesentlich ist dabei, dass die Priorisierung zum 7. Juni aufgehoben wurde und Betriebsärzte als eigenständige Leistungserbringer in die Impfkampagne einbezogen werden. Seitdem sollen die Betriebsärzte mit in die Impfkampagne aufgenommen werden. Im Zuge dessen fällt auch die Impfpriorisierung weg. Eigentlich eine gute Nachricht, aber es gibt noch Hürden.

Dass Firmen sich in den Praxen von Betriebsmedizinern wie Harald Bergerhoff beispielsweise „einfach so“ melden und Impftermine ausmachen könnten, gestalte sich schwierig. „Zum einen, weil unsere Telefonanlagen wegen der privaten Impfungen schon überlastet sind“ , erklärt der Arzt. Zum anderen aber auch, weil zu wenig Impfstoff vorhanden sei.

„Der kommt unzuverlässig“, erklärt Bergerhoff und ist darüber nach eigener Aussage „total enttäuscht“. Gerade für diese Woche seien ihm für die Impfung in Betrieben 800 Impfdosen mit verschiedenen Impfstoffen zugesagt worden. „Angekommen ist viel weniger, man kann sich da auf nichts verlassen“, berichtet er. Beim Impfstoff von Johnson und Johnson, der nur einmal verimpft werden muss, habe er „immer noch einen Puffer im Kühlschrank“. Der sei aber auch nicht so beliebt. „Die meisten möchten nach wie vor mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft werden. Das können wir aber nicht immer gewährleisten.“ Allein bei jungen Leuten sei das Serum von Johnson und Johnson beliebt. „Weil sie Freiheiten wiedererlangen möchten und damit nur einmal geimpft werden müssen.“

Harald Bergerhoff impft in seiner Freizeit, knapst wie viele seiner Kollegen die Zeit von seiner regulären Praxisarbeit ab. Jetzt auch noch für die Betriebe. „Meist ist es so, dass wir mit einem Team aus Medizinischen Fachangestellten, mir und einem Kollegen in die Firmen fahren“, erklärt der Wermelskirchener Arzt.

So wird es wohl auch bei der Stadt Wermelskirchen am morgigen Donnerstag aussehen. Denn dann impft das Team von Harald Bergerhoff rund 25 Mitarbeiter des Rathauses. „Herr Bergerhoff ist auch unser Betriebsarzt und wir haben uns gleich erkundigt, ob es für die bisher noch nicht geimpften und impfwilligen Mitarbeiter diese Möglichkeit gibt“, erklärt der Technische Beigeordnete der Stadt, Thomas Marner. Die Bereitschaft sei recht groß gewesen.

„Wir rücken dann eben mehrfach in den Unternehmen an.“

Harald Bergerhoff, Betriebsarzt in Wermelskirchen und Remscheid

Das sei in fast allen Betrieben so, berichtet auch der Impfarzt. Schwierigkeit bereits eben derzeit der fehlende Impfstoff. Das bestätigt auch eine Sprecherin der auch für Wermelskirchen zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln. „Größere Unternehmen haben da weniger Probleme, weil sie zum Teil selbst an Impfstoffe kommen“, sagt sie auf Nachfrage. „Aber die kleinen und mittelständischen Firmen müssen warten, bis der entsprechende Arzt genug Serum hat, um alle, die möchten, auch zu impfen.“ Um niemanden leer ausgehen lassen zu müssen, impft Harald Bergerhoff in Etappen. „Wir rücken dann eben mehrfach in den Unternehmen an“, sagt der Arzt.

Am Samstag wird es am Vormittag eine große Impfaktion bei der Firma Tente in Wermelskirchen geben. „Auch dort hatten wir auf mehr Impfstoff gehofft“, sagt Bergerhoff. Mit 180 Dosen habe er kalkuliert, 90 seien es letztlich geworden. | Standpunkt

Priorisierung

Seit Montag können alle Personen ab 16 Jahren, ungeachtet ihres Gesundheitszustands oder ihres Berufs, einen Impftermin bekommen. Die Aufhebung der Priorisierung betrifft insbesondere Coronavirus-Schutzimpfungen bei Vertragsärzten sowie bei Betriebsärzten und in privatärztlichen Praxen. Der Bund beabsichtigt, mit der nächsten Aktualisierung der Coronavirus-Impfverordnung die Priorisierung auch in den Impfzentren aufzuheben. Es fehlt allerdings weiterhin Impfstoff.

Standpunkt: Jetzt nicht nachlassen

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Dass die Impfpriorisierung aufgehoben ist und es jetzt auch in den Betrieben mit dem Impfen losgehen kann, ist eigentlich eine gute Nachricht. Zurzeit stockt es aber mit den Impfstoffen. Im Impfzentrum in Bergisch Gladbach konzentriert man sich auf die Zweitimpfungen, für die Seren zurückgehalten werden müssen. Und auch in den Arztpraxen sind die Impfstoffe in den Kühlschränken knapp. Das darf kein Dauerzustand sein, denn es wäre schade, würden wir uns den Vorsprung, den wir derzeit vor dem Infektionsgeschehen haben, wieder verspielen. Die Infektionszahlen sind nämlich sicher nicht allein deshalb drastisch gesunken, weil es entsprechende Maßnahmen gab, sondern auch, weil das Impfen in den vergangenen Monaten seit Ostern spürbar und objektiv an Fahrt aufgenommen hatte. Bleibt zu hoffen, dass das bald so weitergeht und dass auch die impfwilligen jüngeren Leute in den Betrieben ihre Ärmel hochkrempeln dürfen. Schließlich kommt es auf sie und ihre Arbeitskraft täglich an. Und viele haben aufgrund ihrer Tätigkeit nicht die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.

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