Prozess

Betreuer hatte Angst vor dem Angeklagten

Wegen des Brandanschlages waren Teile der Sparkasse Im Januar 2022 geschlossen.
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Wegen des Brandanschlages waren Teile der Sparkasse Im Januar 2022 geschlossen.

Dritter Verhandlungstag beim Prozess wegen Brandstiftung in der Sparkassenfiliale.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Mit etwas Verspätung startete die 10. Große Strafkammer am Landgericht Köln in den dritten Verhandlungstag gegen den 28-jährigen Mann aus Wermelskirchen, dem vorgeworfen wird, an einem Sonntag Anfang Januar des Vorjahres ein Feuer im Selbstbedienungsbereich der Sparkasse an der Telegrafenstraße gelegt zu haben. Dabei war ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden – für den Angeklagten ging es dabei nicht nur darum, ob ihm die Schuld eindeutig nachgewiesen werden kann, sondern auch darum, ob er wegen seiner psychischen Erkrankung in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden sollte. So soll er die Tat in einem Zustand einer paranoiden Schizophrenie begangen haben.

Am dritten Verhandlungstag wurde unter anderem ein Sachverständiger für Brandursachen des Landeskriminalamts aus Düsseldorf als Gutachter gehört. Der berichtete dabei ausführlich über die Rekonstruktion des Brandgeschehens. „Der Bereich, in dem es gebrannt hat, ist mit Überwachungskameras ausgestattet, so dass wir darauf zugreifen konnten“, sagte er. Der Brand sei um 11.38 Uhr gemeldet worden, der erste Polizeibeamte sei bereits um 11.42 Uhr, noch vor der Feuerwehr, vor Ort gewesen. Auf den Bildern sei zudem eine tatverdächtige Person zu erkennen, die den Inhalt eines Kanisters entleerte – wenig später seien dann die Flammen hochgelodert.

Auch der Betreuer des Angeklagten wurde gehört

Hauptsächlich gebrannt habe die sogenannte Sauberlaufmatte, die im Boden des Selbstbedienungsbereichs verlegt sei. „Ein Brand ist ein sehr chaotischer Prozess mit vielen Parametern. Wir haben hier das Ergebnis und können dann entsprechende Versuche machen. Müsste ich aber im Vorfeld Aussagen über einen Brandverlauf treffen – würde ich mich sehr schwer tun“, erklärte der Gutachter.

Ebenfalls gehört wurde der Betreuer des Angeklagten. Dieser war im Sommer 2021 im Rahmen eines Anhörungsverfahrens am Amtsgericht Wermelskirchen bestellt worden. Er beschrieb den Umgang mit dem Angeklagten  als „mühselig“. So habe der 28-Jährige der Betreuung nur widerwillig zugestimmt. „Ich durfte auch nie zu ihm nach Hause, wir haben uns immer in einem Café getroffen“, erklärte der Betreuer. Von den Vorfällen in der Stadtsparkasse habe er nichts mitbekommen, wolle davon auch nichts wissen. Er berichtete nur kurz darüber, was er von der Mutter des Angeklagten über dessen Kindheit und Jugend erfahren habe. „Ihrer Meinung nach sei die Schizophrenie möglicherweise nach der Trennung von ihrem Mann aufgetreten“, so der Betreuer.

Dem widersprach der Angeklagte, der ansonsten an diesem Verhandlungstag recht ruhig blieb, etwa mit den Worten: „Das sind doch alles Pseudogeschichten.“ Auch habe die Mutter dem Betreuer im Winter 2021 gesagt, dass „halb Wermelskirchen Angst vor ihm hat“. Ob der Betreuer selbst auch Angst vor ihm gehabt habe, wollte der Richter daraufhin wissen. „Ich habe viel mit männlichen paranoiden Menschen, die unter Schizophrenie leiden zu tun. Aber bei ihm war mir unwohl“, sagte der 55-Jährige dazu. So habe er ihn auch nur ein einziges Mal im Auto mitgenommen – als sie gemeinsam nach Burscheid mussten, um ein Konto zu eröffnen.

Ob der Betreuer eine Verbesserung der Erkrankung festgestellt habe, wollte der Richter noch wissen. „Ich habe ihn zweimal darauf angesprochen, dass ich ihn für psychisch krank halte. Darauf hat er nichts gesagt. Gar nichts“, sagte der Betreuer. Der Angeklagte kommentierte das lapidar: „28 Diagnosen – ausgestellt von der Friseurin meiner Mutter. Das sagt doch alles.“

Der Prozess wird am Freitag, fortgesetzt. Das Urteil wird für den 16. Januar erwartet.

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