Auszeichnung für Doku über „Seawatch 3“

Nadia Kailouli ist in Wermelskirchen aufgewachsen. Für ihren Dokumentarfilm auf einem Seenotrettungsschiff hat sie den Grimme-Preis gewonnen. Fotos: dpa/rbb/Gundula Krause
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Nadia Kailouli ist in Wermelskirchen aufgewachsen. Für ihren Dokumentarfilm auf einem Seenotrettungsschiff hat sie den Grimme-Preis gewonnen. Fotos: dpa/rbb/Gundula Krause

Nadia Kailouli ist in Wermelskirchen aufgewachsen und hat nun den Grimme-Preis gewonnen

Von Kathrin Kellermann

Manchmal, wenn das Wetter in ihrer Wahl-Heimat Hamburg grau und trist ist, aber für Wermelskirchen 23 Grad und Sonne angekündigt sind, steigt Nadia Kailouli ins Auto und fährt los. Einmal zu Mama und Papa. „Ich mag Wermelskirchen. Aber ich könnte mir heute nicht mehr vorstellen, hier zu leben. Dann lieber ländlich – in Dabringhausen oder Dhünn.“ Seit März moderiert Nadia Kailouli das ARD-Mittagsmagazin und ist für das NDR-Online-Format „Strg_F“ in Undercover-Einsätzen unterwegs.

Angst vor schwierigen Themen hat sie nicht: Mit ihrem Kollegen Jonas Schreijäg meldete sie sich im Juni 2019 an Bord der „Seawatch 3“, um einen Dokumentarfilm über das Seenotrettungsschiff im Mittelmeer zu drehen. Als sie an Bord gingen, „dachten wir nicht, dass wir 21 Tage am Stück auf dem Schiff sein würden“, erinnert sie sich. Sie ahnte auch nicht, dass dieser Einsatz für Schlagzeilen sorgen würde. Denn Kapitänin war Carola Rackete (32).

Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg dokumentierten, wie das Team am 12. Juni 2019 vor der lybischen Küste 53 Menschen aus einem Schlauchboot im offenen Meer rettete, hörten die Geschichten der Geretteten. Sie filmten, wie Carola Rackete mit den Behörden verhandelte, die italienische Polizei mitten in der Nacht an Bord kam und eine Warnung von Innenminister Matteo Salvini überbrachte, dass die „Seawatch 3“ nicht anlegen darf. Und die Filmemacher hielten drauf, als Carola Rackete am 29. Juni trotz Verbot und Sperrung in den Hafen von Lampedusa einlief und sofort festgenommen wurde.

Für dieses Stück Zeitgeschichte wurden Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg mit dem Grimme-Preis 2020 ausgezeichnet. „Wir haben den Preis noch nicht in den Händen, weil die Verleihung durch die Corona-Krise ausgefallen ist“, erklärt die Preisträgerin. „Das wird sicher nachgeholt.“

„Du wirst mit dem Ertrinken konfrontiert und damit, dass nicht alle überleben.“

Grimme-Preisträgerin Nadia Kailouli über die Erlebnisse an Bord des Rettungsschiffs

Aber sie erinnert sich gut an den Moment, als sie von der Auszeichnung erfahren hat: „Ich war mit einer Freundin im Urlaub in Mexiko. Wir kamen gerade vom Strand, als die E-Mail kam, dass ich mal anrufen möge“, erzählt sie. „Das war krass – der Grimme-Preis! Aber es hat mich natürlich riesig gefreut! Vor allem, dass dieses schwierige Thema interessiert. Es ist ja auch erschreckend und kann sehr weh tun.“

Für sie war es der zweite Dreh auf einem Rettungsschiff. Die erste Reportage „7 Tage Retten auf dem Mittelmeer“ hat sie lange emotional verfolgt. „Es hat mich wirklich nachhaltig belastet. Du wirst mit dem Ertrinken konfrontiert und damit, dass nicht alle überleben. Das ist schrecklich und tragisch. Aber das sind die bitteren Tatsachen vor Ort.“

Dass sie selbst einmal Reportagen drehen würde, gehörte gar nicht zum Plan der Wermelskirchenerin, die 1983 geboren wurde und in Dhünn aufgewachsen ist. „Ich war in der Tanz-AG in der Realschule und wollte eigentlich Tänzerin werden“, verrät sie. „Aber da haben meine Eltern nicht mitgespielt. Der Weg war klar: Schule, Ausbildung, Job. Rumlungern gab’s nicht.“ Doch schon gleich nach ihrer Ausbildung zur Groß- und Handelskauffrau in Nürnberg lockte das Fernsehen: „Ein Freund hatte mir von einem Casting erzählt, ich bin hingegangen und weil ich aus NRW bin, wo man einfach etwas offener ist, habe ich die Bayern wohl mit meiner Art überzeugt.“ Mittlerweile steht sie für das Mittagsmagazin alle zwei Wochen montags bis freitags von 13 bis 14 Uhr in Berlin vor der Kamera. Fast immer dabei sind dann ihre Eltern. Natürlich sind sie stolz auf ihre Tochter. „Und dann heißt es von Papa: ‚Du hast da jemanden unterbrochen‘ oder ‚ Was war denn das für eine Hose‘“, sagt Nadia. „Kinder bleiben eben Kinder.“ Ob mit Grimme-Preis oder ohne.

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