Areal kaufen

Aus Eifgen soll „Creative Space“ werden

Im ehemaligen Freibad Eifgen plant der Verein „Bowl Church“ einen „Creative Space“: (v.l.) Moritz Kruschinski, Jessica Ponte, Marla Kirchner, Mariana Tweer, Daniel Pleuser und Ingmar Thomas. Foto: Doro Siewert
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Im ehemaligen Freibad Eifgen plant der Verein „Bowl Church“ einen „Creative Space“: (v.l.) Moritz Kruschinski, Jessica Ponte, Marla Kirchner, Mariana Tweer, Daniel Pleuser und Ingmar Thomas.

Junge Wermelskirchener wollen das gesamte Areal mit Gebäuden kaufen und wieder herrichten.

Von Markus Schumacher

Eine Handvoll junger Wermelskirchener möchte den Düsseldorfer Investor Rainer Kohl (lo-project) ausstechen und das Eifgental zu einem „Creative Space“ machen. Statt Büros planen sie Werkstätten, statt „Working“, heißt es bei ihnen „Workshops“. Das ambitionierte Ziel: Bis zum 17. Mai diesen Jahres wollen sie das Startkapital von 200 000 Euro durch eine Spenden-/Crowdfunding-Aktion zusammenhaben.

Dahinter steckt kein verspäteter Aprilscherz sondern ein eingetragener Verein: „Bowl Church“. Dessen Vorsitzender Ingmar Thomas erklärt die Hintergründe: Der heute 21-Jährige wollte nach dem Abitur am städtischen Gymnasium einfach weg - und absolvierte ein Auslandsjahr in Florida und Japan. Zurück in Wermelskirchen wollte er unbedingt bleiben und begann praktische Theologie und Sozialarbeit zu studieren, im November will er mit Bachelor abschließen. Ihm und seinem Freundeskreis boten die Eltern Holger und Jutta in Buchholzen ab 2015 eine Scheune im Garten an. „Da haben wir uns jeden Dienstag getroffen, gegrillt und über Gott und die Welt geredet“, sagt Thomas. Der Kreis wuchs. Ab 2017 wurde ein monatlicher Gottesdienst angeboten. 2020 gründete Thomas mit einigen Mitstreitern den Verein „Bowl Church“. „Bowl“, weil sie eine solche Rampe für Skater in die Scheune gebaut hatten, Und Church, also Kirche, weil sie doch oft bei Gott landeten bei ihren Gesprächen. „Irgendwann saßen wir dann mit über 120 jungen Leuten Schulter an Schulter in der Scheune“, erinnert er sich, „die Scheune reichte nicht mehr.“

Aus vielen Workshops entstand ein großes Netzwerk

„Jeder von uns kann irgendetwas richtig gut“, ist Thomas überzeugt. „Und dazu bietet er dann bei uns Workshops an. Ich zeige den anderen zum Beispiel, wie man schweißt.“ Andere könnten Töpfern, Fotografieren oder Honig machen. So entstand ein großes Netzwerk.

Als die Stadt das Eifgental ausgeschrieben hatte, gingen die Mitglieder dort mal wieder spazieren. „Und da wurde uns klar, dass dies der perfekte Ort für uns ist“, schwärmt Daniel Pleuser. Der 36-jährige nennt drei gewichtige Gründe: „Ersten ist es fußläufig von der Stadt aus zu erreichen und trotzdem ist man für sich. Zweitens ist es der günstige Kaufpreis und drittens brauchen wir gerade kaputte Gebäude, die wir selber mit eigenen Händen wieder aufbauen.“ Ein Neubau hätte kein Charakter, findet er.

Die denkmalgeschützen Gebäude würde der Verein also kaum verändern. „Wir bräuchten aber länger als der andere Investor“, räumt Pleuser ein. „Also in zwei Monaten wäre es wieder schön“, versichert er, „aber mit unseren einzelnen Schritten bräuchten wir insgesamt schon rund acht Jahre.“

Im ersten Schritt würde der Verein die Umkleidekabinen wieder herrichten. „Das werden dann ein Töpferraum, ein Medienraum, eine Dunkelkammer, ein Biologieraum . . .“, zählt Thomas auf. Im Eingangsbereich ist ein kleines Café geplant. „Da trinkt man aus von uns selbstgetöpferten Tassen, sitzt auf selbstgeschreinerten Stühlen und kann sich ausgestellte Kunst ansehen“, beschreibt Pleuser. Und alles, Tasse, Stuhl und die Kunstwerke, könnte auch gekauft werden, „denn irgendwann sollen wir uns finanziell selbst tragen“, erklärt Pleuser.

Das ganze Area7l, der gesamte „Creative Space“, soll allen Wermelskirchenern zur Verfügung stehen. „Jeder kann kommen, keiner muss bei uns an Gott glauben“, sagt der Vorsitzende der „Bowl Chuch“. Auch Kindergeburtstage, die wohl öfters im ehemaligen Freibad stattfinden, könnten dort weiter steigen. Viele Ältere haben viele Erinnerungen an das Eifgental. Und wie zum Beweis sagt der gerade vorbeikommende Henning Weber: „Hier habe ich schwimmen gelernt. Und Eislaufen.“

„Die Stadt braucht keine Angst zu haben, dass wir in ein paar Jahren wieder alles aufgeben“, versichert Pleuser. Denn zum einen wachse bereits die nächste Generation nach. Und zum anderen sollen ja auch Ältere mit die Creative Space integriert werden.

Finanzierung

200 000 Euro sind der Kaufpreis, 50 000 Euro braucht „Bowl Church“, um mit der Renovierung zu starten. Rund 60 Prozent davon sollen von Privatpersonen gespendet werden, 40 Prozent durch Unternehmen. Später soll Geld mit Sponsoring, Förderungen und aus dem Betrieb generiert werden. Sollte der Verein nicht zum Zuge kommen, werde das gespendete Geld zurückgezahlt.

bowlchurch.com

Standpunkt: Viele Chancen auf einmal

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Das klingt nach Leben und nach jeder Menge Engagement, was die Wermelskirchener Jugendlichen da im Eifgen vorhaben. Vor allem klingt es aber nach Heimat, nach Menschen, die in Wermelskirchen verwurzelt sind und ihre Heimatstadt lieben. Einfach tolle Jugendliche und junge Erwachsene sind das, die mit ihrem Leben jetzt schon etwas anfangen und Visionen haben. Gerade deshalb sollten ihre Ideen unbedingt gehört und am besten auch ins Konzept integriert werden. Es sind nun einige Menschen, die sich für das Areal am Eingang zum Eifgenbachweg etwas Kreatives vorstellen können.

Warum nicht diese Ideen kombinieren und in das Konzept integrieren? Warum nicht Co-Working und Creative-Space plus Naturschutz? Wäre es nicht fantastisch, wenn alle einen Platz fänden und sich kreativ ausbreiten könnten? Ob die Stadt sich darauf einlässt, die Verhandlungen mit dem Investor auf Eis zu legen und neu zu planen, ist wohl fraglich. Dennoch heißt das ja nicht, dass nicht auch mit einem Investor tolle Konzepte im Eifgen einen Platz haben könnten. Wenn nicht, wäre das zumindest schade.

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