Bei Pflegebedürftigkeit wird Badumbau gefördert

Städtische Wohnberatung gibt Tipps zur Sanierung der eigenen vier Wände und zur Finanzierung der Maßnahmen

Von Susanne Koch

Es kann sich plötzlich alles ändern. Ein Sturz. Der Oberschenkelhals ist gebrochen. Nach der Rehabilitation ist klar, Maria M. (Name von der Redaktion geändert) kann sich nur noch mühevoll mit dem Rollator fortbewegen. Dabei ist ihre Wohnung gar nicht dafür vorbereitet. Sie wohnt im zweiten Stock, muss also Treppen steigen. In ihre Dusche kommt sie nicht mehr ohne Hilfe. Was nun?

 Hilfe bietet die Wohnberatung der Stadt an. Die Sozialpädagogin Anke Schöneweiß arbeitet dort seit 4,5 Jahren. Fünf Stunden die Woche. Die andere Zeit verbringt sie als Allgemeiner Sozialer Dienst für über 25-Jährige sowie als Lotse für Menschen mit Behinderungen. „Wenn ich einen Anruf wie den von Maria M. bekomme, verabrede ich einen Termin für einen Hausbesuch“, sagt die 53-Jährige. „Dort schaue ich mir mit den Betroffenen und ihren Angehörigen die ganze Wohnung an“, sagt sie. „Ich weise auf Stolperfallen – zum Beispiel durch Teppiche – hin, gebe Tipps, wie ein Bad umgebaut werden kann, beispielsweise durch eine ebenerdige Dusche oder einen Einstieg in die Badewanne, oder ich schaue, wo man etwa zusätzliche Haltegriffe einbauen kann.“

Anke Schöneweiß gibt auch Hilfen zur Finanzierung. „Beispielsweise können Menschen 4000 Euro Zuschuss beantragen mit dem Pflegegrad I für ihren Badumbau“, sagt sie. „Und wenn sie sich körperlich noch verschlechtern und einen anderen Pflegegrad bekommen, können sie weitere 4000 Euro beantragen.“ Wichtig sei, dass Umbauten mit dem Vermieter abgesprochen werden.

Von den acht Millionen Haushalten in Nordrhein-Westfalen sind nur rund 100 000 Wohnungen barrierearm oder barrierefrei. „Daran sieht man, wie wenig unsere Gesellschaft auf diese nicht nur im Alter wichtigen Dinge achtet“, sagt die Sozialpädagogin. 2019 sind 10 755 Menschen durch einen Sturz zu Tode gekommen, davon waren 9227 älter als 75 Jahre. Dagegen kamen nur 3046 im Straßenverkehr ums Leben.

Anke Schöneweiß gibt den Rat, sich möglichst früh mit solchen Dingen auseinanderzusetzen. „Wichtig ist uns doch, dass wir möglichst lange, am besten bis zum Schluss in unseren Wohnungen bleiben können“, sagt sie. „Wer sich damit auseinandersetzen will, kann sich an mich wenden.“

Die Dauerausstellung in Iserlohn zeigt mehr als 1000 Beispiele

Sinn mache es auch nach Iserlohn zu fahren und sich dort die Dauerausstellung „Forum für Generationen“ mit mehr als 1000 Musterbeispielen anzuschauen. Anke Schöneweiß würde sich wünschen, dass unsere Gesellschaft noch mehr sensibilisiert würde für dieses Thema. „Es kann jeden Menschen in jedem Alter treffen“, sagt sie.

Sie denkt, die Landesbauordnung müsse den Bauherren andere Vorgaben liefern. „Denn unsere Gesellschaft wird in den kommenden Jahren immer älter und die Notwendigkeiten nach altersgerechtem Umbau werden größer“, sagt die Wohnberaterin Anke Schöneweiß.

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