Rückblick

2020 hatte doch auch viele gute Seiten

Die weihnachtlich beleuchtete Innenstadt gibt es auch im Corona-Jahr 2020. Archivfoto: Herbert Draheim
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Die weihnachtlich beleuchtete Innenstadt gibt es auch im Corona-Jahr 2020.
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Besinnung, Familiengründung, Zusammenhalt: Wermelskirchener blicken auf ihr persönliches Corona-Jahr zurück.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die befragten Wermelskirchener sind sich weitgehend einig: Das Jahr 2020, das vermutlich als das „Corona-Jahr“ in die Geschichte eingehen wird, hatte für sie nicht nur schlechte Seiten. Viele berichten von ganz persönlichen, kleinen und großen Erlebnissen, die dieses Jahr zu einem Besonderen gemacht haben.

„Ich habe gelernt, mich auf das Wesentliche zu besinnen, dankbar zu sein, für das, was ich habe“, sagt beispielsweise Ulrike Schmidt. „Wir sind von Wermelskirchen nach Schleswig-Holstein gezogen, sicherlich in unserem Alter kein leichter Schritt, aber es fühlt sich richtig an.“

Sandra Hokkeler fühlt sich nach dem Jahr entspannter – und lobt den Zusammenhalt: „Ich nehme mit, dass Zwangspausen sehr entstressend wirken können und man nicht immer nur an sich, sondern auch an seine Mitmenschen denken muss. Egoismus ist doof.“

Marion Lück erinnert sich an die Hochzeit der Schwester.

„Aussortieren, was braucht man, was nicht. Und damit meine ich nicht nur den Kleiderschrank.“ Dazu hat die Wermelskirchenerin Tanja Gürtner das Corona-Jahr genutzt.

Etwas kritisch blickt Stefanie Bosbach zurück: „Ich musste erfahren, dass es große Unterschiede gibt zwischen Pflegekräften. Es wird immer nur von Altenheimen gesprochen. Aber dass Pflegekräfte in Wohnheimen für Menschen mit Behinderung auch in der Corona-Zeit ganz anders arbeiten müssen, weil diese Menschen oft nicht verstehen, was Corona ist und warum sie nicht mehr arbeiten dürfen, darüber wurde nie ein Wort gefunden.“

André Frowein ist begeistert vom Zusammenhalt.

Eine besondere Erinnerung teilt Nina Krannich: „Wir hatten das Glück, einen tollen Urlaub zu machen. Sind Ende Februar, als hier noch alles ruhig war, dreieinhalb Wochen nach Thailand geflogen. Die letzten Tage der Reise verbrachten wir im völlig leeren Bangkok. Das war unglaublich und wird man so nie wieder erleben.“

„Ich habe hier, durch die Corona-Hilfe, von vielen mir unbekannten Helferlein für das Kinderheim, in dem ich arbeite, die ersten selbst genähten Masken bekommen. Vollkommen selbstlos und ohne einen Unkostenbeitrag. Danke dafür“, berichtet Katja Schwager.

Tierisch war’s für Corina Okrus: „Mein geliebter Hund erkrankte im Frühjahr sehr schwer“, berichtet die Wermelskirchenerin. Alle hatten ihn aufgegeben, nur ich selbst hab an ihn geglaubt. Der entscheidende Tipp von meinem Tierarzt, eine Ernährungsberatung in München telefonisch um Rat zu bitten, brachte vor zwei Wochen tatsächlich die Wende. Jetzt kann ich Weihnachten entspannt mit meinem Hund verbringen.“

Katrin und Björn Seide, Söhnchen Joshua und „Spooky“.

„Das Wundervollste für mich war meine Hochzeit“, ist Thomas Mergler sicher. „Es durfte zwar keiner mit rein, aber wir haben die Fenster geöffnet und die Ja-Wörter wurden von draußen beklatscht.“

Wermelskirchens Bürgermeisterin Marion Lück hat vor allem zwei herausragende Erlebnisse, die sie aus 2020 mitnimmt und vermutlich im Herzen trägt: „Klar, meine direkte Wahl zur Bürgermeisterin und die Hochzeit meiner kleinen Schwester im Sommer.“ Lück räumt ein, dass es „insgesamt natürlich ein herausforderndes und für viele bedrückendes Jahr war. Ich wünsche mir sicher auch ein anderes 2021. Für mich persönlich war das Jahr 2020 aber wirklich fantastisch.“

André Frowein, Vorsitzender des Marketingvereins WiW, freut vor allem „der große Zusammenhalt und die Kreativität, die in diesem Jahr so deutlich wie nie zu spüren waren“, sagt er. „Ich bin zum Beispiel begeistert, wie eng die Kirchen zusammenarbeiten, neue Ideen entwickeln, gemeinsame Entscheidungen treffen. Und zwar alle, ob Freikirche, evangelische oder katholische Gemeinden. Das ist etwas, das sollten wir beibehalten.“

Auch Katrin Seide vom Wermelskirchener Judoclub blickt auf eine durchweg gute Zeit. Ganz privat. „Mir ist bewusst dass es für viele Menschen ein schreckliches Jahr war“, räumt die Wermelskirchener Sportlerin ein. „Aber für meinen Mann Björn und mich war es das schönste Jahr überhaupt, denn unser Sohn Joshua hat am 1. August das Licht der Welt erblickt. Für dieses kleine große Wunder werde ich dem Jahr 2020 auf ewig dankbar sein.“  

Hintergrund

Der WGA hat Wermelskirchener befragt nach ihren ganz persönlichen Erlebnissen im Jahr 2020 – schöne, bedrückende oder außergewöhnliche. Geantwortet haben die Menschen im sozialen Netzwerk Facebook oder am Telefon. Heraus kamen ganz unterschiedliche Sichtweisen. Die meisten waren trotz vieler Herausforderungen positiv.

Standpunkt

anja.siebel @rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Bleiben Sie gesund, das ist ein gängiger Satz, der dieser Tage immer gern ausgesprochen wird. Vermutlich, weil in Zeiten der Corona-Pandemie Gesundheit nicht nur auf den Prüfstand gestellt, sondern auch deren Verletzlichkeit noch einmal eine ganz andere Bedeutung zu gewinnen scheint. „Ich sage stattdessen immer, bleiben Sie beschützt“, sagte jüngst eine Gesprächspartnerin am Telefon. „Das beinhaltet so viel mehr und ist einfach treffender in dieser Zeit.“ Da hat sie wohl recht. Denn beschützt zu sein, das heißt nicht nur wohlauf, sondern irgendwie auch gefeit – vor allem Unvorhersehbaren, Unsicheren. Und dafür können wir selbst eine Menge tun.

Nicht nur, dass wir uns selbst und andere so gut als möglich schützen können vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Wie die vielen schönen Beispiele der Wermelskirchener in ihrem Jahresrückblick zeigen, können wir auch zusammenhalten. In den Familien, unter Freunden, als Stadt, als Gemeinde, eben als Mitmenschen. Um Hand in Hand, mit neuer Kraft in ein hoffentlich befreiteres Jahr 2021 zu starten. Darum wünsche ich es Ihnen auch: Bleiben Sie beschützt! Fröhliche Weihnachten.

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