Aktion

IHK begleitet durch die Corona-Krise

Arbeiten unter neuen Bedingungen: Die Corona-Beschränkungen hat die hiesige Wirtschaft schwer getroffen. Archivfoto: Christian Beier
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Arbeiten unter neuen Bedingungen: Die Corona-Beschränkungen hat die hiesige Wirtschaft schwer getroffen.

Unternehmer und Selbstständige suchen Rat – Hilfestellung durch die Hotline.

Von Jennifer Preuß

Das Telefon lief heiß. Über 1000 Anrufe pro Tag gingen in den ersten Wochen der Corona-Krise bei der Industrie- und Handelskammer Leverkusen/Rhein-Berg ein. Die Verunsicherung der Mitglieder war groß. Das ist sie noch.

Die Corona-Krise hat das Wirtschaftsleben auf den Kopf gestellt. Auch die Unternehmer und Selbstständigen aus der Region stehen vor der Frage, wie es weitergehen kann und soll. Die IHK Leverkusen/Rhein-Berg versucht hier, Wege aus der Krise aufzuzeigen. „Wir arbeiten verschärft an allen Fronten“, sagt die Leiterin der Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg Eva Babatz. Auch für sie ist es eine nie dagewesene Situation, deren Auswirkung auf die Region vollkommen ungewiss ist.

Die Corona-Hotline der IHK war zeitweise auch am Wochenende besetzt und entlastete so auch die Agentur für Arbeit, die von heute auf morgen mit Anträgen auf Kurzarbeitergeld überschwemmt wurde. Viele Fragen drehen sich zudem um die Soforthilfe des Landes NRW. Als die Auszahlung wegen der Betrugsfälle pausierte, kam Unruhe auf, so Eva Babatz. Fortan seien die Banken skeptisch, wenn die Soforthilfe auf Privatkonten überwiesen werde. Viele Kleinunternehmer hätten bisher einfach kein Geschäftskonto gehabt und standen dann unter dem Generalverdacht..

„Gerade die Soforthilfe ist eine ganz wichtige Sache. Die meisten kleinen Unternehmen haben überhaupt keine Reserven und sind auf die Hilfe angewiesen. Der Staat musste schnell handeln, damit sich keine Verzweiflung breitmacht“, sagt Eva Babatz. Bislang ist es so, dass die Soforthilfe nur für die laufenden Betriebskosten verwendet werden dürfen. Das Programm ist also nicht auf Solo-Selbstständige gemünzt, deren wichtigstes Betriebsmittel ihre eigene Arbeitskraft ist und die nur geringe Betriebskosten haben. Für den Lebensunterhalt dürfen Solo-Selbstständige die Soforthilfe nach dem aktuellen Stand nicht verwenden.

„Gerade die Soforthilfe ist eine ganz wichtige Sache.“
Eva Babatz

„Wir machen uns als IHK stark für eine Lockerung. Die Soforthilfe sollte man auch für den Lebensunterhalt nutzen dürfen“, betont Babatz. Bislang werden die Betroffenen in diesem Fall an die Agentur für Arbeit verwiesen: Sie sollen Grundsicherung beantragen. „Das ist eine Fehlkonstruktion. Die Selbstständigen sind ja nicht arbeitslos“, betont die IHK-Geschäftsführerin. „Das Soforthilfeprogramm muss da pragmatischer sein.“

Ohnehin seien die Agenturen für Arbeit bereits mit dem Thema Kurzarbeit überlastet. Erfolgreiche Projekte, um Langzeitarbeitslose wieder den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen, sieht Eva Babatz in Gefahr. Das Geld fehle einfach. Es gebe keinen Bereich der hiesigen Wirtschaft, der nicht von der Krise in irgendeiner Weise betroffen ist. Entweder direkt durch Geschäftsschließungen oder dem Wegbruch von Aufträgen - oder in zweiter Reihe, weil wichtige Lieferketten auf einmal weggebrochen sind. „Das betrifft vor allem die Industrie. Sie hat totes Kapital; Waren, die nicht an den Mann gebracht werden können, weil Teile fehlen“, so Babatz.

Ein zweiter Lockdown wäre für die Wirtschaft nur schwer zu verkraften. „Im Moment haben wir einen ganz fragilen Zustand. Wir hoffen, dass sich alle an die Regeln halten“, sagt sie. Ein Verschärfen der Maßnahmen würde die Unsicherheit erhöhen, die der Wirtschaft bereits jetzt zusetzt. Von Kauflaune ist derzeit nicht zu reden. Die Verbraucher beschränken sich auf die Grundversorgung, große Anschaffungen werden aus Sorge um die Zukunft nicht getätigt. „Die Binnenkonjunktur leidet, weil die Menschen ihr Geld nicht ausgeben. Dabei müssen wir die Wirtschaft am Leben erhalten. Sie ist elementar für die Gesellschaft.“

Beratung

Die Industrie- und Handelskammer bietet auch weiterhin Beratung rund um das Thema Corona-Krise an. Die eigens eingerichteten Hotlines sind erreichbar unter Tel. (0221) 16404444 (Soforthilfen) und (0221) 16401300 (alle weiteren Corona-Aspekte). Zudem sind auf der Internetseite alle aktuellen Informationen rund um die Verordnungen der Landesregierung übersichtlich zusammengetragen.

www.ihk-koeln.de

Standpunkt: Eines bedingt das andere

Von Jennifer Preuß

Schwarz-Weiß-Denken ist ungesund. In letzter Zeit wird leider in Kategorien gedacht: Gesundheit oder Wirtschaft. Es wird verkannt, dass das eine das andere bedingt.

Eine starke Wirtschaft macht ein so gutes Gesundheitssystem, wie wir es haben, erst möglich. Alles muss finanziert werden. Die Gelder, die die Politik gerade großzügig verteilt, stammen auch von den Wirtschaftstreibenden, die Steuern zahlen. Ohne die Wirtschaft ist alles nichts: kein Wohlstand, keine Arbeitsplätze, kein Auskommen. 

In den nächsten Wochen, wenn die aktuellen Statistiken veröffentlicht werden, wird man beziffern können, wie viele Unternehmen die erste Zeit der Krise nicht überstanden haben. Trotz Soforthilfen werden es nicht wenige sein. Hinter jeder einzelnen Insolvenz stehen Schicksale. Menschen, die ihren Job verloren haben. Zukunftsängste haben auch die, die, wenn auch unter Einschränkungen, ihren Betrieb bislang weiterführen konnten. Zu Recht. Die Auswirkungen dieses volkswirtschaftlichen Schadens werden noch die nachfolgenden Generationen spüren. 

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