Gründer

Adnan Alsaleh will Geflüchteten einen Job geben

Adnan Alsaleh (17) ist 2015 aus Syrien geflohen. Der Gymnasiast, der nächstes Jahr am EvB sein Abitur machen will, hat jetzt in Hückeswagen ein Gewerbe angemeldet.
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Adnan Alsaleh (17) ist 2015 aus Syrien geflohen. Der Gymnasiast, der nächstes Jahr am EvB sein Abitur machen will, hat jetzt in Hückeswagen ein Gewerbe angemeldet.

„Weil man viel zu oft einfach sinnlos herumsitzt“ : 17-Jähriger gründet seine eigene Firma – Abi macht er erst nächstes Jahr.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Adnan Alsaleh ist 2015 mit seiner Familie aus dem syrischen Homs vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat nach Deutschland geflohen. Er hat in den vergangenen sieben Jahren so perfekt Deutsch gelernt, dass man gar nicht glauben kann, dass er vor seinem zehnten Lebensjahr noch nie ein Wort Deutsch gehört hatte. Er ist Schüler der Q1 am Engelbert-von-Berg-Gymnasium in Wipperfürth, macht im kommenden Jahr sein Abitur. Schon jetzt ist der Hückeswagener zum Unternehmer geworden. „Ich habe den IDC Reinigungsservice als Gewerbe angemeldet – mein Zimmer ist gleichzeitig mein Büro“, sagt der junge Mann.

IDC steht für Intensive Deep Cleaning, also intensive Reinigung. „Ich wollte ein Unternehmen gründen und hatte auch mehrere Ideen. Von denen waren aber nicht alle finanzierbar“, erzählt Alsaleh. „Ich habe dann gesehen, dass es in Hückeswagen sehr viele und große Fensterflächen gibt, die gerade in trockenen Sommern sehr schnell mit Staub bedeckt sind.“ Er habe sich dann sowohl mit einem Freund als auch mit einem Lehrer an seiner Schule besprochen. „Mein Lehrer hat mich dabei unterstützt und motiviert, die Gründung anzugehen“, sagt der Jugendliche. Der Schritt, ein Gewerbe anzumelden, sei dann ein kleiner gewesen, den er schließlich auch gegangen sei, erzählt er.

Mit seiner Geschäftsidee will der 17-Jährige aber auch noch etwas Gutes tun. „Ich habe überlegt, dass es viele Geflüchtete gibt, die zwar arbeiten wollen und das auch dürfen, aber noch keinen Aufenthaltstitel und damit auch keine lange Bleibeperspektive haben“, betont Alsaleh. Er wolle diesen Menschen die Gelegenheit geben, wenigstens die sechs Monate, die sie auch ohne Titel in Deutschland bleiben dürften, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. „Ich habe zwei Bekannte, die sofort loslegen können, andere werde ich auch noch ansprechen und in meine Kartei aufnehmen“, sagt er. Die Herbstferien will er nun zur Kunden-Akquise nutzen. „Ich habe schon mit einem Hotel gesprochen, dort war man nicht ganz abgeneigt. In Remscheid bin ich im Gespräch mit einem Geschäft, das demnächst öffnen will und ebenfalls Interesse gezeigt hat“, erzählt Alsaleh.

Aber wie kommt ein 17-Jähriger dazu, ein Unternehmen – mit allen Pflichten und Aufgaben, die damit auf ihn zukommen – zu gründen? Der Grund, den der Syrer angibt, ist so simpel wie gut: „Ich finde, dass man viel zu viel Zeit damit verbringt, einfach sinnlos herumzusitzen“, sagt er und lacht. Aus seinem direkten Umfeld habe er zwar bislang nur positives Feedback bekommen. Er könne sich aber durchaus auch vorstellen, dass einmal Unverständnis kommt. „Ich schäme mich aber doch nicht, etwas Produktives zu machen“, betont der 17-Jährige, der zudem recht klare Vorstellungen von seiner näheren Zukunft hat. „Ich will auf jeden Fall mein Abitur machen, denn ich will Bauingenieur werden. Das Studium hat die kommenden Jahre Priorität, aber das Unternehmen kann ja auch nebenher weiterlaufen.“

So sieht er IDC Reinigungsservice zwar in erster Linie als Freizeitprojekt – eben statt rumzusitzen –, er kann sich aber durchaus vorstellen, dass er damit einen Grundstock für seine spätere Berufstätigkeit als Bauingenieur legt. Das Angebot seines Unternehmens umfasse dabei keineswegs nur die Fensterreinigung, auch wenn das die Ursprungsidee gewesen sei. „Ich möchte auch Hausmeisterdienstleistungen, Gebäudereinigung, Bauabschlussreinigung und Gartenpflege anbieten“, zählt Alsaleh auf. Seine Zielgruppe habe er dabei gar nicht scharf definiert. „Eigentlich kann das Angebot für alle interessant sein – gerade für die Reinigung im Gebäude und die Gartenpflege könnte ich mir aber durchaus ältere Menschen vorstellen, die das selbst nicht mehr schaffen“, sagt der 17-Jährige.

Seine Familie unterstütze ihn bei seiner Idee voll und ganz. „Mein Vater hat sich sehr gefreut, als ich die Idee vorgestellt habe, und mir einen kleinen finanziellen Startschuss gegeben. Das Hauptkapital, um die Materialien anzuschaffen oder die Visitenkarten zu drucken, habe ich mir aber selbst verdient – im Nebenjob im Eiscafé Friuli“, sagt der 17-Jährige. Seine Mutter sei zwar zunächst etwas ängstlich gewesen, mittlerweile aber ebenso mit an Bord wie seine Schwester. „Es ist ein gutes Umfeld für mich, ich bin sehr dankbar dafür“, sagt Alsaleh.

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