Bühne

Beißend, bitter, böse – und ein bisschen fordernd

Robert Griess war in der Kattwinkelschen Fabrik zu Gast.
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Robert Griess war in der Kattwinkelschen Fabrik zu Gast.

Politkabarettist Robert Griess teilte in seinem Programm „Apocalypso, Baby“ aus.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Es war durchaus wieder einmal erfrischend, so richtig böses und deftiges Politkabarett zu hören. Eine Kunstform, die in den vergangenen Jahren nach den Bühnen-Abschieden von Georg Schramm und Volker Pispers geradezu ein wenig unter dem Radar zu fahren schien – mit der großen Ausnahme eines Wilfried Schmickler.

Robert Griess aus Köln, war ebenfalls einer, der sich genau das auf die Fahnen geschrieben hatte. Der war in der gut besuchten Kattwinkelschen Fabrik zu Gast. Und sagte irgendwann: „Ich bin Kabarettist und kann nicht anders“, als er meinte, sich wegen seiner vieler süffisanter Gags gegen „den Sohn Wermelskirchens, Christian Lindner“ vermeintlich auf zu dünnes Eis zu begeben. Aber natürlich gehörte es in diesem Genre dazu, ohne Rücksicht auf Verluste auszuteilen: „Früher hätte man Leute wie Christian Lindner bei Ebbe ins Watt gestellt und gewartet.“

Aber es wäre natürlich zu einfach, ausschließlich gegen den Neoliberalismus der FDP zu schießen. Der Polit-Zirkus ist schließlich vielfältig genug. „Warum machen die uns auch noch die letzten schönen Worte kaputt? Jamaika – da soll man jetzt an Wolfgang Kubicki, Friedrich Merz und Claudia Roth denken, statt an Rum, Reggae und Rastafari?“

Publikum war an diesem Abend sehr gut gelaunt

Das waren Gags, bei denen das Publikum nicht übermäßig gefordert wurde, das Lachen kam punktgenau, wie überhaupt das Publikum sehr gut gelaunt war. Das war indes nicht den ganzen Abend so, irgendwann musste Griess gar sagen: „Ich merke es schon, der Groschen ist hier kein Sturzbomber.“ Das wiederum war aber auch der einzige Kritikpunkt in Richtung eines insgesamt äußerst aufmerksamen Publikums, das allerdings mit Sätzen wie diesem nichts anfangen wollte: „Die zweite Hälfte ist kürzer.“ Denn es wollte unterhalten werden, wollte die diversen Spitzen und Pointen im Dauerfeuer goutieren.

Genoss es sicht- und hörbar, wenn Griess seine Gag-Kanone gegen das Fernsehen richtete. „Der Unterschied zwischen Top-Modell und Pop-Modell ist am Ende auch nur ein Buchstabe.“ Oder gegen den Aufreger schlechthin, die Fußball-WM in Katar. „Ab dem Viertelfinale werden die Spiele nach Scharia-Regeln ausgetragen – Handspiel, Hand ab. Foulspiel, Fuß ab. Elfmeter – Steinigung.“

Niemand war vor ihm sicher. „Man kann nicht alle Querdenker über einen Kamm scheren, denn die Palette der menschlichen Dummheit ist einfach viel zu groß.“ Nur um es dann auf den Punkt zu bringen: „Ich glaube nicht alles, das die uns erzählen. Aber ich glaub auch nicht, dass die uns alles erzählen.“

Das war das Niveau, auf dem sich ein Robert Griess in seinem Programm bewegte. Und das tat auch deswegen so gut, weil es fordernd, bissig und böse war. Eben so, wie gutes Politkabarett sein muss.

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