Bauernhof wird zum Klassenzimmer

Für die Erst- und Zweitklässler ist der Besuch bei Schaf Jakob, der auf dem Hof von Kathy Rocholl lebt, eine wichtige Abwechslung. Foto: Michelle Jünger
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Für die Erst- und Zweitklässler ist der Besuch bei Schaf Jakob, der auf dem Hof von Kathy Rocholl lebt, eine wichtige Abwechslung.

UnBehindert miteinander und Bundesministerium unterstützen Heinrich-Neumann-Schule

Von Michelle Jünger

Sachkunde ganz praktisch lernen und nicht nur den ganzen Tag in der Schule sitzen – das ist für die Kinder der Heinrich-Neumann-Schule im Moment fester Bestandteil des Unterrichts, nachdem sie beim bundesweiten Wettbewerb „Echt Kuh-l!“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft einen Preis zur nachhaltigen Landwirtschaft und Ernährung gewonnen haben. Auf dem Erlebnisbauernhof der Familie Rocholl in Solingen-Höhrath nahe der Grenze zu Wermelskirchen können die Schüler reiten, basteln und einfach mal ausprobieren.

Ohne die mit dem Wettbewerb verbundene finanzielle Unterstützung wäre der Projektunterricht nicht möglich – allerdings reichte es noch nicht ganz, um für alle Klassen mehrere Tage den etwas anderen Unterricht auf dem Bauernhof anzubieten. Den zweiten Teil der Finanzierung, rund 2000 Euro, übernimmt der Remscheider Verein UnBehindert miteinander.

Vereinsvorsitzender Harald Blaß, berichtet, dass es dem Verein seit jeher ein Anliegen sei, integrative Projekte direkt vor Ort zu fördern. „Wir wurden ursprünglich gegründet, um Kindern mit Behinderung Ponyreiten zu ermöglichen.“

„Hier können sie sich bewegen und ausprobieren. In der Schule müssen sie still sitzen.“

Lisa Schäfer, Lehrerin

Die besondere Form des Unterrichtes ist auf dem Hof der Familie Rocholl möglich. Der Unterricht folgt ganz klar einer gewissen Struktur. Erst geht es ins Heu, zum Ankommen und um zu besprechen, was beim Besuch alles gemacht wird. Neben dem therapeutischen Reiten dreht sich zum Beispiel alles um das Thema Schafe und Wolle. Sogar einen theoretischen Teil gibt es, bevor es rausgeht, um die Schafe zu begrüßen.

Die Schafe kennen es schon, dass die Kinder sie gerne streicheln wollen. Sehen, hören, fühlen, erleben – darum drehen sich die anderthalb Stunden auf dem Hof. „Teilweise können es sich Familien nicht leisten, mit ihren Kindern so etwas zu machen. Aber es ist ein besonderes Erlebnis und eine wichtige Erfahrung für die Kinder, die sonst so wenig mit dem Bauernhof in Berührung kommen“, sagt Lehrerin Lisa Schäfer, die mit einer Kollegin und einem Betreuer die Kinder begleitet. Nachdem die Klasse bei den Tieren war, geht es ans richtige Tagewerk. Bälle zu filzen, steht heute auf dem Programm, während immer zwei Kinder mit Kathy Rocholl, Besitzerin des Bauernhofs, reiten sind. Sonst unruhige oder auch sehr stille Kinder blühen auf, konzentrieren sich sehr auf ihre Arbeit.

„Hier können sie sich bewegen und ausprobieren. In der Schule müssen sie stillsitzen“, meint Schäfer. Mit dem Geld des Wettbewerbs und des Vereins kann jede Klasse der Primarstufe dieses Winterhalbjahr viermal nacheinander den Hof Rocholl besuchen, danach ist das Geld aufgebraucht.

„Wir hoffen natürlich, dass wir dieses Projekt auch weiterhin finanziert bekommen. Wir sind derzeit wieder auf der Spendensuche und informieren uns auch über Förderungen“, berichtet die Lehrerin.

Für die Kinder vergehen die anderthalb Stunden auf dem Erlebnisbauernhof in Höhrath wie im Flug. Vor allem üben sie aber neben Geduld auch andere Fähigkeiten wie Körperspannung, Gleichgewicht und Koordination. Die Bewegung und auch die Aufgaben bewirken, dass die Kinder neugierig und aufmerksam sind.

Verein UnBehindert miteinander

Der Verein UnBehindert miteinander bietet integrative Gruppen und Projekte in Remscheid und Umgebung an. Unter anderem gibt es einmal in der Woche eine Wanderung, aber auch andere Sport-, Bewegungs- und Freizeitangebote. Auch Unterstützung, beispielsweise bei der Betreuung von Ferienreisen von Menschen mit Behinderung, gehören zu den Leistungen des Vereins.

www.unbehindert-miteinander.com

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