Polhausen im Gespräch

Baugebiet sorgt für Diskussionen

In Vorderhufe sollen in Zukunft einige neue Häuser entstehen. Archivfoto: Herbert Draheim
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In Vorderhufe sollen in Zukunft einige neue Häuser entstehen.

Die Grünen stellen die Planungen für Vorderhufe und Hoffnung in Frage.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Warum nicht in Pohlhausen neu bauen statt in Vorderhufe/Hoffnung? Diese Frage stellte Stefan Janosi, Fraktionsvorsitzender der Grünen, am Montagabend vor dem Stadtrat recht offensiv. Im Anschluss stimmten die Grünen dann auch unisono gegen eine Änderung des dortigen Flächennutzungsplanes, die als Vorbereitung auf die Bebauung der Fläche vorgesehen ist. Alle anderen Ratsmitglieder stimmten aber dafür, so dass der Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung schließlich mehrheitlich angenommen wurde.

Aus Sicht der Wermelskirchener Grünen gebe es nur wenig Kriterien, die für die Erschließung der derzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche sprechen würden. Janosi sprach dabei auch den Klimaschutz an. „Wenn man bedenkt, dass bei einem möglichen erneuten Hochwasser das Regenwasser der Siedlung dann Richtung Eifgenbach fließt, ist das sicher nicht optimal.“ Die Lage der Grundstücke sei abschüssig Richtung Neuemühle/Eifgental.

Zudem herrsche in Vorderhufe wegen der Anbindung nach Dhünn und Dabringhausen (Finkenholl) jetzt schon viel Verkehr. Janosi: „Die Verkehrsbelastung wird mit der Bebauung wesentlich stärker werden. Stichwort: Versiegelung der Flächen. Es wird ja nicht bei der Bebauung bleiben. Es müssen ja auch Straßen her.“

Janosi stellte in Frage, warum man denn nicht das Baugebiet Pohlhausen favorisiere. Wie berichtet, hatte die Stadt Anfang der 2000er Jahre unter damaliger Bürgermeisterschaft von Eric Weik dort eine Solarsiedlung geplant, die aber nie gebaut worden war. Die Fläche gehört indes immer noch der Stadt Wermelskirchen.

„Dort“, sagte Stefan Janosi, „würde sich wirklich bezahlbarer Wohnraum, auch für Alleinstehende und ältere Menschen anbieten, die wir auch berücksichtigen müssen.“ Die Grünen würden ohnehin innenstadtnahe Neubauflächen favorisieren. Janosi betonte, dass sich bereits Anwohner von Vorderhufe an ihn gewandt und Bedenken aufgrund der Planungen angemeldet hätten. „Da dürfen wir gespannt sein, welchen Gegenwind es bei einer Bürgerbeteiligung geben wird.“ Wie ebenfalls berichtet, hat die Verwaltung für Frühjahr 2022 eine solche Bürgerbeteiligung anberaumt.

Auch SPD und CDU hatten Pohlhausen ins Spiel gebracht

Thomas Marner, Technischer Beigeordneter der Stadt, räumte dazu ein, dass die ehemalige Solarsiedlung in Pohlhausen durchaus Potenzial habe. „Auch das haben wir im Blick“, sagte Marner. „Aber die Vorderhufe hat aufgrund vieler Punkte erst einmal Vorrang.“

Im Vorfeld hatten bereits die Fraktionen SPD und CDU das Grundstück in Pohlhausen öffentlich ins Gespräch gebracht – und einen entsprechenden Antrag gestellt. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr soll nun laut Ansicht von CDU und SPD dem Stadtrat empfehlen, zu beschließen, die im Eigentum der Stadt befindlichen Flächen, die in dem bestehenden Bebauungsplan Polhausen ausgewiesen sind, zu verkaufen. Dabei solle ein Großteil der Flächen an ein förderungswürdiges Klientel, wie zum Beispiel junge Familien zu einem angemessenen Preis vermarktet werden.

Die Verwaltung möge zudem prüfen, ob und in welchem Umfang der bestehende Bebauungsplan Mietwohnungsbau in Pohlhausen möglich machen könnte. Ein großer Teil der Flächen sei für die Umsetzung des Projektes ,Familienfreundliches Bauen’ geeignet. Lediglich die Bebauung zur Waldrandlage hin sei davon ausgenommen und könne bei einer entsprechenden Vermarktung zur Reduzierung des Kaufpreises der restlichen Grundstücke beitragen.

Für die Erschließung des Baugebietes Vorderhufe sprachen sich SPD und CDU dennoch aus. Friedel Burghoff (CDU) führte am Rednerpult an, dass es vor allem um die Beschaffung von Bauland für junge Familien gehe, die aus den umliegenden Großstädten „aufs Land“ nach Wermelskirchen kommen sollen.

Hintergrund

Wie genau diese ersten Baupläne für das Gebiet aussehen könnten, sollen die direkten Anwohner Anfang kommenden Jahres während einer Bürgerbeteiligung erfahren.

Auf der Webseite der Stadt finden Interessierte mehr Informationen zum entsprechenden Aufstellungsverfahren und zur beabsichtigten Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich Vorderhufe – alles zu finden in den Unterlagen zum Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr. www.wermelskirchen.de

Standpunkt: Das ist von gestern

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Bezahlbaren Wohnraum schaffen und dabei auch Aspekte des Klimaschutzes beachten: Die Argumente, die die Grünen am Montagabend vor dem Stadtrat anführten, indem sie die Planungen für eine Neubausiedlung kritisierten, sind nachvollziehbar und keineswegs aus der Luft gegriffen. Die Grünen sprechen mit ihrer Argumentation gegen das Baugebiet auf landwirtschaftlich genutzter Grünfläche vor allem auch aus Bürgersicht. Es ist deshalb unverständlich, warum die übrigen Ratsmitglieder sich nicht einmal zu einer Diskussion über diese Argumente haben bewegen lassen und somit die Grünen quasi allein stehen ließen. Gerade hinsichtlich der neuerlichen Überlegungen bezüglich Nachhaltigkeit und Klimaschutz, die ja den Grünen bei den vorangegangenen Wahlen immerhin einen großen Wählerstimmen-Bonus einbrachten, ist es bitter, dass diese recht neue, aber durchaus richtungsweisende Denkweise in Wermelskirchen offenbar kaum Beachtung findet. Es scheint ein wenig, als entscheide man aus einer Position der Glückseligen heraus, die mit den Themen, die die Gesellschaft derzeit bewegen, nichts am Hut hat.

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