Prozess

Axtangriff: Angeklagter entschuldigt sich beim Vater

Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin.
+
Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin.

Am zweiten Prozesstag wurden die Eltern als Zeugen vernommen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. Mit etwas Verspätung startete am Landgericht Köln am Montagnachmittag der zweite Prozesstag gegen einen 29-jährigen Wermelskirchener, der seine Eltern mit einer Axt angegriffen haben soll, während diese schliefen. Beide Eltern wurden bei der Attacke schwer verletzt, überlebten aber. Im Anschluss hatte der 29-Jährige versucht, sich durch einen Sprung von der Brücke über die Autobahn 1 das Leben zu nehmen, den Suizidversuch aber überlebt.

Am zweiten Tag wurden die Eltern als Zeugen gehört. Der 70-jährige Vater machte nicht von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Er könne sich allerdings an die Tatnacht kaum erinnern. „Ich muss wohl im Bett gelegen haben“, sagte er. Er habe den Eindruck von „Stromstößen im Kopf“ gehabt, die nächsten klaren Erinnerungen habe er erst wieder aus dem Krankenhaus gehabt.

Der Vater berichtete von einer „ganz normalen Kindheit und Jugend“. Erste Unstimmigkeiten in der Familienbeziehung habe es gegeben, als sein Sohn den Führerschein auch in mehreren Anläufen nicht geschafft habe. Sein Sohn sei beruflich nicht wirklich auf einen grünen Zweig gekommen. Aber auch wenn es deswegen oft zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen sei, sei der Sohn niemals gewalttätig geworden.

Aussagen der Mutter sorgen für Verwirrung

Der 70-Jährige war in seiner Aussage sehr ruhig, konnte alle Fragen beantworten, auch wenn er an die Tat selbst kaum Erinnerungen mehr hatte. Er zeichnete indes ein Zerrbild einer kaputten Familienkonstellation, in der zum Teil nur noch schriftlich kommuniziert wurde. Auch in der Zeugenbefragung wurde nicht klar, warum es zu dem Gewaltausbruch kommen konnte. Nur einmal verlor der 70-Jährige kurz die Fassung, als er vom Richter gefragt wurde, ob er psychische Folgen der Tat verspüre. „Wenn ich so belastet werde, wie jetzt, dann kommt es hoch. Aber insgesamt bin ich sehr stabil“, sagte er mit belegter Stimme.

Am Ende der Vernehmung richtete der Angeklagte mit sehr leiser Stimme das Wort an seinen Vater: „Ich möchte mich bei dir entschuldigen.“ Darauf antwortete dieser unter Tränen: „Ich weiß, dass du in einer Ausnahmesituation warst. Verziehen habe ich dir schon lange – und ich will auch nicht, dass du bestraft wirst. Aber darauf habe ich keinen Einfluss mehr.“

Im Anschluss wurde die 66-jährige Mutter befragt. Sie habe alles mitbekommen, da sie am Vortag eine Chemotherapiebehandlung gehabt und tagsüber sehr viel geschlafen habe. Sie sei gegen 4 Uhr morgens ins Bett gegangen und habe gesehen, wie ihr Sohn mit der Axt auf den Vater eingeschlagen habe. Dass sie wach geworden sei, bezeichnete sie als „ein Wunder“. Sie habe nichts gehört, kein Rufen oder Schreien. Sie selbst sei ebenfalls verletzt gewesen, habe aber um Hilfe rufen können. Der Schwiegersohn, der ebenfalls im Haus lebte, habe diese gehört und den Notarzt gerufen.

Diese Aussage stimmte indes überhaupt nicht mit den Aussagen bei der Polizei überein. „Wie kommt es dazu ?“, wollte der Richter wissen. Und fügte an: „Es kann nicht sein, dass Kriminalbeamte in einer Mordermittlung etwas erfinden – und Sie das dann auch unterschreiben.“ Dann las er die Aussage noch einmal vor. „Alles anders. Alles nur die Fantasie der Polizei?“, wollte der Richter wissen. „Scheint so“, gab die 66-Jährige zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Betrunkener Autofahrer gefährdet Straßenverkehr
Betrunkener Autofahrer gefährdet Straßenverkehr
Betrunkener Autofahrer gefährdet Straßenverkehr

Kommentare