Gastronomie

Abholservice ist nur ein Trostpflaster

Anna Fanelli ist Inhaberin des Restaurants ToscAnna. Zwar bietet sie Gerichte zum Abholen an, doch sie sagt: Die Qualität der Speisen leidet deutlich unter dem Transport. Foto: Claudia Ast
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Anna Fanelli ist Inhaberin des Restaurants ToscAnna. Zwar bietet sie Gerichte zum Abholen an, doch sie sagt: Die Qualität der Speisen leidet deutlich unter dem Transport.

Wirte stehen vor finanziellen Herausforderungen und gleichzeitig vor großen Investitionen.

Von Katharina Birkenbeul

Wermelskirchen. „Gesundheitlich geht es mir gut, für das ToscAnna ist die Situation schwierig“, antwortet Anna Fanelli als Inhaberin des Restaurants auf die Frage, wie es ihr mit der Verlängerung des Lockdowns geht. Am vergangenen Dienstag haben Bund und Länder entschieden, die bisherigen Corona-Regeln bis zum 31. Januar zu verlängern. Für die Gastronomen in Wermelskirchen bedeutet das den dritten Monat in Folge die Zwangsschließung. Gäste dürfen nicht in den Restaurants, Bars und Co. sitzen, Lieferungen und Abholungen sind allerdings weiterhin erlaubt.

Für Anna Fanelli ist das aber kein Trost. „Wir haben frische Speisen, selbst gemachte Pasta, bis die eingepackt sind und beim Kunden auf dem Tisch stehen schmecken sie zwar noch, verlieren aber an Qualität“, erklärt sie. Zudem hätten ihr Mann und sie, die das ToscAnna seit 12 Jahren betreiben, beispielsweise kein geeignetes Verpackungsmaterial. Angesichts der kurzfristigen Entscheidungen der Politik würde es auch keinen Sinn machen, darin zu investieren. Dennoch liefert das Wermelskirchener Restaurant Speisen zu den Kunden. „Die Leute bestellen trotzdem, aber das ist nicht das, was uns aufrecht erhalten kann.“ Aber, auch wenn manche nur für 10 Euro Essen bestellen würde, es tue immerhin der Seele gut.

„Es sind hier alle Leute füreinander da. Man lernt sich gerade näher kennen.“
Anna Fanelli über die positiven Auswirkungen der Krise

Wie lange sie noch durchhalte, kann Anna Fanelli nicht sagen. „Das hängt von vielen Faktoren ab: Vermieter, Bank, Mitarbeiter und vor allem dem Geld des Bundes. Wenn einer aussteigt, fällt alles ins Wasser“, erklärt sie die brenzlige Situation. Vom Bund seien bisher nur die Hälfte der Novemberhilfen ausgezahlt worden, für Dezember rechne sie ebenfalls damit, nicht den gesamten Betrag zu erhalten. Aber das Geld müsse bald fließen.

Dass Restaurants ab Februar wieder öffnen dürfen, damit rechnet sie nicht. „Alle munkeln, dass die Schließung bis mindestens März dauert, aber ich hoffe nicht, dass wir bis dann durchhalten müssen“, sagt sie und hofft darauf, bereits ab Mitte Februar wieder öffnen zu können. Ob die Entscheidung des Bundes jetzt oder am 25. Februar – wenn wieder über die derzeitigen Bestimmungen diskutiert wird – richtig sind, will sie nicht einordnen. Denn sie könne nicht wissen, wie die Zahlen aussehen würden, wenn die Gastronomie weiter geöffnet wäre.

Wünschen würde sich die Inhaberin des ToscAnna, dass das Wetter im Sommer mitspielt und vieles nach draußen verlegt werden kann – mehr als in den vergangenen Jahren. Dafür bräuchte sie aber auch zusätzlichen Platz für Außengastronomie, den sie nicht hat. „Und wenn das Wetter nicht mitspielt, muss ich auch noch in einen Regenschutz investieren. Keiner hätte das gedacht, dass sich vieles draußen abspielen muss. Aber wir sind mitten im Wandel und müssen uns da was ausdenken.“

„Der Lockdown wird sich sicher noch bis in den März ziehen.“
Dirk Götz vom Restaurant Centrale

Fanelli betont: „Ein riesengroßes Dankeschön geht an die Kunden, die alle was für unsere Unterstützung tun. Es sind hier in Wermelskirchen alle Leute füreinander und miteinander da. Man lernt sich gerade näher kennen.“ Sie selbst greife derzeit öfter zum Telefon und komme dadurch ins Gespräch mit vielen Einzelhändlern und Gastronomen, die in der gleichen Lage sind. „Es ist wie früher in den Tante-Emma-Läden“, meint die Gastronomin.

Etwas anders sieht die Situation bei Dirk Götz vom Restaurant Centrale aus. Sein Lokal ist derzeit komplett geschlossen. Ein Lieferservice hätte sich finanziell nicht gelohnt. Umso mehr macht sich der verlängerte Lockdown bemerkbar, auch wenn er mit dieser Entscheidung gerechnet hat. „Es wird sich sicher noch bis in den März ziehen“, vermutet er. Aber selbst eine Öffnung hätte dem Wermelskirchener Gastronom nicht viel gebracht. Blieben die Kontaktbeschränkungen wie derzeit, lohne sich das Geschäft für die Gaststätte, die auch von Events und privaten Feiern lebt, nicht. Dennoch bleib Dirk Götz zuversichtlich: „Wir kommen über die Runden.“

Die Entscheidung von Bund und Ländern

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer und Kanzlerin Angela Merkel beschlossen am Dienstag die Verlängerung der geltenden Corona-Regeln. Statt ursprünglich bis zum 10. Januar dürfen Gastronomen mindestens bis zum 31. Januar nicht öffnen. Geschlossen haben sie bereits seit Anfang November. Am 25. Januar wollen Bund und Land erneut über die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus beraten.

Standpunkt: Weiter unterstützen

Von Katharina Birkenbeul

Es ist mittlerweile unverständlich, dass der Bund es auch nach dieser langen Zeit immer noch nicht schafft, die Corona-Hilfen in einem angemessenen Zeitraum auszuzahlen. Den Gastronomen ist nicht damit geholfen, wenn finanzielle Unterstützung zugesichert wird, sie aber in brenzligen Zeiten nicht darauf zurückgreifen können, weil sie noch nicht da sind. Und, da braucht sich keiner etwas vormachen, diese brenzligen Zeiten sind jetzt. Jetzt, wo es den dritten Monat heißt, durchzuhalten.

katharina.birkenbeul@rga.de

Jetzt, wo keiner weiß wie lange die – durchaus sinnvollen – Regeln anhalten. Bis in den Frühling werden viele Gastronomen nicht durchhalten können. Zumal die Wintermonate auch generell die umsatzschwächsten sind. Deshalb sind die Wirte, wie natürlich auch viele andere Branchen, besonders darauf angewiesen, dass die Kunden sie unterstützen. 

Die meisten haben zehn Euro im Monat übrig, um sich ein Essen beim Lokal ihrer Wahl zu bestellen. Auch wenn das erstmal nur für die Seele der Gastronomen ist. Aber es hilft. 

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