Pandemie

2G: Händler wollen Bändchen statt Pass

Shoppen ist in den Innenstädten erlaubt. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Archivfoto: Roland Keusch
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Shoppen ist in den Innenstädten erlaubt. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Eine Lösung aus Hilden ist derzeit im Gespräch. Der Stadtmarketingverein ist aber eher dagegen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Das Beispiel aus Hilden ist zurzeit im Gespräch – auch in Wermelskirchen. Die Hildener Einzelhändler haben sich auf ein Konzept geeinigt, das zurzeit auf viel Sympathie stößt: Es soll der Vereinfachung der 2G-Regel in der Corona-Pandemie dienen, die ja seit dieser Woche in allen Geschäften, die nicht dem täglichen Bedarf dienen, gilt. An einer speziellen Ausgabestelle können sich die Kunden nach Vorlage des Impfpasses oder des Genesenen-Ausweises ein farbiges Bändchen abholen, mit dem sie dann in allen Geschäften shoppen können. Für die Händler bedeutet das, dass die Einlasskontrollen wegfallen, für die Kunden, dass sie nicht überall ihren Geimpften- oder Genesenen-Status vorweisen müssen.

„Auch bei uns ist das seit einigen Tagen Gesprächsthema“, sagt André Frowein, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins WiW auf Nachfrage. Er sei dazu mit der Stadtverwaltung in Gesprächen. Frowein: „Allerdings sind wir schon zu dem Zwischenfazit gekommen, dass wir in Wermelskirchen zumeist eher Kunden haben, die Zielkäufe tätigen. Das heißt, sie besuchen am Tag höchstens ein oder zwei Geschäfte, um gezielt etwas zu kaufen, das sie brauchen. Wir müssen Nutzen und Aufwand abwägen. Und es könnte sein, dass bei uns einfach der Aufwand überwiegen würde.“

Frowein führt dazu an, dass es ja auch eine zentrale Ausgabestelle für die Bändchen geben müsse, für die es wiederum Personal bräuchte.

Vom klassischen Weihnachtsgeschäft kann man dieses Jahr nicht sprechen.

Jörg Michels, Einzelhändler

Die Händler sehen das zum Großteil anders. „Wir fänden die Lösung sehr gut“, sagt beispielsweise Ulrike Schnütgen (Quick Schuh). Sie habe in ihrem Geschäft an der Telegrafenstraße auch nicht die Erfahrung gemacht, dass Kunden lediglich Zieleinkäufe tätigen: „Die meisten bummeln gern mal durch die Innenstadt und kaufen in mehreren Geschäften ein“, berichtet die Händlerin.

Seit die 2G-Regel in den meisten Einzelhandelsgeschäften gelte, sei auch der Aufwand für sie und ihr Personal größer geworden. „Die Einlasskontrollen nehmen wir selbst vor; wir könnten es uns nicht leisten, dafür zusätzliches Personal einzustellen. Immerhin sind die sinkenden Umsätze deutlich spürbar.“

Auch Vera Morsches (Tausendschön) findet, das Weihnachtsgeschäft könnte besser laufen. „Klar, unsere Stammkunden schauen immer vorbei, kaufen zum Teil auch Weihnachtsgeschenke. Aber es könnte besser laufen.“ Die Bändchen-Regelung würde Vera Morsches indes auch für die Geschäfte in der Innenstadt begrüßen: „Ich war selber neulich unterwegs und finde es schon lästig, jedes Mal durch die Kontrolle zu müssen.“

Von weniger Kunden seit Umsetzung der strengeren Maßnahmen spricht auch Jörg Michels (Sweetex): „Von einem klassischen Weihnachtsgeschäft kann man derzeit bei uns nicht sprechen. Es ist einfach weniger los als sonst. Das Online-Geschäft, das wir ja auch anbieten, boomt stattdessen.“

Die Lösung mit den Einkaufsbändchen sieht er differenziert. „Sicher, ich würde das auch begrüßen. Es wäre einfacher für die Kunden, wenn sie nicht ständig ihren Impfpass oder ihr Smartphone vorzeigen müssten. Aber die Frage ist wirklich, ob sich das für uns hier in Wermelskirchen lohnen würde.“

Michels befürchtet, dass durch die 2G-Regel der Handel vor Ort dramatische Einbußen erleidet. „Dem Online-Handel spielt das jedenfalls absolut in die Karten. Und das ist ja eigentlich etwas, was wir für die Innenstadt nicht als wünschenswert ansehen. Man muss die Ergebnisse jetzt mal abwarten.“

Hintergrund

Viele Einzelhandelsverbände, unter anderem in Hilden, aber auch im Norden Deutschlands, wie Hamburg oder Teilen Niedersachsens, haben sich bereits für die Bändchen-Lösung entschieden. Die funktioniert ähnlich wie auf den meisten Weihnachtsmärkten derzeit – zum Beispiel in Remscheid. Die Kunden zeigen einmalig ihren Impfpass oder Genesenen-Nachweis vor und bekommen das Band zum Shoppen.

Standpunkt: Ja, was denn nun?

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Die Idee klingt vielversprechend: Kunden im Einzelhandel müssen nicht mehr überall ihren Nachweis darüber vorzeigen, dass sie geimpft oder genesen sind, sondern können das einmalig tun – und erhalten dann ein Bändchen, das ihnen an diesem Tag das Shoppen in der gesamten Innenstadt ermöglicht. Die Wermelskirchener Händler finden’s klasse, die Stadt eher nicht. Die Händler sagen: „Das brauchen wir“, die Stadt meint indes: „In Wermelskirchen werden eher Zielkäufe getätigt.“ Da fragt man sich: Ja, was denn nun? Vielleicht wäre es ratsam, wenn sich die Beteiligten noch einmal zusammensetzen und über die wirklich gute Idee mit den Einkaufsbändchen konstruktiv diskutieren würden. Denn letztlich geht es ja darum, die Kunden an den lokalen Handel zu binden und sie möglichst davon abzuhalten, den Großteil ihrer Weihnachtseinkäufe im Internet zu tätigen. Das machen ohnehin vermutlich jetzt schon jene, die aufgrund der 2G-Regel die Geschäfte derzeit nicht betreten dürfen. Und es wäre doch ratsam, zumindest die bei der Stange zu halten, denen das Einkaufen vor Ort noch möglich ist. Auch den Händlern zuliebe.

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