Wermelskirchen

Tierheim: Auch in der Pandemie ist geöffnet

Scheut sich vor keiner Arbeit: Günter Leuerer vom Tierheim in Wermelskirchen. Archivfoto: Anja Carolina Siebel
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Scheut sich vor keiner Arbeit: Günter Leuerer vom Tierheim in Wermelskirchen.

Wermelskirchener Tierheim konzentriert sich überwiegend auf Hunde.

Von Peter Klohs

Das Wermelskirchener Tierheim liegt mitten im Wald, an der lang ansteigenden Straße Aschenberg. Der Autolärm von der L 408 ist nur noch verschattet zu hören, die Grenze nach Ehringhausen und zur Eschbachstraße auf Remscheider Stadtgebiet ist nicht fern. Hundegebell begrüßt den Besucher, einige Gassigeher sind mit Hunden an den Leinen unterwegs.

Der Betriebsleiter des Tierheims, Günter Leuerer, hat eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. Bis zur Mitte des vorigen Jahrzehnts war er beruflich in der bergischen Medienlandschaft verwurzelt. Seine Tätigkeit im Tierheim begann am 1. Mai 2016 als Gassigeher. Bereits drei Wochen später war er 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins Wermelskirchen und Umgebung e.V., der ebenso für Hückeswagen und Umgebung verantwortlich ist. Seit 2017 ist er Betriebsleiter.

„Es ist ein großes Geschenk, dass ich auf meine alten Tage noch einmal verantwortlich in einem solchen Projekt tätig sein kann“, sagt Leuerer. „Das Tierheim ist ein kleines Wirtschaftsunternehmen, und so muss es auch geführt werden, weil wir uns selbst finanzieren müssen. Ich achte darauf, dass der soziale Umgang nicht vergessen wird. Ich habe acht Mitarbeiter, die teils in Teil- und teils in Vollzeit arbeiten. Sieben Tage die Woche, denn die Tiere kennen keine Sonn- und Feiertage.“

„Ich mache alles im Tierheim.“

Günter Leuerer

Leuerer ist permanent im Tierheim unterwegs und scheut sich nicht, auch unbeliebte Tätigkeiten zu übernehmen. „Ich bin nicht nur ein Theoretiker“, erzählt er, „ich bin ebenso ein Praktiker. Ich mache alles im Tierheim: Von Büroarbeit über die sogenannten niederen Tätigkeiten bis zur Buchhaltung.“

Das Tierheim ist zuständig für alle Tierschutzbelange. Freilich gibt es einige Ausnahmen: Wildtiere gehören nicht dazu, ebenso exotische Tiere und Tauben. Das Tierheim ist gerne bei der Vermittlung behilflich, wenn Menschen ihr Tier abgeben möchten, nehmen aber grundsätzlich keine Abgabetiere auf. Auch Pensionsplätze werden nicht angeboten.

Fast alle Tiere im Wermelskirchener Heim sind Hunde. „Wir arbeiten mit unseren Partnertierheimen in Osteuropa zusammen“, berichtet Günter Leuerer. „Die Tiere, die wir vermitteln, kommen aus Polen und Rumänien. Der Tiertransport ist EU-einheitlich geregelt und wird mit einem Auto durchgeführt. Das sind zum Teil Strecken von 1 500 Kilometern, weshalb man die Ankunftszeit auch nicht steuern kann. Wir haben schon nachts um 3 Uhr Hunde entgegengenommen.“ Eine Mitarbeiterin wohne auf dem Gelände, was dann in einem solchen Fall auch hilfreich sei. Die Vermittlungsrate ist hoch, so dass die Anzahl der Hunde stetig schwankt. „Gestern waren es vielleicht 35, morgen sind es nur noch 16. Länger als 14 Tage ist ein Hund bei uns im Grunde nicht“, sagt Leuerer.

Hat sich die Arbeit durch Corona verändert? „Ja“. Günter Leuerer nickt lebhaft. „In Zeiten, in denen die meisten anderen Tierheime schließen, haben wir nach wie vor geöffnet, natürlich unter strengen Corona-Regeln. Wir haben mehr Zulauf als vor der Pandemie. Corona hat nicht dazu geführt, dass Menschen ihre Tiere abgeben, eher im Gegenteil. Die Menschen besinnen sich anders in Zeiten wie diesen. Nach meinen Beobachtungen gehen Menschen, die sich jetzt ein Tier anschaffen wollen, nicht in die Tierheime. Die gehen ins Internet. In den sozialen Netzwerken wird auch viel angeboten.“

Manchmal, weiß Günter Leuerer zu erzählen, sei der Umgang mit den Mitmenschen nicht einfach, und er wünscht sich mehr Verständnis für den Tierschutz und die Belange des Tierheims. „Es kommen Menschen bei uns vorbei, die eine verletzte Taube in der Hand halten. Und wenn wir ihnen dann erklären, dass wir dafür nicht zuständig sind, muss man sich auch schon mal übel beschimpfen lassen. Das muss doch wirklich nicht sein.“

www.tierheimwermelskirchen.de

Hintergrund

Die Arbeit im Tierheim kennt keine Pause. In den vergangenen vier Jahren war Günter Leuerer nicht im Urlaub, keinen einzigen Tag. „Ich fahre auch nicht so gerne in den Urlaub“, sagt der Betriebsleiter. „Tiere kennen keinen Urlaub. Die Hunde erledigen immer ihr Geschäft. Und das muss dann schnell beseitigt werden.“ Jeder Hund sollte einmal pro Tag einen Gang durch den nahen Wald unternehmen. Dafür sind zahlreiche Gassigeher ehrenamtlich für das Tierheim unterwegs. „Ohne die geht es nicht“, sagt Leuerer.

Standpunkt

Von Nadja Lehmann

nadja.lehmann@rga-online.de

Die Arbeit in einem Tierheim wandelt sich ständig. Auch wenn im Kern immer klar ist: Es geht um das Wohl der Tiere. Während einst Tierheim-Chefin Magda Ditges, die 28 Jahre lang für „ihre“ Tiere da war, viele Labor-Beagles vermittelte, konzentriert sich der heutige Betriebsleiter Günter Leuerer auf die Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Partnertierheimen. Vor allem Hunde von dort gibt es deshalb im Tierheim am Aschenberg. Bedenklich ist allerdings eine Entwicklung, die in der Pandemie Fahrt aufgenommen hat: Viele Menschen wollen Zeit und erzwungenen Leerlauf überbrücken, indem sie sich ein Tier anschaffen. Das ist zwar auf der einen Seite erfreulich, aber auf der anderen Seite muss die Frage gestattet sein: Werden Zuneigung und Fürsorge auch anhalten, wenn wir zu einer neuen/alten Post-Corona-Normalität zurückkehren? Ein Tier ist keine Anschaffung für Wochen und Monate. Sondern ein Lebewesen, das ein Recht darauf hat, bis an sein Lebensende ein liebevolles Zuhause zu haben. Deshalb sollte jeder, der sich ein Tier anschaffen möchte, sich selbst äußerst kritisch prüfen.

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