Handwerk

Bäckereien zahlen über Mindestlohn

Das Team von Konditor Thomas Wild bekommt mehr als zwölf Euro Stundenlohn.
+
Das Team von Konditor Thomas Wild bekommt mehr als zwölf Euro Stundenlohn.

Um gutes Personal zu finden, reiche zwölf Euro pro Stunde nicht aus.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. Seit 1. Oktober gilt der neue Mindestlohn. Neu heißt in dem Fall: Mindestlohn in neuer Höhe. Denn einen Mindestlohn gibt es tatsächlich schon seit dem Jahr 2015. Damals wurde erstmals eine gesetzlich einheitliche Mindestbezahlung für die Arbeitsstunde eingeführt, die bei 8,50 Euro brutto lag. Seitdem wurde der Mindestlohn mehrfach erhöht, wofür die eigens zu diesem Zweck eingesetzte Mindestlohnkommission zuständig ist. Prof. Dr. Wolfgang Kleinebrink ist Sprecher der Geschäftsführung der Vereinigten bergischen Unternehmerverbände. Der Jurist ist mit dem neuen Mindestlohn nicht einverstanden. „Die Erhöhung auf zwölf Euro ist verfassungsrechtlich bedenklich, da die Mindestlohnkommission nicht mit ins Boot geholt wurde“, sagt er.

Die Kommission kümmert sich um die Höhe des Mindestlohns, indem sie alle aktuellen Faktoren in die Bewertung mit einfließen lässt. „Das ist in diesem Fall nicht passiert, die zwölf Euro sind ein völlig willkürlicher Betrag, man hätte auch 11,90 oder 13 Euro nehmen können“, meint Kleinebrink. Der Verband wolle indes nicht juristisch dagegen vorgehen, man erhoffe sich nur für die nächste Erhöhung eine „sachlich korrekte“ Vorgehensweise.

Für Christian Bauer, Geschäftsführer der Landbäckerei Bauer mit Filialen unter anderem in Wermelskirchen und Dabringhausen ist der Mindestlohn indes kein Thema. „Uns betrifft das tatsächlich nicht, da wir ohnehin schon über dem Mindestlohn bezahlen – und zwar alle 130 Beschäftigten in unserem Unternehmen“, stellt er fest. Bäckereien und Cafés seien Branchen, in denen viele Menschen arbeiten. „Es ist grundsätzlich nicht leicht, Mitarbeiter zu finden – und zu halten. Wenn wir dann eine Leistung nicht fair bezahlen würden, hätten wir es noch schwerer“, sagt Bauer.

Mindestlohn sei wichtig beim Fachkräftemangel

Thomas Wild, Konditormeister und Geschäftsführer vom Café Wild am Markt, sieht gelassen auf die neue Erhöhung des Mindestlohns. „Bei uns bekommen schon alle Beschäftigten mehr als den Mindestlohn. Die Gastronomie hat es nicht leicht, Mitarbeiter zu finden, die auch am Wochenende und an Feiertagen arbeiten wollen. Jeder will am Sonntag ins Café gehen – aber dann arbeiten will keiner“, sagt Wild. Bei ihm im Café arbeiten derzeit um die 30 Frauen und Männer. Der Mindestlohn sei eben auch aus diesem Grund eine wichtige Einrichtung, um den Mitarbeitenden ein attraktives Entgelt zu bieten. Der Fachkräftemangel mache eben auch vor der Gastronomie nicht Halt.

Für Gerhard Juhrte, den Betreiber des Restaurants „Mark 57“ in Dabringhausen, ist die Sache ganz einfach: „Wer einen guten Job macht, wer seine Arbeit ordentlich macht, soll auch vernünftig dafür bezahlt werden. Deswegen bekommen alle unsere Mitarbeiter seit dem 1. Oktober die zwölf Euro pro Stunde.“ Auch er weiß um die Probleme, Angestellte zu finden. „Vor allem: gute Angestellte. Denn Leute, die nur Geld verdienen wollen, die findet man wie Sand am Meer. Viel schwieriger ist es da schon, Mitarbeiter zu finden, die vernünftig arbeiten wollen“, sagt der Wirt und Koch. Derzeit arbeiten im „Markt 57“ ein festangestellter Mitarbeiter und zehn Aushilfskräfte.

Seit längerer Zeit deutlich über dem Mindestlohn bezahlt Matjaz Ackun in der Rausmühle. „Ich finde das völlig in Ordnung, die Erhöhung ist richtig“, sagt er. Man hätte seiner Ansicht nach den Freibetrag für steuerfreie Beschäftigung ebenfalls deutlich erhöhen sollen – von 450 Euro auf 520 Euro ist erhöht worden. „Ich finde, dass 580 Euro angemessen wären. Denn das Stundenkontingent ist schnell gefüllt“, sagt Ackun. Er beschäftigt 21 Mitarbeiter.

Hintergrund

Gesetz Das Mindestlohngesetz wurde am 1. Juli 2015 verabschiedet. Damals lag der Mindestlohn bei 8,50 Euro brutto pro Arbeitsstunde.

Anpassungen Seit 2015 wurde die Höhe des Mindestlohns mehrfach erhöht – zum 1. Januar 2017 auf 8,84 Euro, in 2019 auf 9,19, 2020 auf 9,35, am 1. Juli 2021 auf 9,60 Euro, Anfang 2022 auf 9,82 sowie zum 1. Juli auf 10,45 Euro. Seit 1. Oktober gelten 12 Euro MIndestlohn.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Missbrauch: Angeklagter aus Wermelskirchen legt Geständnis ab
Missbrauch: Angeklagter aus Wermelskirchen legt Geständnis ab
Missbrauch: Angeklagter aus Wermelskirchen legt Geständnis ab
Ex-Bayern-Star leitet das Fußballturnier
Ex-Bayern-Star leitet das Fußballturnier
Ex-Bayern-Star leitet das Fußballturnier
Früher haben sich die Gruppen ums Feuer gestritten
Früher haben sich die Gruppen ums Feuer gestritten
Früher haben sich die Gruppen ums Feuer gestritten
40 Traktoren gingen auf Fahrt
40 Traktoren gingen auf Fahrt
40 Traktoren gingen auf Fahrt

Kommentare