Entsorgung

Ärger um Kosten am Wertstoffhof

Bei der Eröffnung des neu betriebenen Wertstoffhofs im Frühjahr warben Vertreter der Stadt und des BAV mit erweiterten Öffnungszeiten. Foto: BAV
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Bei der Eröffnung des neu betriebenen Wertstoffhofs im Frühjahr warben Vertreter der Stadt und des BAV mit erweiterten Öffnungszeiten.

Henning Rehse (WNK/UWG) will das Thema im Ausschuss diskutieren.

Von Anja Carolina Siebel

Henning Rehse ist nicht nur Fraktionsvorsitzender der WNK/UWG, sondern auch Bürger. Als solcher nutzt er wie viele andere den Wertstoffhof an der Albert-Einstein-Straße. Sein jüngster Besuch am Mittwoch stiftete allerdings etwas Verwirrung bei dem Wermelskirchener Ortspolitiker.

„Ich bin vorigen Mittwoch um 13 Uhr mit zwei Säcken Laub zum Wertstoffhof gefahren“, berichtet Rehse. Dem Mitarbeiter dort habe er zugerufen: „Grünschnitt kommunal!“ Rehse: „Er kam aus seinem Büro raus, lugte in mein Fahrzeug und sagte, das koste 15,50 Euro. Als ich fragte warum 15,50 Euro, erläuterte er mir, dass Mittwoch sei, und mittwochs sei der Preis halt 15,50 Euro – und morgen sei es umsonst.“

Rehse entschied sich, heimzufahren und kam am Donnerstag wieder. „Der immer noch nette und auch selbe Mitarbeiter lugte nur noch aus seinem Büro und sagte sich erinnernd lachend: Die vier – heute umsonst“, erzählt er. Der Mitarbeiter habe dann noch zugefügt: „Merken! Gestern 15,50 Euro, heute frei, morgen 15,50 Euro, Samstag frei.“

Dirk Irlenbusch, Kämmerer der Stadtverwaltung, erklärt den Sachverhalt: „Als Kommune haben wir die Zusammenarbeit mit dem Bergischen Abfallwirtschaftsverband Anfang 2019 quasi als Probelauf gestartet. Wir haben als Kommune erst einmal drei Tage pro Woche gebucht.“ An diesen Tagen sei die Grünabfall-Abgabe für die Wermelskirchener kostenlos. „An den anderen Tagen läuft der Betrieb dort privatwirtschaftlich, das heißt, die Abgabe kostet Geld und sollte eigentlich auch nur für gewerbliche Betriebe bestimmt sein.“

Das wusste Henning Rehse als Kommunalpolitiker freilich, sieht das aber kaum ein: „Ich kann mir vorstellen, dass diese Posse einige Bürger nicht so lustig finden, denn der Aufwand für die Behandlung des angelieferten Mülls ist doch jeden Tag derselbe und der Aufwand der täglich ersichtlich selben Mitarbeiter auch“, sagt er. In politischen Sitzungen, bei denen Vertreter des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes (BAV) anwesend gewesen seien, hätten sie erklärt, dass die zusätzlichen Kosten an den nicht-kommunalen Tagen aufgrund der doppelten Mitarbeiterbesetzung zustande kämen. „Da ich aber an beiden Tagen denselben Mitarbeiter antraf, zieht diese Begründung ja schon nicht mehr.“

Diese Konstruktion könne dem Bürger praktisch „niemand mehr erklären und die gestelzten formaljuristisch bestimmt richtigen Erläuterungen des BAV hinsichtlich Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten bringen uns auch nicht weiter“, sagt Rehse zudem.

„Wir müssen an das Thema ran und der BAV soll bitte nicht kommen und uns abverlangen, wir müssten bei Öffnung von Montag bis Samstag anstelle von nur Dienstag, Donnerstag und Samstag das Doppelte bezahlen; die Menge des Mülls und der Aufwand personeller Art bleibt nämlich derselbe, nur der Service für die Bürger wird ohne mehr Aufwand verbessert.“

Dirk Irlenbusch kündigt an, die Kommunalpolitiker im Ausschuss für Umwelt und Bau weiter über die Gegebenheiten auf dem Wertstoffhof informieren zu wollen. Die Sitzung ist für den 8. Dezember, 17 Uhr, im Rathaus anberaumt. „Die Vorlage dazu ist schon fertig, aber ich möchte der Ausschusssitzung aus Rücksicht auf die Politiker nicht vorgreifen“, sagt Irlenbusch.

In anderen Städten läuft es ähnlich

Im weitesten Sinne gehe es um die Nutzung des Wertstoffhofs. „Wir können sagen, dass sich die Nutzung in Wermelskirchen nicht wesentlich von der in Städten wie Hückeswagen oder Burscheid unterscheidet“, sagt Christoph Rösgen vom BAV auf Nachfrage. In den genannten Städten sei die Abgabe zu kommunalen Konditionen auch nur an bestimmten Tagen möglich. 

Öffnung

Während der Frühjahr- und Sommermonate, genauer von april bis Oktober, ist der Wertstoffhof, Albert-Einstein-Straße 28, immer dienstags und donnerstags von 13 bis 18 und samstags von 8 bis 12 Uhr für alle Bürger geöffnet. In der Herbst- und Winterzeit, von November bis März, ist der Hof dienstags und donnerstags von 11 bis 16 und samstags von 8 bis 12 Uhr geöffnet.

Standpunkt

Von Anja Carolina Siebel

Es hat tatsächlich etwas von einer kleinen Posse, wenn die Abgabe von Abfällen auf demselben Wertstoffhof mit denselben Mitarbeitern an einem Tag Geld kostet und am darauffolgenden wieder nicht.

anja.siebel@rga-online.de

Klar, es war eine Vereinbarung zu Beginn der Kooperation zwischen Verwaltung und Bergischem Abfallwirtschaftsverband. Aber Henning Rehse hat schon recht, wenn er sagt, dass das den Bürgern kaum zu erklären ist. Es bedarf also der weiteren Diskussion über das Thema. Dort, wo es hingehört. Nämlich im Ausschuss. Und das hat Kämmerer Dirk Irlenbusch ja auch so geplant. 

Es war ohnehin angedacht, Ende des Jahres eine erste Bilanz zu ziehen. Dabei soll auch aufs Tapet, ob sich eine erweiterte Öffnung des Wertstoffhofs mit kommunaler Beteiligung überhaupt lohnen würde. Und welche Kosten das verursachen würde. Lohnt es sich nicht oder wäre es zu teuer, wäre es aber zumindest sinnvoll, den Bürgern transparent zu erklären, dass es an drei Tagen in der Woche eben nur Gewerbetreibenden möglich ist, ihren Abfall abzugeben. Und es dann auch kostet. Bisher war das nämlich öffentlich nicht so klar kommuniziert worden.

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