Afghanistan: Stadt will Menschen helfen

Die Lage in Kabul spitzt sich zu: Hunderte von Menschen versammeln sich in der Nähe eines Transportflugzeugs. Foto: Rahmani/AP/dpa
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Die Lage in Kabul spitzt sich zu: Hunderte von Menschen versammeln sich in der Nähe eines Transportflugzeugs.

Der Wermelskirchener Mahdi Nusra sorgt sich um seine 18-jährige Schwester

Von Anja Carolina Siebel

Die Stadt Wermelskirchen will wie berichtet bei Bedarf geflüchtete Menschen aus Afghanistan aufnehmen. Bürgermeisterin Marion Lück hatte bereits vorige Woche gegenüber der Bezirksregierung die Bereitschaft der Stadt bekundet, Menschen aus Afghanistan aufnehmen und entsprechend humanitäre Hilfe leisten zu wollen. „Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, jetzt zu helfen“, sagt Lück.

Gerade die Ortskräfte, die für die Bundeswehr und die Hilfsorganisationen gearbeitet hätten, seien nach dem Abzug der Bundeswehr in akuter Gefahr. Ähnlich dramatisch sei die Lage für junge Frauen in Afghanistan, denen Zwangsverheiratungen und Gewalt drohen. Sozialamtsleiterin Tanja Dehnen ergänzt: „Es gibt in unserer Stadt zahlreiche Beispiele gelungener Integration. Wir haben ein sehr gut funktionierendes Netzwerk, das Flüchtlinge bereits in vielfältiger Weise unterstützt.“

Die Lage in Afghanistan sei nach der Machtübernahme der Taliban dramatisch. Erschütternde Bilder von Rettung suchenden Menschen am Flughafen Kabul würden das ganze Ausmaß der dort herrschenden Verzweiflung und Not zeigen.

Die örtliche Flüchtlingshilfe „Willkommen in Wermelskirchen“ begrüßt in einer öffentlichen Mitteilung nachdrücklich die öffentlich erklärte Bereitschaft der Bürgermeisterin und ihrer Verwaltung, afghanische Flüchtlinge in Wermelskirchen auch außerhalb der regulären Zuweisungen aufzunehmen. „Willkommen in Wermelskirchen als Netzwerk für Geflüchtete in unserer Stadt wird für den Fall einer Aufnahme von Menschen aus Afghanistan alles in seiner Macht stehende unternehmen, um die Verwaltung bei der Aufnahme und Integration der Flüchtlinge wie seit Jahren zu unterstützen“, schreibt Jochen Bilstein in Vertretung der Flüchtlingsinitiative.

Gegenwärtig würden Mitarbeiter von „Willkommen in Wermelskirchen“ über Kontakte zu Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien versuchen, einen Weg für eine 18-jährige Frau aus Afghanistan nach Deutschland zu finden. Die junge Frau sei aufgrund ihres Geschlechts wie ihrer Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara stark gefährdet. Daher habe ihr Bruder Mahdi Nusra, der in Wermelskirchen lebt, den Weg in die Öffentlichkeit gesucht.

„Die junge Frau ist eine von Tausenden, aber wir tun trotzdem unser Bestes.“

Jochen Bilstein, Flüchtlingsinitiative

„Es herrscht große Verzweiflung“, sagt Jochen Bilstein auf Nachfrage. Inzwischen sei die junge Frau mit einem ihrer Brüder aus ihrer Heimatstadt Masar-i-Sharif nach Kabul geflüchtet, um in Flughafennähe zu sein. Bilstein: „Wir haben uns bereits an den Außenminister, an den Wuppertaler Bundestagsabgeordneten Helge Lindh und den Rheinisch-Bergischen Bundestagsabgeordneten Dr. Hermann-Josef Tebroke gewandt. Bisher konnten unsere Hilferufe aber nur weitergeleitet werden, unter anderem ans Auswärtige Amt.“ Bilstein hörte von „katastrophalen und chaotischen Zuständen“ am Flughafen Kabul. „Die sich in den vergangenen Tagen noch verschlimmert haben.“ Bilstein ist sich indes bewusst: „Die junge Frau ist natürlich eine von Tausenden, die das Land jetzt dringend verlassen wollen. Aber wir tun trotzdem weiterhin unser Bestes.“

Karl Springer (AfD-Fraktion) stellt zur Bereitschaft der Stadt, afghanische Flüchtlinge bei Bedarf aufzunehmen, einige Fragen. Unter anderem die Kosten betreffend: Ob es eine Zusage der Kostenübernahme gebe oder ob „die Kosten von der Stadt getragen werden“, wollte er unter anderem in einer öffentlichen Anfrage wissen. „Es handelt sich bei den Menschen um anerkannte humanitäre Flüchtlinge; anfallende Leistungen übernimmt wie in anderen vergleichbaren Fällen auch das Jobcenter“, stellt Tanja Dehnen vom Amt für Soziales und Inklusion dazu klar. Wann es dazu kommen könne, dass Geflüchtete aus Afghanistan aufgenommen würden, stehe noch nicht fest. „Das sind bundesdeutsche Entscheidungen“, sagt Dehnen. Ebenso entscheide entsprechend der Bund, wenn es um den Nachzug von Familienmitgliedern aus dem Krisengebiet gehe.

Hintergrund

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan rechnen deutsche Politiker damit, dass Hunderttausende Menschen aus dem Land flüchten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach am Montag nach Informationen der dpa im Bundestag von 300 000 bis fünf Millionen weiteren Afghanen, die die Flucht ergreifen könnten. Einen Zeitraum nannte er nicht. Für die Zuweisung der Flüchtlinge auf die 396 Städte und Gemeinden in NRW ist die Bezirksregierung Arnsberg zentral zuständig.

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