Eingeschränkte Öffnungszeiten

Bäckereien finden kein Personal

die Evertzberg-Filiale an der Telegrafenstraße bleib auch montags nachmittags geöfnet.
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die Evertzberg-Filiale an der Telegrafenstraße bleib auch montags nachmittags geöfnet.

Manche müssen kurzzeitig schließen und Öffnungszeiten anpassen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die Frau, die gerade in der Bäckerei einen Kaffee trinken wollte, ist perplex. „Geschlossen am Montag Nachmittag“, liest sie leise von einem Schild ab, das an der Eingangstür hängt.

„Das sind unsere Kunden natürlich nicht gewöhnt“, sagt Oliver Platt, der Geschäftsführer der Bäckerei Evertzberg. „Unsere Kunden sind es gewöhnt, dass wir quasi rund um die Uhr verfügbar sind, dass es immer frisches Brot und Brötchen zu kaufen gibt, möglichst auch an Wochenenden oder Feiertagen.“ Allerdings ist das jetzt nicht mehr uneingeschränkt möglich – und zwar für viele Bäckereien nicht. Ein entscheidender Grund: Das Personal fehlt.

Geschäftsführer Oliver Platt hofft indes auf das Verständnis der Kundinnen und Kunden. „Wir halten jetzt erstmal sonntags und montags nachmittags jene Filialen geschlossen, von denen wir den Schlüssel haben“, erklärt er. Sprich: Die Evertzberg-Filialen im Edeka Belten sowie an der Telegrafenstraße (bei Daum und Eickhorn) bleiben an diesen Nachmittagen geöffnet. Auch in den anderen bergischen Filialen werde das so gehandhabt.

Viele, so Platt, seien einfach nicht mehr bereit, an Sonn- oder Feiertagen zu arbeiten. Das habe sich in den vergangenen zwei Jahren noch verstärkt. Die bewährte Qualität halte Evertzberg auch weiter vor, betont Platt.

Dass die Corona-Krise ihr Übriges getan hätte, um die Krise hinter den Bäckerei-Theken anzuheizen, bestätigt auch Thorsten Heidenpeter-Wader von der Geschäftsleitung der Bäckerei Beckmann. „Die Mitarbeitenden haben sich nach der Corona-Pandemie und der sich anschließenden Kurzarbeit während der Lockdowns vielfach andere Jobs gesucht“, sagt er. „Sie haben jetzt beispielsweise Stellen mit der Möglichkeit zum Homeoffice. Junge Leute sind inzwischen schwer als Aushilfen zu bekommen“, hat HeidenpeterWader zudem beobachtet. „Die Leute lassen ihre Kinder als Schüler oder Studenten offenbar nicht mehr gern arbeiten.“ Nur noch wenig junge Aushilfen gäbe es entsprechend.

Beckmann und Bauer haben noch nicht geschlossen

Filialen habe Beckmann bisher nur vorübergehend geschlossen – wegen kurzzeitiger Erkrankung des verbleibenden Personals. „Aber wenn die Infektionszahlen jetzt wieder hochschnellen, werden wir uns vorbehalten müssen, wieder verstärkt an die Öffnungszeiten zu gehen. Wir bemerken es zumindest jetzt schon. Krankmeldungen flattern aus unseren Filialen im Bergischen verstärkt ein.“

Christian Bauer, Chef der gleichnamigen Bäckerei-Kette, hat bisher lediglich zwei Filialen mit Café-Betrieb in Kürten wegen Personalmangels geschlossen . „Nach den Lockdowns wurde es schlimmer, aber grundsätzlich weiß ich nicht, wo das Personal abgeblieben ist“, sagt Bauer. „Es ist für uns aber auch extrem schwierig. Die Kunden zeigen leider vielfach auch wenig Verständnis, sind oft überreizt und reagieren wütend. Wenn wir aber nur zwei Mitarbeitende hinter der Theke haben, dauert es eben etwas länger, bis eine Kundenschlange abgearbeitet ist.“

Die Öffnungszeiten der Filialen in Wermelskirchen und Hückeswagen wolle er vorerst möglichst nicht ändern. „Wir hoffen aber auch nicht, dass es zu mehr Ausfällen kommt, denn gerade in den Filialen mit Cafébetrieb brauchen wir das Personal. Schlangen dürfen sich da natürlich nicht bilden.“

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Bäckereibetrieben sei im vergangenen Jahr noch mal bundesweit um 7 Prozent gesunken und lag bei 2939, schreibt der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. „Wir sehen die rückläufigen Lehrlingszahlen mit großer Sorge, denn jeder nicht unterschriebene Ausbildungsvertrag heute bedeutet einen noch größeren Fachkräftemangel morgen“, warnt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands.Dabei gebe es gerade im Bäckerhandwerk für junge Menschen gute Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen in der Heimatregion. Mit der Nachwuchskampagne „Back dir deine Zukunft“ will der Zentralverband seine Mitglieder künftig noch stärker bei der Nachwuchsgewinnung unterstützen.

Handwerk

Insgesamt bot die Bäckerei-Branche im Jahr 2021 laut Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks 12 242 jungen Menschen bundesweit einen Ausbildungsplatz. Unter den Auszubildenden waren 4744 Bäcker und Bäckerinnen und 7350 Bäckereifachverkäufer und -fachverkäuferinnen.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Das Beste draus machen

anja.siebel@rga.de

Die guten Zeiten sind vorbei“, hört man inzwischen häufig jemanden sagen. Das ist sicher nur bedingt richtig, denn es kommt ja immer drauf an, wer was unter „gut“ versteht. Was sicher richtig ist: Wir werden uns an mehr Einschränkungen gewöhnen müssen. Denn es gibt mehr Krisen, mehr Unwägbarkeiten – und damit weniger Sicherheit. Energie, Strom und Gas, werden teurer, Lebensmittel ebenfalls, zum Teil auch knapper.

In den Supermärkten sind die Regale leerer, es fehlen Produkte. Lieferschwierigkeiten haben zur Folge, dass Waren aller Art verspätet oder gar nicht eintreffen. Und nicht nur die Verbraucher bekommen das zu spüren, sondern auch die Unternehmer. Die müssen mit steigenden Kosten jonglieren und dabei noch zum Teil mit weniger Personal auskommen. Da gilt es von allen Seiten, das Beste draus zu machen. Und Verständnis zu zeigen an der Ladentheke oder der Kasse. Nur so kann die Krise erträglicher werden.

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