Dhünnsche Kirmes

Beim großen Fassanstich will er sich nicht blamieren

Markus Causemann zeigt, die Barmer Bandstühlen, die keine Sitzgelegenheiten, sondern Maschinen sind. Es entsteht ein Nischenprodukt: Binden mit zwei gewebten Kanten und hoher Stabilität.
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Markus Causemann zeigt, die Barmer Bandstühlen, die keine Sitzgelegenheiten, sondern Maschinen sind. Es entsteht ein Nischenprodukt: Binden mit zwei gewebten Kanten und hoher Stabilität.

Bandwebermeister Markus Causemann eröffnet heute die dreitägige Dhünnsche Kirmes.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Es ist eine Tradition auf die der Dhünnsche „Bürgermeister“ und Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins als Ausrichter der Kirmes im Dorf, Frank Jäger, besteht: Zur Dhünner Kirmes schlägt stets ein Handwerksmeister aus dem Dorf das erste Fass an – den „Großkopferten“ überlässt der VVV zur Eröffnung der drei Festtage das Reden schwingen. In diesem Jahr ist die Wahl auf Markus Causemann gefallen.

Ob das wohl gut geht? Denn der 49-Jährige, den viele unter seinem Spitznamen „Causi“ kennen, ist einst im „Konkurrenzdorf“, genauer in Dabringhausen-Linde, aufgewachsen. Er lebt allerdings seit mittlerweile 20 Jahren im Dorfkern mit bester Balkon-Aussicht auf die Dhünner Kirche. „Aufgeregt bin ich schon, denn ich will mich natürlich nicht blamieren. Der Hammer soll treffen und das Bier schnell gezapft werden“, blickt Markus Causemann auf die Kirmeseröffnung heute, um 15 Uhr aus.

Markus Causemann ist seit 24 Jahren Bandwebermeister, konkret Industriemechanikermeister Fachrichtung Textil. Um seinen Meistertitel zu erlangen, belegte er einst einen Kurs in Wuppertal. „Obwohl es fast ein Vierteljahrhundert her ist, bin ich der bislang letzte Textilmechaniker aus dem Dorf, der einen Meister gemacht hat“, erläutert Markus Causemann, den mit der Schwebebahnstadt nicht nur der dort absolvierte Meisterkurs verbindet. Der Grund: In seinem Betrieb an der Schulstraße arbeitet Markus Causemann mit sogenannten Barmer Bandstühlen, die nichts mit einer Sitzgelegenheit zu tun haben. „Diese Maschinen fertigen ein Ergebnis wie aus einem Handwebrahmen. Die Binden haben zwei gewebte Kanten – bei modernen Maschinen ist es eine gewebte und gehäkelte Kante“, erläutert Markus Causemann: „Es gibt keine Maschine, die das so kann.“ Zwei gewebte Kanten sorgten für höhere Stabilität und Haltbarkeit.

Mit seinen 14 in Betrieb befindlichen Barmer Bandstühlen stellt Causemann Verbandstoff her. Dieser dient als Trägermaterial für Zinkleimbinden, mit denen Halbstarrverbände entstehen, die zum Beispiel zur Therapie eines Tennisarms zum Einsatz kommen. „Das ist ein Nischenprodukt, mit dem wir am Markt bestehen können“, sagt Markus Causemann, dessen Firma mit vier Vollzeit-, drei Aushilfskräften sowie einer Teilzeitkraft funktioniert und sich gegen industrielle Großfertigung behaupten muss.

22 Mitarbeiter und eine Filiale in Neuenweg hatte einst der Betrieb, den Markus Causemanns Vater Hubert im Jahr 1985 von der Familie Funke übernahm. Markus Causemann erinnert, was sein 82-jähriger Vater, der bis heute im Betrieb mithilft, ihm erzählte: „Diese Bandstühle wurden 1958 gekauft. Eine Hälfte gebraucht, die andere Hälfte neu.“

Sein Vater habe sein Leben lang an der Schulstraße „geplockert“, bemerkt Markus Causemann nicht ohne spürbaren Stolz: „Durch Um- und Anbauten ist der Standort über die Jahrzehnte gewachsen.“ Und die nötigen Tricks und Kniffe für die betagten Maschinen habe er auch durch seinen Vater kennengelernt: „Solche Bandstühle haben mit Logik nicht viel zu tun. Um die am Laufen zu halten, muss schon mal an einer Stelle ein Stückchen Pappe drunter, hier mal geschoben, dort mal gedreht werden.“

Obwohl er feststellt, dass er mit seiner Art der Produktion „quasi Steinzeit“ sei, freut es Markus Causemann, dass sich sein Betrieb in die Historie des Dhünnschen Dorfes einfügt: „Nicht umsonst ist das Weberschiffchen im Wappen von Dhünn zu finden.“ Einst war es gang und gäbe, dass die Bewohner von Dhünn tagsüber in der Landwirtschaft arbeiteten und sich abends für einen Zusatzerwerb noch an den Webstuhl setzten.

Für Markus Causemann ist unterdessen klar, dass über die Zeit des Kirmes-Wochenendes im eigenen Betrieb nicht so viel gearbeitet wird: „Ich habe mega Bock auf die Kirmes, die in den vergangenen Jahren gefehlt hat. Das ist für Dhünn ein ganz spezielles Wochenende.

Kirmes

Von heute, 20. August, bis Montag, 22. August, steigt die Dhünnsche Kirmes. Für ein buntes Treiben sorgen die vielen Gruppen und Vereine. An der Staelsmühler Straße können Kinder ihre Trödelstände aufbauen. Auf dem Parkplatz an den Drei Linden lockt ein Rummel unter anderem mit Kinderkarussell. Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem übergreifenden Freiluft-Gottesdienst auf dem Dorfplatz.

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