Krieg in der Ukraine

135 Geflüchtete sind derzeit registriert

Vorige Woche war ein Bus mit Hilfsgütern zur polnischen Grenze gefahren und hatte auf dem Rückweg Ukrainer mitgebracht. Hier die Helfer von „Willkommen in Wermelskirchen“. Foto: Doro Siewert
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Vorige Woche war ein Bus mit Hilfsgütern zur polnischen Grenze gefahren und hatte auf dem Rückweg Ukrainer mitgebracht. Hier die Helfer von „Willkommen in Wermelskirchen“.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Die Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“ hat alle Hände voll zu tun – Der Kreis richtet einen Krisenstab ein.

Wermelskirchen. Immer mehr Menschen aus der Ukraine kommen auch im Rheinisch-Bergischen Kreis und in Wermelskirchen an. Je mehr es werden, desto größer sind die Herausforderungen für Behörden und Helfer.

Das Team der Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“ hat bereits alle Hände voll zu tun. In der Gruppe von Kriegsflüchtlingen, die wie berichtet am vorigen Freitag in der Stephanus-Gemeinde in Hilgen-Neuenhaus angekommen waren, haben viele ein körperliches oder geistiges Handicap. „Bei uns stehen deshalb jetzt viele Arztbesuche an“, sagt Dorothea Hofrogge vom Vorstand der Initiative.

Unterstützung der Bürger ist ungebrochen

Am kommenden Montag wird ein Mediziner des sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) in Remscheid vorbeischauen und einige der Kinder untersuchen. „Wir haben Kontakt zu Medizinern und Einrichtungen, aber auch zu Schulen und Kitas aufgenommen“, berichtet Jochen Bilstein von der Initiative. Und so haben sich bereits das Gymnasium, die Katholische Grundschule sowie die Martin-Buber-Schule in Leichlingen bereiterklärt, Kinder aufzunehmen und zu unterrichten. „Für diese unbürokratische Unterstützung, die wir überall erfahren, sind wir sehr dankbar“, unterstreicht Bilstein.

„Wir sehen es als humanitäre Verpflichtung, einen sicheren Zufluchtsort zu bieten.“

Stephan Santelmann, Landrat

Ein Bus mit 60 Menschen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine wird zudem am heutigen Donnerstag in der Gemeinde Hilgen-Neuenhaus ankommen. Er fährt zwar weiter nach Portugal, wo die Geflüchteten unterkommen sollen; die Stephanus-Gemeinde bietet ihnen aber für eine Nacht eine Unterkunft.

Noch sei das Aufkommen der Geflüchteten aus der Ukraine in Wermelskirchen gut zu stemmen, sagt Tanja Dehnen vom Sozialamt. Sie erwartet aber, dass der Bund bald die meist über Berlin anreisenden Ukrainer den Kommunen bundesweit zuweisen wird. „Dann müssen wir schauen, wie wir weiter planen.“ Sporthallen, wie einst, als die Flüchtlinge aus Syrien nach Wermelskirchen kamen, sollen aber bisher nicht von der Stadt zweckentfremdet werden. Das hatte Bürgermeisterin Marion Lück auch noch mal bei einer Sitzung des Stadtsportbundes betont. Meist seien die Menschen diesmal privat untergebracht. „Oft auch bei Bekannten oder Verwandten“, berichtet Tanja Dehnen.

Der Rheinisch-Bergische Kreis hat derweil aufgrund der Flüchtlingssituation am Dienstag einen Krisenstab aktiviert. Dessen Hauptaufgabe werde zunächst die Steuerung und Koordinierung der verschiedenen Aufgaben von Fachämtern sowie die Begleitung und Unterstützung der kreisangehörigen Städte und Gemeinden sein, schreibt die Kreisverwaltung dazu. Leiter des Krisenstabs ist Kreisdirektor Dr. Erik Werdel, der auch während des Fluchtgeschehens ab 2015 den Krisenstab leitete. „Der Krisenstab wird aktiviert, da derzeit ein größerer Koordinierungsaufwand anfällt und die Strukturen des Krisenstabes eine geordnete Strukturierung und Abarbeitung ermöglichen“, erklärt Werdel.

Landrat Stephan Santelmann erklärt hierzu: „Die Lage ist zurzeit sehr dynamisch. Der Rheinisch-Bergische Kreis setzt sich intensiv dafür ein, die ansässigen Kommunen zu unterstützen und Menschen, die von Krieg und Vertreibung betroffen sind, einen sicheren Zufluchtsort zu bieten. Wir betrachten das auch als humanitäre Verpflichtung.“

Informationen zur Unterbringung hält der Kreis auf seiner Internetseite vor:

https://www.rbk-direkt.de/informationen-ukraine.aspx.

Ebenfalls informiert der Rheinisch-Bergische Kreis via Facebook unter

www.facebook.com/Rheinisch.Bergischer.Kreis

Sportangebot

Der Dabringhauser Turnverein (DTV) teilt jetzt mit, dass er ganz unkompliziert sein Sportangebot für Kinder aus der Ukraine öffnen möchte. Das kommuniziert der Vorsitzende Christoph Leyhausen. „Wir haben auf der Homepage sogar in ukrainischer Sprache die Einladung ausgesprochen.“ Badminton, Fußball und auch Turnen sind die Abteilungen, in denen Kinder und Jugendliche mitmachen können.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Dass die Aufnahme der vielen Geflüchteten aus der Ukraine eine Herausforderung werden würde, war bereits klar, nachdem sich die ersten Menschenmengen aus dem Kriegsgebiet auf den Weg nach Westen machten. Was damals noch nicht klar war: dass es so viel Zusammenhalt und Engagement geben würde. Und zwar in allen Ländern der Europäischen Union. Auch in Wermelskirchen wird gerade deutlich, wie scheinbar selbstverständlich es für so viele Bürgerinnen und Bürger ist, in der Notlage zu helfen. Manchmal im Kleinen, mit Kuchenbacken oder Fahrdiensten, manchmal aber auch im Größeren, zum Beispiel mit einer Wohnung für eine oder mehrere Familien. Dieser Zusammenhalt, dieses gemeinsame Wirken ist ein unschätzbares Pfund, das wir in der Hand halten und niemals aufgeben sollten. Denn es zeigt, dass es so viel Wichtigeres gibt als Hass und Verachtung, Krieg und Vernichtung. Menschlicher Zusammenhalt zum Beispiel. Der, so wie derzeit in Europa, einfach rührend ist. Wir sollten ihn uns bewahren. Auch für jene Zeiten, in denen hoffentlich wieder Frieden herrschen wird.

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