Verkehr

ADFC sieht viel Handlungsbedarf

Einiges wurde in den vergangenen Jahren schon gemacht, um die Fahrradfreundlichkeit zu verbessern. Dazu zählen beispielsweise die Fahrradboxen am Busbahnhof und das Bergische E-Bike-Angebot. Luft nach oben gibt es dennoch, sagt Sabine Krämer-Kox vom ADFC. Fotos: Anja Carolina Siebel/Jürgen Moll
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Einiges wurde in den vergangenen Jahren schon gemacht, um die Fahrradfreundlichkeit zu verbessern. Dazu zählen beispielsweise die Fahrradboxen am Busbahnhof und das Bergische E-Bike-Angebot.
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Noch bis zum 30. November können die Wermelskirchener die Fahrradfreundlichkeit bewerten.

Von Jennifer Preuß

Wermelskirchen. Der ADFC-Fahrradklimatest geht in den Endspurt. Noch bis zum 30. November können Radfahrer aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis mitmachen und sagen, wo der Schuh drückt. Sabine Krämer-Kox, Sprecherin des Ortsverbandes Wermelskirchen/Burscheid, fordert vor allem diejenigen zur Stimmabgabe auf, die das Rad für den Weg zur Arbeit nutzen. „Der Fahrradklimatest ist ein Sprachrohr. Hier kann man direkt sagen, was einem nicht gefällt“, betont sie. Die Ergebnisse werden im April vorliegen und den jeweiligen Verwaltungen der Städte vorgestellt.

In Wermelskirchen haben bisher 119 Menschen beim Fahrradklimatest mitgemacht. In Burscheid sind es bisher nur 47. Die erforderliche Mindestteilnehmerzahl von 50 wäre somit nicht erreicht. Burscheid würde nach jetzigem Stand nicht im Ranking des ADFC auftauchen. Sabine Krämer-Kox ist zuversichtlich, dass die Mindestzahl auch in Burscheid noch erreicht wird. Je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger ist die Umfrage.

„Wir müssen mehr Rücksicht nehmen, gerade in dicht besiedelten Räumen.“
Sabine Krämer-Kox, Sprecherin des ADFC-Ortsverbandes Wermelskirchen/Burscheid

Insgesamt haben im Rheinisch-Bergischen Kreis bislang 1071 Teilnehmer ihre Meinung kundgetan, mit 621 Stimmen ist Bergisch Gladbach auffällig stark vertreten, so Krämer-Kox. „Ich finde es sehr schade, dass in Wermelskirchen und Burscheid so wenige teilnehmen.“ Dabei gibt es aus Sicht der ADFC-Sprecherin genug Schwachstellen im Radverkehrsnetz, die die Verwaltung beheben sollte. Während die Region beim Thema Freizeitradeln mit Trassen, Themenrouten und Fahrradbus sehr gut aufgestellt ist, sieht sich der alltägliche Radverkehr immer noch mit etlichen Hindernissen und Gefahrenstellen konfrontiert. Ein Dauerbrenner seit Jahren ist die Ortsdurchfahrt durch Wermelskirchen.

Aber auch die Außenbezirke Ostringhausen, Hünger und Eipringhausen kommen mehr und mehr in den Fokus des ADFC. Von diesen Ortslagen aus das Stadtzentrum zu erreichen, sei teils sehr gefährlich. In Hünger beispielsweise ist die Verkehrssituation im Bereich der Autobahnauffahrt unübersichtlich. Radfahrer hätten dort das Nachsehen, so Sabine Krämer-Kox. Dabei ließe sich das Problem durch eine Straßenmarkierung für den Radverkehr entschärfen. „Das wäre ein einfaches Mittel“, sagt die ADFC-Aktivistin, die selbst jeden Tag fünf Kilometer mit dem Rad zum Büro zurücklegt. Politische Prozesse und Planungen nimmt sie häufig mit Frustration wahr. Viel zu oft werde an den Radfahrern vorbeigeplant. Gefragt werde der ADFC als Interessensvertretung der Radfahrer in der Region kaum. Wenn sich der Verein selbst an die Politik wendet, werde oft abgewiegelt. Wie im Falle der Landstraße zwischen Dürscheid und Lützenkirchen. Der ADFC bat um eine Freigabe des Gehweges für den Radverkehr, was der Kreis ablehnte. „Es gibt immer Vorwände, warum irgendwas nicht geht“, so Krämer-Kox. Man müsse gesellschaftlich umdenken. Um dem Klimawandel zu begegnen, müsse die Politik dem Radverkehr mehr Platz zugestehen. Im Moment sei das Radverkehrsnetz ein Stückwerk.

Ein weiteres Problem ist die Solidarität unter den Verkehrsteilnehmern. Manchmal bleibe Radfahrern nichts anderes übrig, als außerorts die Fußwege zu benutzen, die teils durch ihren schlechten Zustand und der geringen Breite Gefahren bergen. „Fußgänger beschweren sich da zurecht, wenn ihnen ein Radfahrer entgegenkommt“, so Krämer-Kox. Der Fahrradklimatest fragt daher auch genau solche Situationen ab, in denen es um das Verständnis füreinander geht. „Wir müssen mehr Rücksicht aufeinander nehmen, gerade in dicht besiedelten Räumen“, lautet die Schlussfolgerung des ADFC. Krämer-Kox bleibt hartnäckig: „Je häufiger man der Politik damit auf die Nerven geht, umso eher tut sich dann doch etwas.“ Daher wird sie mit Vereinskollegen mit den Ergebnissen des Fahrradklimatests bei Bürgermeisterin Marion Lück vorsprechen – und sie auch an einige Wahlversprechen erinnern. „Alle großen Parteien hatten im Wahlkampf den Radverkehr auf der Agenda.“ 

Hintergrund

Der Fahrradklimatest des ADFC wird in diesem Jahr bereits zum neunten Mal durchgeführt. Wermelskirchen und Burscheid sind zum dritten Mal vertreten. Jeder Interessierte kann im Internet seine Meinung zum Thema Radverkehr in seiner Stadt abgeben. Wichtig ist Sabine Krämer-Kox vor allem das freie Kommentarfeld. Hier können die Teilnehmer konkrete Beispiele nennen, wo Verbesserungen vorgenommen werden sollten.

www.fahrradklima-test.adfc.de

Standpunkt

leon.hohmann@rga.de

Ein Kommentar von Leon Hohmann

Bis vor wenigen Jahren war das Bergische Land mit seinen vielen Steigungen für Radfahrer tückisch. Insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung von Pedelecs und E-Bikes sowie einem verstärkten Umweltbewusstsein wird das Radfahren in der Region auch für immer mehr Pendler attraktiv. Dennoch ist es nicht mit der technischen Weiterentwicklung der Zweiräder getan – vielmehr müssen sich Städte und Kreise um eine bessere Infrastruktur bemühen. Denn: Viele Radfahrer sehen sich noch immer mit etlichen Hindernissen und Gefahrenstellen konfrontiert, wie Sabine Krämer-Kox vom ADFC Wermelskirchen/Burscheid berichtet. 

Umso wichtiger ist es, dass sich die Wermelskirchener am Fahrradklimatest beteiligen. Und Mitmachen lohnt sich. Einerseits wird damit nicht nur unterstrichen, wie wichtig eine Infrastruktur ist. Andererseits lassen sich auch neuralgische Punkte nennen, die die Verantwortlichen nicht auf dem Schirm haben. Der Radverkehr in Wermelskirchen kann dadurch also nur gewinnen. Und dass die Ergebnisse gehört werden – dafür wird der ADFC sorgen, wie er bereits angekündigt hat.

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