Bilanz

2020 hatte die Feuerwehr 658 Einsätze

Einen Großbrand gab es am 13. September in Dabringhausen, erinnert Feuerwehrchef Holger Stubenrauch. Archivfotos: Doro Siewert/Roland Keusch
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Einen Großbrand gab es am 13. September in Dabringhausen, erinnert Feuerwehrchef Holger Stubenrauch.
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Leiter Holger Stubenrauch erinnert an Großbrand, Fehlalarme und einen geretteten Uhu.

Von Markus Schumacher

Wermelskirchen. 658 Einsätze gab es 2020 für die Feuerwehr Wermelskirchen. „Das sind ja fast zwei an jedem Tag“, ist auch Feuerwehrchef Holger Stubenrauch von der aktuellen Statistik beeindruckt. Ein Feuer wurde dabei nicht jedes Mal bekämpft. Den größten Teil machten technische Hilfeleistungen aus: 452 Mal unterstützen die Feuerwehrleute den Rettungsdienst, halfen bei Unfällen oder retteten Tiere.

„Eine Katze auf dem Baum hatten wir zwar nicht dabei“, berichtet Stubenrauch, „aber dafür haben wir einen Uhu aus einem Kamin befreit.“ Der große Raubvogel steckte dort fest. Die Feuerwehr holte ihn mit einigem Aufwand wieder raus. Der Vogel war pechschwarz. „Aber nach ein paar Sekunden war er dann schon weggeflogen“, freute sich Stubenrauch. Das tue den Feuerwehrleuten gut: Zu sehen, dass sie mit ihrem Einsatz helfen konnten.

Schwer zu verdauen war dagegen der Brand an der Oberen Remscheider Straße am 13. September. „Wir kamen da zu einer kalten Einsatzstelle“, erklärt Stubenrauch, „das heißt, das Feuer war schon aus, aber die Wohnung noch stark verqualmt.“ Einen Bewohner brachte die Feuerwehr schwer verletzt ins Krankenhaus - dort ist er später gestorben. „Das geht einem immer nahe“, sagt Stubenrauch. Wobei die Feuerwehr nach den meisten Einsätzen nicht erfährt, was aus den von ihnen Geretteten wird, wenn sie sie ans Krankenhaus übergeben haben.

Nur wenige Tage vor diesem tragischen Einsatz gab es den größten Einsatz für die Feuerwehr Wermelskirchen in 2020: Am 8. September brannte eine 2000 Quadratmeter große Lagerhalle in Dabringhausen lichterloh. Bei diesem Großbrand waren alle vier Löschzüge plus die hauptamtliche Kräfte und Rettungswagen im Einsatz. Mit sechs C-Rohren und zwei B-Rohren gingen die Wehrleute ans Werk. Der damalige Einsatzleiter Ingo Müller erklärt: „Ein Innenangriff war nicht möglich, weil bereits das komplette Gebäude in Flammen stand. Das wäre zu gefährlich für unsere Einsatzkräfte geworden.“ Am Ende ist niemand verletzt worden. „Sogar ein zunächst vermisster Hund tauchte später wieder auf - klatschnass aber sonst unversehrt“, erinnert sich Holger Stubenrauch.

„Es gibt immer eine anschließende Einsatzbesprechung.“
Holger Stubenrauch, Feuerwehrchef

Feuerwehrchef Holger Stubenrauch

Es gab 120 Fehlalarme. Wobei Stubenrauch betont: „Darunter war kein einziger böswilliger Fehlalarm.“ Die meisten hätten im guten Glauben bei der Feuerwehr angerufen: „Wenn es beim Nachbarn so stark qualmte, der aber nur den Grill angemacht hat. Oder wenn beim Sonnenuntergang ein Dach in der Ferne leuchtete, als ob es brennt“, nennt Stubenrauch Beispiele für Fehlalarme, die sich wohl kaum vermeiden ließen. Einige Male rückte die Feuerwehr auch aus, weil eine automatische Brandmeldeanlage defekt war.

37 mal rückte die Feuerwehr im vergangenen Jahr als „First-Responder“ aus. Stubenrauch erklärt: „Wenn die Rettungswagen bereits alle unterwegs sind, fahren wir als Ersthelfer raus.“ Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes könne so schon viel geholfen werden.

Weniger Arbeit als in früheren Jahren machte die Autobahn. „Seit dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt worden ist, ist es besser bei uns“, sagt Stubenrauch. Das Problem auf der A1 sei aber: „Es gibt dort kein Wasser.“ Und als dort einmal gepresste Papierrollen auf einem Lkw brannten, musste die Feuerwehr in einem Pendelverkehr über Burscheid für Löschmittel sorgen. „Die Kollegen aus Burscheid haben noch mehr Arbeit mit der A1“, weiß Stubenrauch. Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz: „Es gibt immer eine anschließende Einsatzbesprechung“, berichtet der Feuerwehrchef. Dort werde geklärt, was gut und was weniger gut gelaufen sei. Geht den Feuerwehrleuten das Schicksal von Toten und Verletzten sehr nahe, könne das PSU-Team aktiv werden: Dies leiste „Psychosoziale Unterstützung“ für die Einsatzkräfte. „Vor 50 Jahren hätte man da einen Schnaps getrunken“, erinnert Stubenrauch an eine Zeit, in der nicht alles besser war.

Aber zum Beispiel vor Corona war auch für die Feuerwehr vieles leichter. „Wir sind es als Feuerwehr gewohnt, schnell zu handeln“, betont Stubenrauch, „und das haben wir bei dieser Pandemie natürlich auch.“ Federführend ist dabei der Leiter des Einsatzstabes, Alexander Groß. „Wir haben gleich die ganze Truppe in kleinere Einheiten aufgeteilt“, berichtet der Oberbrandmeister. Treffen gebe es nur noch online. Zum Wachwechsel in der Feuer- und Rettungswache habe sich eine Choreographie eingespielt: Die neue Mannschaft sammle sich in einem Raum, die andere verlässt geschlossen den anderen. „Das morgendliche Abklatschen gibt es nicht mehr.“

Zu Einsätzen wird nun mit mehreren Fahrzeugen ausgerückt, damit nicht so viele in einem Fahrzeug sitzen. Das Konzept werde stets an neue Entwicklungen angepasst. Groß: „Aber die Ausbildung ist schwierig.“

Hintergrund

Die Wermelskirchener Feuerwehr ist eine Freiwillige Feuerwehr mit einer angeschlossenen Feuer- und Rettungswache, Vorm Eickerberg 2a. Es gibt 51 hauptamtliche Feuerwehrleute, 23 beim Rettungsdienst Beschäftigte, zwei in der Verwaltung und zwei in Ausbildung. Dazu kommen 177 aktive Freiwillige in vier Löschzügen.

Standpunkt

markus.schumacher@rga-online.de

Ein Kommentar von Markus Schumacher

Schnell wie die Feuerwehr - das ist nicht nur eine Redewendung. In Wermelskirchen wird es von der Feuerwehr auch gelebt. Ein gutes Beispiel ist die Reaktion auf die Corona-Pandemie. Während anderswo noch über AHA-Regeln diskutiert wurde, hatte sich die Truppe der haupt- und ehrenamtlichen Helfer längst in kleine Einheiten aufgeteilt. Als die Kinder noch im Schulunterricht saßen, trafen sich die Blauröcke bereits nur noch online. FFP-2-Masken sind schon seit Monaten Standard in der Feuer- und Rettungswache. Die Männer und Frauen um Feuerwehrchef Holger Stubenrauch haben sich früh mit der Pandemie arrangiert. Und doch könnten auch sie herzlich gerne darauf verzichten. Insbesondere die Ausbildung sei unter Corona-Bedingungen kaum möglich, sagt auch der Leiter des Einsatzstabes. Und auch bei den alten Hasen unter den Blauröcken müsste eigentlich öfter wieder gemeinsam geübt werden, damit im Einsatz jeder Handgriff sitzt. Wichtig wären auch persönliche Kontakte, um die Kameradschaft zu pflegen. Aber das steht derzeit leider hintan.

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