Natur

14-Jährige begegnet Wolf im Eifgen

Der Wolf wurde im Wermelskirchener Wald gesichtet.
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Der Wolf wurde im Wermelskirchener Wald gesichtet.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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  • Susanne Koch
    Susanne Koch
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Fachleute gehen davon aus, dass die Raubtiere nur durchziehen.

Wermelskirchen. Der Schock sitzt tief bei der 14-jährigen Wermelskirchenerin. Namentlich möchten sie und ihre Mutter nicht genannt werden. „Sie muss die Begegnung mit dem Wolf erst einmal verkraften“, sagt ihre Mutter. Was war geschehen? Der Teenager aus Tente war wie schon öfter mit ihrem Pony und dem Familienhund, einem Labrador-Mischling, im Wald Richtung Eifgen unterwegs. An einem Rinnsal entdeckte sie, auf der anderen Seite des Bachlaufs, plötzlich einen Wolf.

Das Pferd habe sofort gescheut – und auch der Hund sei unruhig geworden. „Sie stieg ab und nahm sofort den Hund an die Leine“, berichtet die Mutter am Telefon. Langsam bewegte sich das Mädchen mit den Tieren vorwärts; der Wolf sei ihr dabei, zwar mit Abstand, auf den Fersen gewesen. Erst etwa eine halbe Stunde später sei das Raubtier außer Sichtweite gewesen. „Da hat meine Tochter sich aufs Pferd gesetzt und ist schnell nach Hause geritten.“

Glück gehabt, sagt Volker Ebert, dem das Jagdrevier, in dem der Wolf gesichtet wurde, gehört. Er bestätigt, dass er in den letzten Wochen mit der Wärmebild-Kamera mehrmals schon in seinem Revier Wolf-Sichtungen hatte. Gleich zwei Tiere habe er einmal gesehen, ein anderes Mal einen.

„Glücklich bin ich damit nicht“, gibt der Jäger zu. Und sagt, dass der Wolf vor allem dem Hund des Mädchens gefährlich hätte werden können. „Als Hundebesitzer würde ich zurzeit mein Tier im Wald deshalb immer anleinen; sei es mit einer Schleppleine“, empfiehlt Ebert.

„Als Hundebesitzer würde ich mein Tier im Wald anleinen.“

Volker Ebert, Jäger

Die Freude der Naturschützer darüber, dass sich der Wolf in unseren Breitengraden allmählich wieder stellenweise ansiedelt, kann Ebert nicht teilen. „Es ist gut, dass es Wölfe gibt, aber sie gehören nicht hierher. Unsere Region ist viel zu dicht besiedelt. Da kommen sich Mensch und Raubtier in die Quere, und das kann auch unangenehm werden. Vor allem auch für Landwirte mit ihren Rindern und Schafen. Wölfe sind immer noch Raubtiere; das darf man nicht unterschätzen.“

Bjarne Hörup, der Leiter des Wermelskirchener Hegerings, hält es ebenfalls nicht für unwahrscheinlich, dass es sich bei den Sichtungen um einen Wolf handelt. „In Radevormwald und in Hückeswagen ist die Anwesenheit eines Wolfes bestätigt worden, da kann er sich natürlich inzwischen auch auf Wermelskirchener Gebiet aufhalten.“ Er persönlich glaube aber nicht, dass ein Wolf hier in diesem Gebiet dauerhaft ansässig werden würde. „Ich denke, dass er weiterziehen wird“, sagt der Hegering-Leiter. „Aber Menschen, die Schafe, Ponys und Pferde auf der Weide haben, sollten diese schützen.“ Das Thema Wolf in unseren Breitengraden sei ein schwieriges Thema. „Die Schweden sind inzwischen dazu übergegangen, Wölfe zu reduzieren, damit sie nicht überhandnehmen.“

Karlheinz Pompe gilt als Wolfsbotschafter des Nabu Rhein-Berg. Er hat schon von einigen Wolfssichtungen im Rheinisch-Bergischen Kreis bis hin nach Wuppertal-Beyenburg gehört. Offiziell erfasst werden Wolfs-Nachweise vom Landesamt für Umwelt und Naturschutz - sowohl Wölfe, die nach Tierrissen durch Genproben identifiziert werden können, als auch Aufzeichnungen von Fotofallen. Bestätigte Wolfsnachweise gibt es in direkter Nachbarschaft aus Radevormwald, Hückeswagen und Wipperfürth (siehe auch Karte oben).

„Menschen sind bisher in den letzten 20 Jahren in Deutschland nicht zu Schaden gekommen, wenn sie einem Wolf begegnet sind.“ Aber einem Hund – da spricht er die Begegnung der 14-jährigen Reiterin mit dem Wolf an – könnte etwas passieren. „Die Reiterin hat sofort richtig gehandelt, ist abgestiegen und und hat den Hund angeleint“, sagt Karlheinz Pompe.

Grundsätzlich sollten Menschen, wenn sie einen Wolf sichten, stehenbleiben und Krach machen. „Wenn es zu einer Gefahrensituation kommt, geht die Eigensicherung auf jeden Fall immer vor“, sagt der Wolfsbotschafter. Auch er rechne aber damit, dass die Wölfe nur durchziehen und das Gebiet wieder verlassen, weil es für sie zu unruhig sei.

Schafhirten, Pferde- und Landwirte werden vom Staat unterstützt, wenn sie für ihre Tiere beispielsweise einen höheren Zaun bauen müssen. „Aber erst dann, wenn sie in einem Wolfsgebiet leben. „Dazu muss ein Wolf oder auch mehrere ein halbes Jahr gesichtet werden, Wolfskot muss gefunden und analysiert werden“, sagt er. „Wenn der Bereich kein Wolfsgebiet ist, dann werden sie nur für gerissene Tiere entschädigt.“

Der Wolfsbotschafter bietet an, auf Wunsch einen Vortrag zu halten. „Es ist wichtig, die Menschen aufzuklären“, sagt Karlheinz Pompe.

Kontakt

Der Nabu-Rhein-Berg-Wolfsbotschafter Karlheinz Pompe bietet an auf Anfrage einer Initiative oder eines Vereins, nach Wermelskirchen zu kommen und dort einen Vortrag zu halten. Hier die Daten, um sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Tel. (01 77) 14 30 8 40, per E-Mail: pompe@nabu-rhein-berg.de

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