Unterburg

Auf die Flutkatastrophe folgt ein mutiger Neuanfang

Der provisorische Holzboden, der abgeschlagene Putz und die Trocknungsgeräte gehören zu den Spuren, die das Hochwasser in der Unterburger Kirche hinterlassen hat.
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Der provisorische Holzboden, der abgeschlagene Putz und die Trocknungsgeräte gehören zu den Spuren, die das Hochwasser in der Unterburger Kirche hinterlassen hat.

Kirche Unterburg ist zum soziokulturellen Treffpunkt geworden.

Von Theresa Demski

Das Wasser stand schulterhoch und hinterließ Schlammmassen. Die Heizung und Elektronik hatten den Geist aufgegeben. Die kleine Kirche war im Innenraum kaum wieder zu erkennen. Das war im Juli 2021. Ein Jahr später steht Pfarrerin Almuth Conrad auf dem hellen Holzboden in dem alten Kirchenschiff. Weitermachen? „Auf keinen Fall“, sagt die evangelische Pfarrerin. Und dann lächelt sie: „Neu anfangen.“

Kaum hatte der Schock im vergangenen Juli etwas nachgelassen – viele ehrenamtliche Hände hatten Wasser geschöpft, Schlamm beseitigt, die Kirche ausgeräumt und die schmutzigen Spuren der Flut weggeschafft – da sprudelten in Unterburg die Ideen. „Das Hochwasser hatte etwas ausgelöst“, sagt die Pfarrerin. Was dann passierte, war allerdings kaum abzusehen gewesen: Während die Evangelische Kirchengemeinde, zu deren Bezirk Hünger das Unterburger Gotteshaus samt der evangelischen Gemeindeglieder gehören, über eine Aufgabe der Kirche nachdachte, regten sich die Ehrenamtlichen im Ort.

Die Menschen waren nicht bereit, die Kirche aufzugeben

Die Zahl der Gottesdienstbesucher und der Veranstaltungen in der Kirche waren in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter zurückgegangen. Aber die Menschen in Unterburg – vorneweg Regina Brabender und Birgit Siekmann – waren nicht bereit, ihre Kirche aufzugeben. Also boten sie ihr ehrenamtliches Engagement an, um gemeinsam mit der Kirchengemeinde über künftige Nutzungskonzepte nachzudenken. Kaum war die Kirche vom Schlamm befreit, kamen Helfer aus dem westfälischen Halle und legten einen provisorischen Boden, die Orgel wurde ausgebaut, Trocknungsgeräte aufgestellt. Und als die Kirche wieder einigermaßen nutzbar war, trafen sich die Unterburger mit Vertretern der Kirchengemeinde, um über Perspektiven nachzudenken. „Wir haben schließlich beschlossen, uns allen und der Kirche etwas Zeit zu geben“, sagt die Pfarrerin.

Inzwischen läuft diese Erprobungsphase seit fast einem Jahr: „Wir probieren aus, was möglich ist und was nicht möglich ist“, sagt Almuth Conrad.

Die Idee: Die Kirche soll ein soziokultureller Treffpunkt sein. Ein Raum für Begegnung – aber auch für geistliche Einkehr. Inzwischen gastieren Chöre und Bands für besondere Konzerte in dem Gotteshaus. Die Besucher nehmen die Veranstaltungen an, lauschen Melodien, die bisher eher selten in der Kirche zu hören waren und freuen sich über Künstler, die auch von sich aus nach einem Auftritt in den alten Mauern fragen. Es finden gelegentlich besondere Gottesdienste statt, wie die Jubelkonfirmation Ende Mai.

Conrad: „Wir sind noch mitten in der Erprobungsphase“. Dazu gehört die Arbeit einer Perspektivgruppe, die gemeinsam mit dem Kirchenkreis und der Gemeindeberatung der Landeskirche Perspektiven auslotet – auch mit Blick auf bauliche Maßnahmen. Eine höhere sechsstellige Summe wäre nötig, um das alte Gebäude nach der Flut für die Zukunft zu rüsten.

„Im Moment sieht es so aus, als ob wir hier den Neustart wagen“, sagt die Pfarrerin – ohne etwas vorwegnehmen zu wollen. Es gebe noch so viele offene Fragen. Die Menschen in Unterburg haben sich auf die Suche nach Antworten gemacht – und werden mehr und mehr fündig. Inzwischen haben sie den zweiten 1000er-Pack Kerzen bestellt: Denn seit die Kirche ganztags zur Einkehr für Spaziergänger geöffnet hat, nutzen viele die Gelegenheit, um ein Licht zu entzünden.

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