2G: Händler fürchten um das Weihnachtsgeschäft

Die 2G-Regel drückt die Stimmung im Weihnachtsgeschäft. Nur noch Geimpfte und Genesene dürfen in die Läden. Ungeimpfte werden wohl eher in den Onlinehandel ausweichen. Foto: Dominic Lipinski/PA Wire/dpa
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Die 2G-Regel drückt die Stimmung im Weihnachtsgeschäft. Nur noch Geimpfte und Genesene dürfen in die Läden. Ungeimpfte werden wohl eher in den Onlinehandel ausweichen.

Nur noch Geimpfte und Genesene dürfen in Einzelhandelsgeschäfte – Kontrollen drücken Kundenzahlen

Von Theresa Demski

Ina Theiß hatte die neuen Schilder für ihr Schaufenster bereits früh ausgedruckt: Zutritt nach 2G-Regel. Am Donnerstag hatte die Politik nach der Bund-Länder-Konferenz neue Beschlüsse gefasst: Seit vergangenem Samstag gilt im Einzelhandel in NRW die 2G-Regel – nur noch Geimpfte und Genesene dürfen die Geschäfte betreten. Das gilt nicht für die Geschäfte des täglichen Gebrauchs wie Supermärkte, Apotheken und Drogerien.

„Der Stimmung im Weihnachtsgeschäft hilft das alles nicht.“

Gabriele van Wahden, Buchhändlerin

„Wann es losgeht, ist noch offen“, sagte Ina Theiß am Freitagmorgen. Da wartete sie noch auf den Bescheid der Landesregierung aus Düsseldorf. Aber für ihr Schreibwarengeschäft an der Kölner Straße hatte sie mit ihrem Mann bereits erste Vorbereitungen getroffen. „Alles ist besser, als wieder schließen zu müssen“, sagte sie. Die Kunden seien außerdem inzwischen so sensibel, dass viele ohnehin am Eingang warten, bevor sie eintreten. „Dann fragen wir eben nach den entsprechenden Nachweisen“, sagte Ina Theiß.

Auch Gabriele van Wahden machte sich schon im Vorfeld Gedanken zu den Kontrollen am Eingang. „Ich kann dafür kein zusätzliches Personal einstellen“, sagte sie, „also werden wir das in unserem Team organisieren müssen.“ Für Neuankömmlinge gibt es eine Klingel im Eingangsbereich und die Bitte, kurz zu warten. „Das wird sportlich“, schätzte sie vor dem ersten Tag der Kontrollen – sie denkt dabei auch an die Kundenzahlen.

Die seien vor der neuen 2G-Regel im Einzelhandel ohnehin jeden Tag weiter zurückgegangen, viele Menschen würden schon Kontakte reduzieren, die Zahl der Auslieferungen steige. „Der Stimmung im Weihnachtsgeschäft hilft das alles nicht“, sagt die Buchhändlerin. Sie habe Sorge, dass die Stimmung kippt. „Aber wir bekommen das schon hin“, sagt sie. Schließlich sei ihr ja auch sehr an der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und der Kunden gelegen.

Auch bei Quick-Schuh liefen bereits am Freitag die Vorbereitungen zur Umsetzung der neuen Regelung: „Wir werden ein Flatterband am Eingang aufhängen und die Kunden dann nach ihrem Status fragen“, sagte Ulrike Schnütgen, „und dann werden wir die Reaktionen abwarten.“

Politik spielt Onlinehändlern in die Hände

Sie wolle keinen Kunden verlieren. Also werde sie Möglichkeiten finden müssen, auch nichtgeimpfte Kunden zu bedienen, ohne die Regeln zu verletzen. „Am Ende ist es immer der Einzelhandel, der blutet“, beklagt sie und hätte sich früher entschiedenere Maßnahmen der Politik gewünscht, um die Stärke der vierten Welle frühzeitig zu mildern. „Jetzt bleiben die großen Supermärkte wieder für alle offen, und wir haben die Einbußen“, sagt Ulrike Schnütgen. Das habe schon der Lockdown im vergangenen Jahr gezeigt: Menschen kauften Kleidung, Bücher und Spielwaren plötzlich in den großen Warenhäusern, die auch Produkte des täglichen Bedarfs im Sortiment haben und während des Lockdowns deswegen nicht schließen mussten.

„Am meisten spielt die Politik mal wieder dem großen Onlinehändler in die Hände“, sagt Wolfgang Müllenmeister im Spielwarengeschäft Holzwürmchen. Man dürfe sich nichts vormachen: Ungeimpfte würden durch die 2G-Regelung für den Einzelhandel nun endgültig ins Internet abwandern. Ihm sei es zuwider, seine Kunden nach ihrem Impfstatus zu fragen. „Das ist deren Intimsphäre“, sagt er, „und wir begegnen uns hier im Laden immer freundschaftlich.“

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