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Baumexperte gibt grünes Licht für Terrasse

Gastronomin Anna Fanelli hat Baumexperte Dr. Markus Streckenbach beauftragt, zu prüfen, ob ihre Terrasse den Baum beeinträchtigt. Foto: Doro Siewert
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Gastronomin Anna Fanelli hat Baumexperte Dr. Markus Streckenbach beauftragt, zu prüfen, ob ihre Terrasse den Baum beeinträchtigt.
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Dr. Markus Streckenbach untersucht, ob Außengastronomie dem Weihnachtsbaum schaden könnte

Wermelskirchen. „Heute könnte ich Glühwein ausschenken“, ließ sich Anna Fanelli von Regen, starkem Wind und kühlen sieben Grad nicht unterkriegen. Für die 52-jährige Gastronomin war es ein wichtiger Termin: Baumexperte Dr. Markus Streckenbach aus Bochum untersuchte, ob denn die geplante Terrasse des Restaurants „ToscAnna“ am Wermelskirchener Weihnachtsbaum dessen Gesundheit beeinträchtigen könnte.

600 bis 1000 Euro lässt sich Fanelli das Gutachten kosten. Die kommen noch mal drauf auf die fast 20 000 Euro, welche die Terrasse insgesamt kosten wird. Seit zwölf Jahren betreibt sie das „ToscAnna“. Bislang kam sie mit ein paar Sitzplätzen draußen auf einem Podest an der Wand aus. Doch unter Corona-Bedingungen passen da nur noch sechs Leute hin - und drinnen ist sowieso geschlossen. Fanelli setzte daher auf die Terrasse.

„Wir haben eine funktionierende Stadtverwaltung mit fähigen Leuten“, lobte sie die Zusammenarbeit. Seitens der Stadt gab es natürlich einige Bedingungen und Anforderungen - aber grundsätzlich gab es grünes Licht für die Terrasse, auf der unter Corona bis zu 20 Menschen sitzen könnten. Also ließ Fanelli bauen.

„Das ist ein gesunder Baum.“

Dr. Markus Streckenbach, Sachverständiger

Öffentliche Kritik äußerte zuerst Volker Ernst: Der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins (BGV), Abteilung Wermelskirchen, sorgte sich um die Gesundheit des Naturdenkmals, unter anderem wegen einer möglicherweise mangelnden Bewässerung. Neue Freunde gewann er damit nicht: „Wir haben im Gegensatz zu anderen Ahnung von der Materie“, kritisierte zum Beispiel Volker Niemz vom Tiefbauamt.

Amtsleiter Volker Drescher hatte derweil etwas anderes entdeckt: „Dort sind viel mehr Stützen unter der Terrasse verbaut, als das vorgesehen war. Das muss wieder umgebaut werden.“ Ihm sei die Bedeutung des uralten Mammutbaumes nämlich sehr bewusst. „Wir haben noch einen noch größeren Mammutbaum an der Viktoriastraße stehen und noch einen im Stadtpark“, zählte Drescher auf. Doch natürlich sei der Weihnachtsbaum für die Wermelskirchener ein ganz besonderer.

„Das ist ein gesunder Baum“, lautete die erste Einschätzung Dr. Schreckenbachs, „er hat nur seinem Alter von etwa 150 Jahren entsprechende Vorerkrankungen.“ Vor allem den Boden rund um den Stamm nahm der Experte in Augenschein: Dafür steckte er ein Prüfstab in die Erde. „Und ich muss ganz schön Kraft aufwenden“, erklärte Dr. Streckenbach, „also ist der Boden tragfähig.“ Sein Fazit nach der Untersuchung: „Durch die Außengastronomie wird dem Baum nicht geschadet.“

Für Niemz und Drescher keine Überraschung: „Zu dem Urteil waren wir ja auch schon gekommen.“ Den Gutachter hätte sich die Gastronomin ihrer Meinung nach sparen können.

Die sah das etwas anders. Anna Fanelli hat in den vergangenen Tagen nämlich viel Kritik an der Terrasse zu hören bekommen: negative und positive. „Das sieht ja sehr schön aus“, rief zum Beispiel eine Passantin im Vorbeigehen. Fanelli freute sich über jedes Lob und jeden Zuspruch. Sie nahm aber auch die negativen Stimmen zum Anlass, den Bau sofort zu stoppen. „Da fehlt noch das Geländer“, erklärte sie. Das Gutachten hat sie bestellt, um nicht später einmal Vorwürfe zu hören, die Terrasse habe dem Baum auf Dauer doch geschadet.

Hilfe brauche der Baum gleichwohl, urteilte Dr. Streckenbach: Wegen des Klimawandels müsse er einmal die Woche gegossen werden. „Wir überlegen jetzt, eine Bewässerungsanlage zu bauen“, erklärt Fanelli. Daran soll es jetzt auch nicht mehr scheitern. Nun komme noch ein Geländer aus Holz an die Terrasse, dann hoffe sie, spätestens im Juni dort eröffnen zu können.

Der BGV-Vorstand wollte einen Schlussstrich über die Diskussion im die Außengastronomie unter dem Mammutbaum ziehen, er schrieb: „Der BGV hat ausschließlich in Sorge um den Mammutbaum in einem offenen Brief auf Risiken für den Baum hingewiesen, die im Zusammenhang mit der ohne öffentliche Diskussion erstellten außengastronomischen Anlage stehen. Diese Sorge besteht weiter.“ Die Verantwortung liege nun bei der Stadt und beim Kreis. Der BGV ziehe sich aus der Diskussion, die leider teilweise nicht sachlich geführt worden sei, zurück.

Weihnachtsbaum

Der Riesenmammutbaum wächst dank König Friedrich Wilhelm Carl von Württemberg heute an vielen Orten in Deutschland – vor allem in Süddeutschland. In Wermelskirchen finden sich Exemplare des Baums auch am Krankenhaus, an den Stadtwerken und in Tente. Der Baum an der Oberen Remscheider Straße hat seine Bedeutung durch die Kontinuität der Nutzung als Weihnachtsbaum seit Mitte der 1920er Jahre.

Standpunkt

markus.schumacher@rga.de

Kommentar von Markus Schumacher

Es lag nicht nur am Wetter, dass unter dem Weihnachtsbaum am Dienstag eine eisige Stimmung herrschte. Als Gastronomin Anna Fanelli die möglichen Auswirkungen der Außengastronomie auf den Riesenmammut durch einen Sachverständigen prüfen ließ, war auch Volker Ernst als interessierter Beobachter vor Ort. Doch der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins in Wermelskirchen fing sich manchen bösen Blick ein. Hinter vorgehaltener Hand - oder gleich verdeckt durch einen Mund-Nase-Schutz – wurde geschimpft, dass er ja die Diskussion um die Außengastronomie öffentlich gemacht habe. Das aber darf nun wirklich kein Grund für einen Vorwurf sein: Denn der Weihnachtsbaum ist den Bürgern einfach zu wichtig, als das darüber nur im stillen Kämmerlein gesprochen werden darf, wenn dort etwas verändert wird. Dass die von Ernst angestoßene Diskussion so ausuferte und schnell unsachlich wurde, ist ja nicht sein Verschulden. Anna Fanelli bleibt nun zu wünschen, dass die Terrasse nun bald fertig und dann auch gut angenommen wird.

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