94-Jährige entdeckt ihr Schauspieltalent

Beste Stimmung im Café Hilde: Die Theatergruppe mit Josefine Opitz, Thordis Burghoff, Monica Barata und Ingrid Richter und Röschen Herforth bei der Generalprobe.                                         Foto: Theresa Demski
+
Beste Stimmung im Café Hilde: Die Theatergruppe mit Josefine Opitz, Thordis Burghoff, Monica Barata und Ingrid Richter und Röschen Herforth bei der Generalprobe.                                         Foto: Theresa Demski

Die Aufführungen von Café Hilde im Theater am Lager sind schon ausverkauft

Von Theresa Demski

Gerade noch hat Monica Barata im knappen Glitzerfummel eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt. Sie hat dem Stuhl das Staunen gelehrt, ihre Beine geschwungen, fröhlich ins Publikum gelacht und Liza Minnelli alle Ehre gemacht. Als die letzten Töne ihrer Melodie verklingen, ist irgendwo hinter der Bühne das Klopfen eines Gehstocks zu hören.

Dann schwebt Röschen Herforth auf die Bühne. Die 94-Jährige trägt einen riesigen Hut, weiße Perlen auf grünem Samt, hohe Schuhe und Blumenschmuck an der Stola. „Sind wir hier gar nicht im Casino?“, ruft sie einem jungen Mann an ihrer Seite zu, der es kaum schafft, mit der alten Dame Schritt zu halten. Und wer es nicht besser weiß, meint, dass Röschen Herforth schon ihr Leben lang auf der Bühne steht und schauspielert. Sie wirkt, als sei sie in ihrem eigentlichen Element, als könne sie nichts erschüttern – erst recht nicht, als sie mit ihrem jugendlichen Schauspielkollegen am Rande der Bühne in heitere Walzerschritte verfällt.

„Ich habe Freude dabei.“

Röschen Herfurth, 94 Jahre alt

Aber: Es ist Röschen Herforths erster Auftritt auf einer Theaterbühne – nach 94 Lebensjahren. Ob bei der Generalprobe ein bisschen Aufregung dabei sei? Dafür habe sie schon zu viel erlebt, sagt sie. Und überhaupt: „Ich habe Freude dabei“, sagt sie. Bei Geburtstagen habe sie in ihrem Leben schon häufig für Unterhaltung gesorgt. Und als ihr Ingrid Richter (79) bei einem Kaffeekränzchen dann von dem Theaterprojekt berichtete, schloss sie sich an. „Meine Enkelkinder finden das toll, dass die Oma sowas macht, und haben direkt Karten für die Premiere gekauft“, erzählt Röschen Herforth.

 Inzwischen sind alle drei Aufführungen der kleinen Theatergruppe um Monica Barata ausverkauft. Das habe auf der einen Seite damit zu tun, dass in Corona-Zeiten nur rund 20 Zuschauer im „Theater im Lager“ Platz finden. Aber wohl auch damit, dass das besondere Konzept des Stücks die Zuschauer lockt. Denn Monica Barata, Vorsitzende des Vereins „Grenzfrei kreativ“, hat sich einmal mehr für die Kunst überschlagen: Sie hat ein Stück geschrieben um die Geschichte von Café-Chefin Hilde und deren Großtante Bella, die das Geld des kleinen Cafés verjubelt hat und sich nun ständig im Casino statt bei Nichte Hilde wähnt. „Diese Geschichte bildet eine Rahmenhandlung um viele verschiedene Starparodien“, erzählt Monica Barata.

 Diese Parodien – und natürlich die zauberhafte Röschen Herforth – stehen im Zentrum des Stücks „Café Hilde“. Es sei ihrer eigenen Liebe zu Zarah Leander, Liza Minnelli und Hildegard Knef zu verdanken, dass die Musik so einen zentralen Punkt im Stück erhalten habe: Und so verwandelt sich Ingrid Richter (79) plötzlich in Andrea Berg und trägt eine schwarz-rote Perücke. Josefine Opitz schlüpft in die Rolle von Hildegard Knef und lässt es rote Rosen regnen – mit reichlich Make-up und im stilechten Kostüm. Die Musik kommt vom Band, das Theater ist live.

 Das Publikum darf während der Aufführungen an gedeckten Tischen sitzen – mit edlen Sammeltassen, Etageren voller Süßigkeiten und kleinen, feinen Kännchen mit Milch. Die Zuschauer nehmen in Samtsesseln neben Lampenschirmen Platz, die mit edlen Stoffen abgehängt sind. Und dann lassen sie sich – kaum hat sich der große Vorhang geöffnet – von Monica Barata und Thordis Burghoff Apfelkuchen und Kottenbutter servieren.

„Aber ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das wird, wenn erstmal Publikum da ist.“

Ingrid Richter

Die beiden sind in schmucke Röcke und Schürzen von Dienstmädchen geschlüpft und servieren zur Musik aus den 1940er Jahren auch Kaffee und Tee. Für einen Augenblick sollen die Zuschauer Teil des Stücks werden – zu Gast im „Café Hilde“.  Wenn auch nicht bei Röschen Herforth, so ist bei der Generalprobe im „Theater im Lager“ an der Wustbacher Straße die Aufregung der frischgebackenen Bühnenstars doch greifbar. „Unter uns fällt mir das leicht“, sagt Ingrid Richter, „aber ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie das wird, wenn erstmal Publikum da ist.“

 Aber die Gruppe hat Feuer gefangen – an dem Miteinander, der Kreativität und vor allem am Scheinwerferlicht. Deswegen wünscht sich Monica Barata, dass „Café Hilde“ in Serie geht – und sie die Geschichte um Hilde und Tante Bella weiterstricken darf. Dann dürfte die heitere Gruppe der rüstigen Damen auch nach ihrer Premiere auf die Bühne zurückkehren.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Plötzlicher Pflegefall: Das ist zu beachten
Plötzlicher Pflegefall: Das ist zu beachten
Plötzlicher Pflegefall: Das ist zu beachten
Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Beim Schulfest geht es um Kreativität und Entspannung
Beim Schulfest geht es um Kreativität und Entspannung
Beim Schulfest geht es um Kreativität und Entspannung
L 101: Arbeiten beginnen im Juni
L 101: Arbeiten beginnen im Juni
L 101: Arbeiten beginnen im Juni

Kommentare