Berufungsverfahren gegen 23-Jährigen eingestellt

Dhünner hatte aus Loyalität gelogen

Von Wolfgang Weitzdörfer

Diesmal, so ließ der 23-jährige Angeklagte über seinen Anwalt verlauten, wolle er „die Hosen komplett runterlassen“. Diesmal, das bedeutete, dass es sich um eine Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Köln als nächsthöhere Instanz handelte, nachdem er im Dezember 2018 vom Amtsgericht in Wermelskirchen wegen Beihilfe zu gemeinschaftlichem Betrug zu einer Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt worden war.

Damals habe er seinen Vater und seinen Bruder decken wollen, die einen Einbruch im eigenen Wohnhaus mit dem Ziel des Versicherungsbetrugs vorgetäuscht hatten. Weil sein Vater ihm gesagt habe, dass er die Geldstrafe selbst zu bezahlen habe, wolle er nun die komplette Wahrheit erzählen, sagte der 23-Jährige. Der vermeintliche Einbruch im Juli 2017 sei den ermittelnden Polizeibeamten bereits seltsam vorgekommen, wie die beiden Beamten im Zeugenstand aussagten.

Angeklagter gilt nun nicht mehr als vorbestraft

„Wir hatten massive Zweifel“, sagte der 29-jährige Polizist. So seien die Scherben des eingeschlagenen Fensters halb im Inneren und halb im Äußeren gelandet, was einem klassischen Einschlagen der Scheibe von außen nicht entspräche. „Außerdem haben die ‚Räuber‘ viel zu viel mitgenommen, große Elektrogeräte, Tafelsilber – das war ein halber Umzug“, sagte der zweite Polizist.

Da in der Sackgasse in Dhünn zudem gerade Fassadenarbeiter tätig gewesen seien, habe man diese befragt. „Die haben aber davon überhaupt nichts mitbekommen. Das war alles sehr unwahrscheinlich“, sagte der 54-Jährige. Er habe aus falscher Loyalität zu seiner Familie gelogen und seine eigenen Zweifel an der Geschichte, die Vater und Bruder erzählten, für sich behalten. Die Beziehung sei darüber in die Brüche gegangen, wie der 23-jährige Angeklagte unter Tränen berichtete.

Damals habe er noch im elterlichen Haus gewohnt, mittlerweile sei er ausgezogen. „Seit Juli 2019 habe ich auch keinen Kontakt mehr zu meinem Vater gehabt. Er wollte mich sogar aus der Wohnung im Elternhaus rausklagen“, sagte er weiter.

Der Staatsanwalt wollte zudem wissen, ob er von dem Plan seines Vaters und seines Bruders, den Einbruch vorzutäuschen, denn irgendetwas mitbekommen habe. „Nein. Mein Vater ist Frührentner und nicht gerade sehr motiviert, wenn es ums Arbeiten geht. Und auch im Zuge seiner Frührente hat er nicht immer die Wahrheit gesagt“, sagte der ausgebildete Steuerfachangestellte.

Auf die Frage, warum sein Vater den Bruder in den Plan eingeweiht habe und nicht ihn, antwortete er: „Weil er wohl wusste, dass ich da nicht mitmachen würde und ein besseres Verständnis von Anstand habe.“ Er habe seinen Vater auf seinen Verdacht angesprochen, bevor die Polizei gekommen sei, um den Einbruch aufzunehmen, sagte der 23-Jährige. „Er sollte die Geschichte klarstellen, habe ich zu ihm gesagt. Er aber hat auf mich eingeredet, dass ich zum Wohl der Familie dichthalten und den Betrug decken sollte“, sagte er.

Spätestens durch die Strafe sei ihm nun aber klar gewesen, dass das nicht richtig gewesen sei. Das Verfahren wurde dann gegen eine Zahlung in Höhe von 2000 Euro an die Staatskasse eingestellt. Das war zwar mehr als die Geldstrafe – dafür hat der 23-Jährige den Vorteil, dass er nun aber nicht mehr als vorbestraft gilt.

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