Baumexperte soll Urteil abgeben

Außengastronomie sorgt für Unmut

Anna Fanelli hat die Bauarbeiten am Freitag erst mal gestoppt. Ein unabhängiger Baumexperte soll jetzt sein Urteil abgeben. Foto: Volker Ernst
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Anna Fanelli hat die Bauarbeiten am Freitag erst mal gestoppt. Ein unabhängiger Baumexperte soll jetzt sein Urteil abgeben.

Volker Ernst vom Geschichtsverein kritisiert zum Ärger der Stadt den Aufbau vor dem Restaurant Toscanna.

Von Anja Carolina Siebel

Mitte voriger Woche hatte sich bereits ein Anwohner beschwert. Und dann der Bergische Geschichtsverein aus Wermelskirchen. Die Kritik an der Baumaßnahme von Anna Fanelli (Toscanna) reißt nicht ab. Wie berichtet, hatte die Gastronomin an der Oberen Remscheider Straße eine Holzfläche errichten lassen, die – wenn es denn wieder erlaubt ist – ihre Außengastronomie möglich machen soll. Diese Fläche ragt ein wenig ins Beet der großen Mammutkiefer.

Das ruft jetzt Kritiker auf den Plan. Der Mammutbaum sei seit Jahrzehnten „zentraler Identifikationspunkt der Wermelskirchener“, schreibt Geschichtsvereinsvorsitzender Volker Ernst in einem Brief, den er unter anderem den Tageszeitungen, dem Bergischen Naturschutzverein und der Biologischen Station zukommen ließ.

Der Baum sei ohnehin angeschlagen, unterstreicht Volker Ernst. Das hätten Untersuchungen der vergangenen Jahre gezeigt. Das „Eindringen einer Außengastronomie in dieses seit Jahrzehnten feststehende Refugium des Baumes könne er nicht nachvollziehen.

Durch Fundamentsteine der Terrassenkonstruktion würde die Flüssigkeitsaufnahme durch das Wurzelwerk erschwert. Die errichtete Fläche überdecke zu etwa einem Drittel den Boden, der für die Regenaufnahme aus fachlichen Gründen 1978 als notwendig erachtet worden wäre. Und weiter: „Die Gäste der Gastronomie sitzen demnächst direkt unter dem Weihnachtsbaum, werbewirksam für die Gastronomie – nicht für die Umwelt. Versehentliches und unbedachtes Auftreten auf den Boden ist bei Gastbetrieb wahrscheinlich unvermeidlich und oft der Fall, weil man um Tische und Stühle herum muss.“

Zudem spricht Ernst vom „Versickern von Getränkeresten aus versehentlich umfallenden Getränkegläsern oder Putzwasser und eine nicht zu übersehende Menge an Desinfektionsmitteln, die der Gesundheit des Baumes weiter schaden“.

Stadt entkräftet die Vorwürfe mit Fakten

Zudem könnten Ritzungen, Schnitzereien und Klettereien nicht ausgeschlossen werden. Das Risiko von Folgeschäden durch unachtsam weggeworfene Zigarettenreste oder Ähnliches steige. Selbst ein Brand sei hier nicht auszuschließen.

Fassungslos über die Öffentlichmachung dieser Kritik ist nicht nur Anna Fanelli. Auch der Technische Beigeordnete Thomas Marner mag seinen Unmut nicht zurückhalten: „Mir erschließt sich nicht, warum Herr Ernst es nicht für nötig hielt, bei uns vorzusprechen. Das finde ich ungeheuerlich.“

Marner kann indes die Vorwürfe, die Volker Ernst dem Konstrukt macht, entkräften: „Beim Mammutbaum handelt es sich erstens um einen Tiefwurzler. Das bedeutet, dass die Wurzeln sich das Wasser aus dem Erdreich holen, nicht von außen.“ Zudem würde der Holzaufbau sogar de Bewässerung noch dienlich sein, weil sie in Richtung Beet entwässere. „Die Gastronomin hat uns versichert, dass sie die Bodenfläche nicht mit Putz- oder Desinfektionsmittel reinigt. Und beim Reinigen der Tische wird wohl kaum Flüssigkeit bis ins Beet tropfen“, sagt Marner.

Auf den Tischen stünden ferner Aschenbecher, so dass die Gefahr der Beschmutzung des Beetes seitens der Gäste gering sei. „Außerdem hat uns Frau Fanelli berichtet, was sie ansonsten täglich an Unrat aus dem Umfeld des Baumes entsorgt. Da dürfte die gastronomische Nutzung eher eine Entlastung sein.“

Anna Fanelli ist enttäuscht. „Es gibt ein Gutachten des Rheinisch-Bergischen Kreises, das mir die Errichtung dieser Fläche genehmigt“, sagt Fanelli auf Nachfrage. Zudem habe sie jetzt einen universitären Baumexperten hinzugezogen. Am schwersten wiegt für sie aber die fehlende Menschlichkeit. „Hätte man mit mir direkt gesprochen, wäre das klargeworden. Ich verstehe nicht, warum man mit sowas direkt an die Öffentlichkeit geht, statt mit mir direkt zu sprechen.“

Sie habe verschiedene andere Nutzungswege bereits geprüft, unter anderem die Nutzung des Parkplatzes. Dazu bedürfe es aber Voraussetzungen, die sie nicht erfüllen könne. „Aber ich habe jetzt erst einmal den Aufbau gestoppt“, sagt Anna Fanelli. „Und ich überlege, ob es nicht die bessere Alternative ist, ganz zu schließen.“ | Standpunkt

Baumexperte

Für kommende Woche hat Gastronomin Anna Fanelli – auf eigene Kosten – einen unabhängigen Baumexperten aus Bochum hinzugezogen, der sich die Situation an der Mammutkiefer anschauen und bewerten wird.

Standpunkt: Das war uncharmant

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Man mag ja als Bürger von der Konstruktion, die seit kurzem an der Oberen Remscheider Straße zu sehen ist, halten, was man will. Die Art, wie in den sozialen Netzwerken jetzt Kritik an Anna Fanelli und der Stadt geübt wird, ist aber nicht wirklich charmant. Und auch unberechtigt. Denn zunächst einmal ist die Fläche noch gar nicht fertig. Die Optik und auch der Sicherheitsaspekt werden sich noch verändern. So soll die Holzfläche, wenn fertig, barrierefrei sein. Und auch alle anderen Kritikpunkte, die der Geschichtsvereinsvorsitzende gegen die Gastronomin öffentlich vorbrachte, erweisen sich so langsam als haltlos. Überdies: Seien wir doch mal ehrlich. Wollten wir nicht alle „wirklich alles tun“, um den Gastronomen die Möglichkeit zu geben, Außengastronomie zu nutzen und somit rasch wieder öffnen zu können? Und ist allein das nicht mal einen Ausflug zur Oberen Remscheider Straße wert, um sich das Ganze selbst einmal anzuschauen? Zumindest wird dann klar: So schlecht sieht die Fläche gar nicht aus. Und so schlecht ist auch die Idee gar nicht, künftig am Weihnachtsbaum zu essen.

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