Autobahnbrücke

Baustelle in Hünger bringt Bürger in Rage

Mit einem „Aufgebot“ von nahezu 100 Menschen geriet ein Pressetermin fast schon zu einer Demonstration.
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Mit einem „Aufgebot“ von nahezu 100 Menschen geriet ein Pressetermin fast schon zu einer Demonstration.

Bei den Arbeiten an der Autobahnbrücke über die A 1 geht es nicht voran.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Eigentlich sollte es ein Pressetermin werden. Heinz Köhler wollte Journalisten über den seiner Ansicht nach „unhaltbaren“ Zustand informieren, der in seinen Augen schlicht eine „riesige Sauerei“ ist. Da aber der „Flurfunk“ bekanntlich in Wermelskirchen funktioniert, wurde dieser Gesprächstermin nahezu zur Demonstration: Sogar mit Traktoren waren an die 100 Bürger zum Treffpunkt an die Shell-Tankstelle am Autobahnanschluss gekommen, um ihrem Unmut Nachdruck zu verleihen.

„In der achten Woche in Folge passiert an der Brücke über die Autobahn in Hünger gar nichts – kein Bauarbeiter weit und breit“, schildert Köhler seine Beobachtungen, die die Umstehenden bestätigen: „Die Verkehrsführung in eine Richtung wird aber nicht geändert.“ Entweder müsse es an der Baustelle zügig vorangehen, damit sie schnellstmöglich beendet ist. Oder die Verkehrsführung müsse wieder in beide Richtungen geöffnet werden, wenn längere Zeit nicht gearbeitet werden könne.

„Die meisten, die hier her gekommen sind, um ihren Unmut auszudrücken, stammen aus dem Westgebiet von Wermelskirchen. Es sind Einwohner von Pohlhausen, Hünger, Sellscheid, Ober- und Unterwinkelhausen oder auch Höhrath“, so Heinz Köhler zur stattlichen Menschenansammlung. Die Bürger seien angespannt und frustriert, weil es auf der Baustelle nicht weiter ginge: „Man darf nicht vergessen. Eine Strecke von sonst sechs Kilometern ist jetzt zwölf Kilometer lang.“

Umwege seien mit großen Kosten verbunden

Wer von Wermelskirchen-Innenstadt über die L 157 in Richtung Pohlhausen oder Hünger fährt, kann die Baustelle in dieser Fahrtrichtung einspurig durchfahren. Umgekehrt muss die deutlich längere Umleitung über Preyersmühle gefahren werden. Nicht zuletzt wegen dem dadurch erhöhten Verkehrsaufkommen vor der Haustür der Pohlhausener sei die Situation „nicht tragbar“, sagt Hans Schwarze. Bernd Gärtner bemerkt: „Das ist eine Frechheit.“ Und er denkt noch weiter: „Was ist denn im Winter. Die Strecke, die ich derzeit zur Arbeit fahren muss, räumt bei Schnee doch morgens kein Mensch.“

Diese Umwege seien mit großen Kosten verbunden, auch für Ehrenamtler, berichtet Heinz Köhler: „Wir Bürgerbusfahrer sind durch die Umleitung gezwungen, monatlich 480 Kilometer zusätzlich zu fahren. Das ist nicht nur ein Zeitfaktor, sondern kostet den Verein auch richtig Geld.“

Zudem bemängeln die Bürger, dass sie nicht informiert würden. Norbert Galonska (SPD), stellvertretender Bürgermeister, kommentiert: „Ich bin als interessierter Bürger hier. Der Zustand ist eine Zumutung. Aber Straßen NRW und die Autobahn GmbH sind zwei Vereine, die jeder Argumentation abgängig sind. Das kann wohl nur ein Eingreifen des NRW-Verkehrsministers helfen.“

Die SPD-Fraktion beantragte bereits eine Ampellösung für die Hünger-Baustelle, ähnlich wie am Autobahnanschluss in Burscheid. Das war auch schon Thema im Stadtrat. Dort signalisierten Bürgermeisterin Marion Lück und der Technische Beigeordnete Thomas Marner, dass sie ebenso unzufrieden mit der Situation seien, aber die Bauträger an ihrem Vorgehen festhielten.

„Natürlich können wir den Unmut der Anwohner gut verstehen, dass sie aufgrund der Baumaßnahmen an der Autobahnbrücke weite Umwege in Kauf nehmen müssen“, sagen Bürgermeisterin Marion Lück, Stadtentwickler Florian Leßke und Tiefbauamtschef Harald Drescher: „Fakt ist, dass die Stadt und der Bauherr, die Autobahn GmbH, intensiv nach Lösungen gesucht haben. Aber leider sind alle Varianten verkehrsrechtlich nicht umsetzbar gewesen. Deshalb waren und sind uns die Hände gebunden.“

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