Berliner Kabarettist serviert hintersinnige Pointen

Hatte bittere Wahrheiten im Gepäck: Michael Feindler. Foto: S. Gagelmann
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Hatte bittere Wahrheiten im Gepäck: Michael Feindler.

Michael Feindler war zu Gast in der Kattwinkelschen Fabrik

Von Wolfgang Weitzdörfer

„Gibt es bis hierhin noch Fragen?“ Das war zugegebenermaßen eine eher ungewöhnlichere Begrüßung zu Beginn eines Kabarettabends. Das war aber auch wieder ganz passend, weil Michael Feindler keineswegs ein Standard-Kabarettprogramm präsentierte. Ganz im Gegenteil. So fein- wie hintersinnig waren die komplexen Gedankengänge des 41-Jährigen, der etwa in einer perfekt konstruierten Volte den Bogen vom Kalten Krieg zum Homo Oeconomicus und den Problemen der modernen Welt schlug, dass man ganz genau hinhören musste, um den Faden nicht zu verlieren.

Und dennoch hatte der Berliner Kabarettist bei seiner Premiere in der Kattwinkelschen Fabrik mit seinem aktuellen Programm „Ihr Standort wird berechnet“ das Publikum direkt auf seiner Seite. Das schaffte er vor allem dadurch, wie er seine wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Analysen darbot. Dazu präsentierte er kleine Songs an der Gitarre, die so gefällig klangen, dass man die oftmals bitteren Wahrheiten fast überhört hätte. Wenn er etwa über die Extreme in den Sozialen Netzwerken referierte: „Da gibt es doch nur die Extreme. Wie beim Lichtschalter, an oder aus.“ Nur um dann mit einem kleinen Zusatz den Pointensack zuzumachen: „Oder eben kaputt.“

Genau genommen hatte Feindler sein Programm dreigeteilt aufgebaut. Er wechselte praktisch übergangslos zwischen legerem Erzählen und dem Rezitieren von geradezu lyrischen Texten und garnierte das Ganze mit den erwähnten Liedern. Thematisch hatte sich der frühere Poetry Slammer nichts anderes als das Leben an sich vorgenommen. Das war natürlich nicht immer leichte Kost, etwa wenn es um die Klimakatastrophe ging. „Wenn ich mir überlege, wie ich meinen CO2-Abdruck einhalten kann, dann muss ich wohl obdachloser Veganer werden, der sich ausschließlich von regionalem Biomüll ernährt.“

Da war es nur folgerichtig, wenn er darüber sinnierte, wie sinnvoll es denn sei, nur auf die schlechten Nachrichten dieser Zeit hinzuweisen. Die Balance sei wichtig, um dann entweder nach dem Genuss aller schlechten Botschaften die Motivation zu haben, die Ärmel hochzukrempeln und weiter an der Verbesserung der Welt zu arbeiten. „Oder tut Lachen auch mal gut? Um dann weiterzumachen?“ Gute Frage.

Natürlich konnte man in der Katt vorzüglich lachen, auch wenn es immer kurz davor war, im Hals stecken zu bleiben. Wie etwa nach Sätzen wie diesem: „Ich will Ihnen ja keine Panik machen. Ich hoffe, die haben Sie eh schon…“

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