Jugendhilfeausschuss

Betreuung von Kita-Kindern ist nicht mehr gesichert

Barbara Frank, Leiterin des Jugendamtes.
+
Barbara Frank, Leiterin des Jugendamtes.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
    schließen

Rechtsanspruch kann kaum erfüllt werden – Angebote könnten reduziert oder gestrichen werden.

Wermelskirchen. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder kann nicht mehr vollständig erfüllt werden. Diese kleine Bombe ließ Barbara Frank, die Leiterin des Wermelskirchener Jugendamtes, im Jugendhilfeausschuss in einem Nebensatz platzen. Hintergrund: Alle Kindertageseinrichtungsträger haben das Problem des Fachkräftemangels und stehen dadurch in Konkurrenz zueinander.

„In den Kindertageseinrichtungen kann es beispielsweise im laufenden Kita-Jahr dazu führen, dass Öffnungszeiten reduziert werden und gegebenenfalls Betreuungsangebote zeitlich komplett eingestellt werden müssen“, sagte Barbara Frank. „Das Jugendamt hat inzwischen solche Schreiben aus der Trägerschaft erhalten beziehungsweise auch schon Beschwerden von Eltern bekommen.“ In umliegenden Kommunen habe der Fachkräftemangel schon dazu geführt, dass in einer dreigruppigen Kita nur zwei Gruppen angeboten werden. Einige Träger hätten bereits angekündigt, aufgrund des Personalmangels keine zusätzlichen neuen Häuser in ihre Trägerschaft übernehmen zu können.

„Leider sind die vielfältigen Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren in Wermelskirchen umgesetzt wurden, wie beispielsweise die Ausweitung der Ausbildungskapazitäten und berufsbegleitende Qualifikationen, nicht mehr ausreichend“, sagte Barbara Frank. „Weitere Maßnahmen von Land und Bund sind dabei dringend erforderlich. Denn eines ist wichtig: Qualitätseinbußen in der frühkindlichen Bildung sind aus Sicht der Verwaltung nicht akzeptabel.“

Jürgen Graef, Mitarbeiter der Lebenshilfe, betonte: „Es muss den Eltern deutlich werden, dass der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nicht erfüllt werden kann.“ Therese Rehn, stellvertretende Vorsitzende der CDU, ergänzte, dass in Kita-Einrichtungen sogar Gruppen geschlossen werden können. „Wir können künftig nicht mehr so tolerant mit den Kindertagesstätten-Zeiten umgehen“, sagte die CDU-Politikerin. „Es funktioniert nicht mehr, dass kommunale Kindertagesstätten flexibel alles möglich gemacht haben“, sagte Jugendamtsleiterin Barbara Frank. „Wer 35 Stunden für sein Kind angemeldet hat, der muss das Kind auch morgens früh bringen und nicht erst um 10 Uhr.“ Deutlich wurde, dass der Fachkräftemangel in der Kinder- und Jugendhilfe ein bundesweites Problem ist.

Bedarf an qualifizierten Kräften steigt durch die Teilzeitquote

Unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen zufolge ist mit einem bundesweiten Mangel von mindestens 300 000 Kräften zu rechnen. Laut Fachkräftebarometer werden bis 2030 in den westdeutschen Kindertageseinrichtungen bis zu 252 000 benötigt, um ein bedarfsdeckendes Angebot zu sichern und zum anderen personelle Ausstiege zu kompensieren.

„Und hier sind die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung“, erläuterte Barbara Frank. „Es ist der nach wie vor bestehende Ausbaubedarf, in dessen Folge zusätzliche Kräfte benötigt werden. Durch die hohe Teilzeitquote von Erzieherinnen und Erziehern steigt auch der Bedarf an mehr qualifizierten Kräften zur Deckung der vorhandenen Stellenkontingente. Und die Ausbildungskapazitäten an den bestehenden Ausbildungsstätten sind leider nicht ausreichend mitgewachsen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Kuddelmuddel im Laienspiel Hünger
Kuddelmuddel im Laienspiel Hünger
Kuddelmuddel im Laienspiel Hünger

Kommentare