Anbindung

Anwohner: Mitfahrerbänke sinnlos

Tobias Truß und Stefan Schablewski vom Betriebshof haben die Mitfahrbänke in Finkenholl und Hoffnung aufgestellt. Auf die Mitfahrbank und die Fahrtrichtung weist das „Innenstadt“-Schild hin.
+
Tobias Truß und Stefan Schablewski vom Betriebshof haben die Mitfahrbänke in Finkenholl und Hoffnung aufgestellt. Auf die Mitfahrbank und die Fahrtrichtung weist das „Innenstadt“-Schild hin.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
    schließen

Menschen in Hoffnung, Hinter- und Vordehufe sind unzufrieden mit der städtischen Lösung.

Wermelskirchen. Für die Wermelskirchenerin Jutta Meisch hat sich in puncto Verkehrsanbindung an die Innenstadt nichts geändert. Die 69-Jährige ist in Hoffnung nach wie vor vom Busverkehr abgeschnitten. „Und auch die aufgestellten Mitfahrbänke sind nicht zielführend. Und ich stehe mit dieser Haltung nicht alleine da.“ Sie habe mit vielen Nachbarn Kontakt.

Durch die Sperrung der L 101 werden derzeit die Bereiche Finkenholl, Hinter- und Vorderhufe sowie Hoffnung von der RVK-Linie 263 nicht angefahren. Nach vielem Hin und Her hat die Stadt inzwischen Mitfahrerbänke aufgestellt, um den Menschen die Gelegenheit zu geben, nachbarschaftliche Hilfen anzunehmen. „Aber die bringen gar nichts“, betont Jutta Meisch. Sie kenne bisher keinen, der einmal mitgenommen wurde. „Und überhaupt nicht bedacht ist, wie wir aus der Stadt Wermelskirchen dann wieder nach Hause kommen.“

Sie wurde in den vergangenen Wochen von der einen Stelle zur nächsten geschickt. „Ich habe auch mit der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) gesprochen“, sagt Jutta Meisch. „Mit leider keinem konstruktivem Ergebnis.“
Mit der RVK hat sich auch der WGA noch einmal in Verbindung gesetzt. Andrea Jahn, Pressesprecherin der RVK, sagt zu der Situation in Hoffnung: „Die Menge und Langfristigkeit aktueller Baustellenarbeiten werfen in der Tat viele Probleme auf.“ In Abstimmung mit dem Aufgabenträger sei das Unternehmen immer bestrebt, möglichst umfassende Lösungen umzusetzen. „Und dennoch ist die Umleitungsplanung – insbesondere bei Baumaßnahmen, die aus verschiedenen Gründen mehrfach zeitlich verschoben oder in ihrer Ausgestaltung verändert werden und zudem teils sehr langfristig sind gerade momentan eine große Herausforderung“, führt sie weiter aus. „Hier gilt es, sowohl organisatorisch, fahrzeugtechnisch als auch personell Ressourcen und Kapazitäten zu finden und dabei gleichzeitig der gebotenen Verhältnismäßigkeit Rechnung zu tragen.“

Die Verantwortlichen der RVK würden die Sachlage sehr bedauern, könnten aber momentan keine andere Lösung bieten. „Aufgrund der Sperrung wird an dieser Stelle weiterhin die festgelegte Umleitungsstrecke gefahren“, sagt Andrea Jahn.

Gesichert sei lediglich der Schülerverkehr ab der kommenden Woche. „Für den Schulbeginn wird es Verstärkerfahrten für den Hin- und Rückweg geben, was bedeutet, dass hier jeweils ein zusätzlicher Bus und entsprechend eine Fahrerin und ein Fahrer zum Einsatz kommen“, erklärt die Pressesprecherin.

Die Menschen sollten sich nachbarschaftliche Hilfen holen

„Wir haben alles getan, was in unserer Macht steht“, sagt der Technische Beigeordnete der Stadt Wermelskirchen, Thomas Marner. „Denn rechtlich bewegen wir uns schon mit dem Aufstellen der Bänke in einer Grauzone.“ Die Stadt habe mit der RVK geredet, sie hätte Sammeltaxen ins Spiel gebracht, aber letztlich sei das alles im Sande verlaufen. „Wir haben keine andere Möglichkeit und können den Menschen nur empfehlen, sich nachbarschaftliche Unterstützung zu holen“, sagt Thomas Marner. Im Hinblick darauf begrüße er es sehr, dass die Baustelle schneller vorankomme, als ursprünglich geplant.

Jutta Meisch, hatte eine andere Antwort, eine für sie befriedigerende, erwartet. „Es muss doch eine Lösung für uns geben“, sagt sie. „Auf einmal ist man ganz hilflos und weiß nicht mehr, wie man in die Stadt kommen soll.“ Sie habe schon ein paar Mal ein Taxi für dringende Fahrten genommen, aber das könnte sie sich dauerhaft nicht leisten.

Baustelle

L 101: Die Straßen.NRW Regionalnie-derlassung Rhein-Berg hat mit der grundhaften Sanierung der L 101 zwischen Wermelskirchen-Stumpf und Dreibäumen. Anfang Juli angefangen. Der erste Bauab schnitt zwischen Stumpf und Sonne ist für zehn Wochen geplant. Sämtliche Arbeiten können nur unter Vollsperrung durchgeführt werden.

Die Buslinie 263 fährt derzeit die Bereiche Finkenholl, Vorder- und Hinterhofe sowie Hoffnung in dieser Zeit nicht an.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Ein Trauerspiel

anja.siebel@rga.de

Dass „alles getan wurde, was in städtischer Macht steht“, das können sich die Bürger in Hoffnung, Vorder- und Hinterhufe wohl kaum vorstellen. Denn hätte man sich denn nicht vorher denken können, dass das Aufstellen von Mitfahrerbänken dauerhaft keine echte Hilfe für die Betroffenen werden könnte?

Eine nette Idee, ja, aber letztlich hat Anwohnerin Jutta Meisch völlig recht, wenn sie sagt, dass sie ja dann erstens gar nicht wisse, wie sie aus der Stadt wieder nach Hause zurückkommen soll, und zweitens die Autofahrer ja erst erkennen müssten, dass da jemand sitzt, der mitfahren möchte.

Es geht um Nachbarschaftshilfe, aber die kann bei berufstätigen Menschen leider häufig nicht so weit reichen, wie die meist älteren Betroffenen das benötigen würden. Dass weder das Busunternehmen noch die Stadt hier – etwa mit Sammeltaxis – etwas unternehmen können, ist wirklich ein Trauerspiel. Vor allem für die immobilen Anwohner.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pilot bringt Hilfsgüter an die ukrainische Grenze
Pilot bringt Hilfsgüter an die ukrainische Grenze
Pilot bringt Hilfsgüter an die ukrainische Grenze

Kommentare