Glasfaser-Anschluss

Anwohner bezweifeln die Stabilität des Netzes

Weil Leitungen herabhängen und Telefonleitungen nur provisorisch verlegt sind, sorgen sie die Anwohner.
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Weil Leitungen herabhängen und Telefonleitungen nur provisorisch verlegt sind, sorgen sie die Anwohner.

In den Hofschaften soll der Glasfaser-Ausbau per Oberleitung geschehen.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Den Bewohnern von Halzenberg, Niederhagen oder Oberhebbinghausen kommt es wie ein Rückschritt in längst vergangene Zeiten vor: Obwohl sie sich auf schnelles Internet per Glasfaser freuen, wehren sie sich gegen Planungen, wonach die Turbo-Kabel als Oberleitung an die vorhandenen Telefonleitungen verlegt werden sollen. Der Grund für ihren Widerstand ist in ihrer teils langjährigen Erfahrung begründet.

„Regelmäßig werden die Oberleitungen von umstürzenden Bäumen oder herabfallenden Äste beschädigt. Der Reparatur- und Instandhaltungsaufwand ist groß“, sagt Robert Schmitz, der Anwohner in Niederhagen ist. Als Vorsitzender der Wermelskirchener Forstbetriebsgemeinschaft kennt er sich mit der Störanfälligkeit von Oberleitungen durch oder am Wald aus: „Die Energieversorger haben die Stromleitungen im Laufe der Jahre nach und nach in die Erde verlegt – aus genau diesen Gründen.“ Er und seine  Mitstreiter wollen keine Oberleitungen, weil sie eine dauerhafte Zuverlässigkeit gefährdet und sich von der Welt abgeschnitten sehen.

Mit bewilligten Mitteln eines Bundesförderprojekts will der Rheinisch-Bergische Kreis insgesamt über 5000 Haushalte, 74 Schulen und mehrere Gewerbegebiete in Außenlagen mit schnellem Internet per Glasfaser versorgen. Auf die europaweite Ausschreibung bewarb sich lediglich die Telekom, die die Aufträge erhalten hat. „Die Telekom setzt das kreisweite Vorhaben bereits um“, erklärt die Pressesprecherin des Kreises, Birgit Bär: „Und das bringt eben auch Glasfaser in abgelegene Regionen.“

Telefonleitungen sind nur provisorisch verlegt.

Dass eine Glasfaserleitung störanfällig sei, will Bär nicht stehenlassen: „Das sehen die Fachleute anders.“ Grundsätzlich müsse klar sein, dass Verträge und Verpflichtungen bereits bestehen: „Die bilden den Rahmen, in dem agiert werden kann.“ Sie signalisiert Gesprächsbereitschaft: „Wir setzen uns zusammen und prüfen, ob Modifikationen möglich sind.“ Aber: „Förderprojekte sind ein sehr durchregulierter Bereich, in dem Bedingungen zu erfüllen sind, damit es überhaupt Geld gibt.“

Robert Schmitz verweist auf bereits bestehende Leerrohre, die in Teilen der Ortschaften verlegt worden seien und die sich doch nutzen ließen. Ein erstes Gespräch mit Vertretern vom Kreis und der Telekom habe es gegeben. „Es sieht so aus, als wenn die Förderrichtlinien tatsächlich gegen eine Erdverlegung sprechen“, resümiert Schmitz.

Der Breitbandausbau mit Bundesförderung geht auf einen Kreistagsbeschluss aus 2016 zurück. Ihm sei klar, dass wenn an einer Baustelle eine Planungsänderung mit Kostensteigerung vorgenommen werde, dass dies an anderer Stelle Einsparungen erfordern könnten, so Schmitz. Rückendeckung bekommen Robert Schmitz und seine Nachbarn im Übrigen von der Stadt Wermelskirchen. „Wenn wir schon mit erheblichen Fördermitteln die Außenortschaften mit Glasfaser versorgen, sollte dieses auch funktionieren und darf nicht beim nächsten Sturm zur Folge haben, dass Leitungen zerstört werden“, betont der Technische Beigeordnete Thomas Marner.

Stadt sieht oberirdische Verlegung kritisch

Daher sei eine oberirdische Verlegung durch bewaldete Gebiete aus Sicht der Stadt Wermelskirchen nicht sinnvoll. In den an Burscheid-Hilgen angrenzenden Hofschaften baut Novanetz derzeit das Glasfasernetz aus und hat angekündigt, auch weitere Bereiche Wermelskirchens, die unterversorgt sind, bestücken zu wollen. Novanetz verlegt per Tiefbau.

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