Impfungen

Ärzte freuen sich, dass es losgeht

Für Pflegekraft Martina Rautenbach, hier mit Bewohnerin Brigitte Breuer, ist der Impfstart in den Hausarztpraxen ein Hoffnungsschimmer. Foto: Heike Magnitz
+
Für Pflegekraft Martina Rautenbach, hier mit Bewohnerin Brigitte Breuer, ist der Impfstart in den Hausarztpraxen ein Hoffnungsschimmer.

Diese Woche beginnen die Hausarztpraxen mit den Impfungen.

Von Heike Magnitz

Wermelskirchen. „Das Telefon steht nicht mehr still. Seitdem bekannt ist, dass wir endlich impfen dürfen, rufen ununterbrochen Patienten an und wollen auf die Warteliste“, berichtet Allgemeinmediziner Peter Meiß. Die hohe Impfbereitschaft findet er toll, aber der Start laufe verhalten. In dieser Woche stehen den Hausärzten nur rund 20 Impfdosen pro Praxis zur Verfügung. Aktuell ist das vor allem der Impfstoff Biontech/Pfizer.

Das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, die meisten Patienten, die jetzt einen Impftermin vereinbaren möchten, müssen die Ärzte abweisen, bedauert Meiß: „Wir impfen jetzt ausschließlich Risikopatienten der Priorität eins. Das sind Patienten über 80 Jahre, die den Weg ins Impfzentrum nicht bewältigen können, bettlägerige und immobile Patienten und Patienten, die chronisch schwer erkrankt sind. Dann folgen Patienten der Priorität zwei. Da richten wir uns streng nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts.“ Für Martina Rautenbach ist der Impfstart in den Hausarztpraxen dennoch ein Hoffnungsschimmer. Sie ist Anfang 50, hochgradige Allergikerin und arbeitet in einer Senioren-WG der Diakonie Wermelskirchen. Sie ist also eine systemrelevante Risikopatientin. Aufgrund ihrer Tätigkeit hätte sie eigentlich schon im Januar mit den anderen Pflegekräften geimpft werden sollen.

Martina Rautenbach ist bis jetzt durchs Impfraster gefallen

Das war auch ihr Wunsch: „Anfang des Jahres gab es noch viele Vorbehalte gegenüber der Impfung, aber ich wollte unbedingt geimpft werden, um mich und andere vor einer Infektion zu schützen. In der WG bin ich ja immer ganz nah dran an den Menschen. Die Nebenwirkungen einer Impfung nehme ich da gerne in Kauf, auch wenn ich heftig reagieren könnte.“

Eine allergische Reaktion könnte bei ihr einen anaphylaktischen Schock auslösen, also einen Zusammenbruch des Herz-Kreislauf-Systems. Das hat sie in der Vergangenheit schon erlebt, „und deshalb hat mir der zuständige Impfarzt geraten, mich im Krankenhaus impfen zu lassen. Aber das Krankenhaus hat sich nie bei mir gemeldet. Und meine Versuche, mich auf der Liste für Risikopatienten im Impfzentrum des Kreises registrieren zu lassen, sind gescheitert. Da habe ich mir vergebens die Finger wund gewählt.“

Martina Rautenbach ist sozusagen durchs Impfraster gefallen. Das kann sie in Anbetracht des großen organisatorischen Aufwandes sogar nachvollziehen: „Wahrscheinlich sind alle Anlaufstellen heillos überfordert.“

Jetzt bekommt sie eine neue Chance auf einen Impftermin: Ihr Hausarzt Dr. Walocha will in einem persönlichen Gespräch ermitteln, wo er sie auf der Prioritätenlisten eintragen kann: „Und dann hoffe ich, dass ich zügig einen Impfschutz bekomme.“

Risikopatienten zu impfen, sei für Dr. Walocha und die anderen Hausärzte grundsätzlich kein Problem: „Wir sind auf Zwischenfälle eingestellt und mit den entsprechenden Notfallmedikamenten ausgerüstet. Und im Zweifelsfall ist der Notarztwagen sofort vor Ort.“

Martina Rautenbach ist durch ihre Vorerkrankung ein Sonderfall. Grundsätzlich bitten die Hausärzte alle Patienten unter 60 Jahren, die nicht chronisch krank sind, um Geduld, denn wie viel Impfstoff tatsächlich zur Verfügung steht, entscheidet sich von Woche zu Woche neu.

Patienten, die jetzt an der Reihe sind, wurden schon informiert, sagt der Allgemeinmediziner. „Wer unter 60 Jahre alt ist und sich gesund fühlt, der sollte abwarten. Meine Bitte: Halten Sie sich noch ein wenig zurück, rufen Sie am besten in etwa vier Wochen beim Hausarzt an und fragen Sie dann nach, wann sie einen Termin bekommen können. Vor Mai, Juni wird sich da voraussichtlich nichts tun.“ Seine Praxis hat rund 500 Patienten der Risikogruppe eins und zwei, die jetzt bevorzugt geimpft werden müssen. Wie schnell das geht, hängt allein von der Belieferung mit Impfstoff ab: „Eigentlich ist das Routine. Bei den Grippe-Impfungen impfen wir auch mehrere Hundert Patienten parallel zum laufenden Betrieb.“

Hintergrund

Jeder Hausarzt bekommt den Impfstoff von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein zugeteilt. Die Hausärzte richten sich bei der Impfreihenfolge nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts: Ganz oben auf der Liste stehen immobile Patienten über 80 Jahre und chronisch schwer kranke Patienten. Patienten unter 60 Jahren, die nicht schwer krank sind, sollen in vier Wochen nach einem Impftermin fragen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“
Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“
Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“
Vorderhufe: Ortspolitiker sehen Chancen
Vorderhufe: Ortspolitiker sehen Chancen
Vorderhufe: Ortspolitiker sehen Chancen
Wermelskirchen: Impfstraße im Rathaus ist eröffnet - das sind die Regeln
Wermelskirchen: Impfstraße im Rathaus ist eröffnet - das sind die Regeln
Wermelskirchen: Impfstraße im Rathaus ist eröffnet - das sind die Regeln
Erste Impfaktion im Bürgerzentrum - Neuer Termin nächste Woche
Erste Impfaktion im Bürgerzentrum - Neuer Termin nächste Woche
Erste Impfaktion im Bürgerzentrum - Neuer Termin nächste Woche

Kommentare