Abschiebung: Jeton Duda wurde mit Tochter in den Kosovo geflogen

Shiret (
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Shiret (

Von einem Tag auf den anderen liegt das Leben des Jeton Duda in Trümmern. Gestern Morgen wurde der 26-jährige Kosovo-Albaner mit seiner sechsjährigen Tochter abgeschoben. Nach 23 Jahren in Wermelskirchen zurückgebracht in eine Heimat, die er nicht kennt. Entwurzelt mit einem Schlag. "Wir sind zwar da geboren, aber der Kosovo ist ein fremdes Land für ihn." Seine Schwester Afrodite kämpft mit Tränen, als sie dem WGA die Geschichte seiner Abholung erzählt.

In der Nacht auf Dienstag klingelten Mitarbeiter der Kreis-Ausländerbehörde an seiner Wohnungstür in der Kölner Straße 27, flankiert von zwei Polizisten.

Duda war kurz vorher von der Nachtschicht zurückgekehrt. Seit vier Jahren arbeitet er als Reinigungskraft in der Fitness-World. Gegen 2.30 Uhr erschienen die Ordnungshüter vor seiner Tür, gibt Afrodite Duda die Schilderungen ihrer Eltern Liman und Xhevrije wieder, die im selben Haus wohnen.

Weil ihr Zweitjüngster arbeitete, schlief seine Tochter Shiret (Foto) bei ihnen. Auch die Sechsjährige wurde geweckt, wenngleich nicht in Handschellen - wie ihr Vater - abgeführt. "Sie hat gedacht, sie müsste aufstehen, um in die Schule zu gehen", meint Afrodite Duda fassungslos.

"Was hier geschieht,ist großes Unrecht"

Afrodite Duda

Shiret fing an zu weinen, als sie hörte, dass sie nicht zur Grundschule St. Michael gebracht wird, sondern zum Düsseldorfer Flughafen, von dort nach Pristina in den Kosovo. In dem kleinsten Staat Südosteuropas ist die Erstklässlerin nie gewesen. Eine Idee von dem harten Leben im Herzen des Balkans kann sie nicht haben. Die junge Republik gilt zwar mittlerweile als sicheres Herkunftsland, aber selbst das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schätzt den Kosovo aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und Armut als "destabil" ein.

Auch Jeton Duda wird es schwer haben, Fuß zu fassen. Seine gesamte Familie - neben den Eltern noch fünf Geschwister - ist in Wermelskirchen. Hier sind sie längst heimisch. 1990 kamen sie als Kriegsflüchtlinge aus Ferizaj nach Deutschland. Sie waren Asylbewerber, wurden später geduldet und dürfen - wie Afrodite, die mit einem Deutschen verheiratet ist und zwei Töchter hat - unbefristet bleiben. "Wieso machen die so etwas?", fragt Afrodite Duda mit zittriger Stimme.

Einen triftigen Grund kennt das Gesetz: Wer aus humanitären Gründen bleien will, muss einer geregelten Arbeit nachgehen, in die Gesellschaft integriert, mindestens acht Jahre in Deutschland sein. All dies erfüllte Jeton Duda.

Er scheiterte an einer Straftat. 2009 wurde er zu acht Monaten auf Bewährung wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung verurteilt. Ein Fall, der sich im Wermelskirchener Toom-Markt abspielte, wie seine Schwester bestätigt. Auf die Prügelei beruft sich der Gesetzgeber bei der Abschiebung.

"Wer zu einer Geldstrafe über 50 Tagessätzen verurteilt worden ist, bekommt seine Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert oder erteilt", erklärte Kreispressesprecher Alexander Schiele auf Nachfrage. Dies sei bei dem Betroffenen so gewesen. Mehr möchte er aus Datenschutzgründen nicht sagen.

Für seine Verfehlungen habe er bezahlt, beteuert Afrodite Duda: "Jeton hat Fehler gemacht, aber er hat daraus gelernt, sein Leben mittlerweile fest im Griff und einen Job." Auch bei seinem Arbeitgeber herrschte großes Erstaunen, als sich der WGA mit der Neuigkeit meldete.

"Ich dachte erst, dies sei ein Versehen. Gestern Abend hat er noch hier mit seinem Bruder sauber gemacht", schüttelte Fitness-World-Inhaber Stefan Gries den Kopf darüber, dass eine zuverlässige, geschätzte Reinigungskraft über Nacht verschwindet. Betroffenheit herrschte auch in der Grundschule St. Michael, vor allem in der 1b. Rektor Gerd Palmersheim rang nach Worten: "Wir sind alle völlig baff und müssen das erst verdauen." Shiret galt in der Grundschule als normal entwickeltes Mädchen mit einem gefestigten familiären Umfeld.

"Was hier geschieht, ist großes Unrecht", klagt Afrodite Duda. Völlig unverständlich ist ihr, wie jemand bei Nacht und Nebel abgeholt werden kann, obwohl nicht alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft seien und nun doppelt bestraft würde. Ihr Bruder werde in ein Land ausgeflogen, in dem er keine Wurzeln und Perspektive besitze. "Dann besser sterben", fügt sie leise hinzu.

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