Astrazeneca

13.000 Impftermine sind zunächst gestoppt

Impftermine werden zwar vorübergehend ausgesetzt, bleiben laut Kreisverwaltung aber bestehen. Symbolfoto: Roland Keusch
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Impftermine werden zwar vorübergehend ausgesetzt, bleiben laut Kreisverwaltung aber bestehen.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Mediziner sagt: „Das Aussetzen von Astrazeneca ist der Supergau“.

Wermelskirchen. Die schlechte Nachricht am späten Montagnachmittag: Das Bundesministerium teilte mit, dass die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff vorerst ausgesetzt werden. Zuvor hatten bereits andere Staaten die Impfungen gestoppt, wegen möglicher Nebenwirkungen des Präparats. Für Dr. Hans-Christian Meyer, den leitenden Impfarzt des Nordkreises, „erstmal der Supergau“, wie er auf Nachfrage mitteilt. Prüfungen der Europäischen Arzneimittelbehörde stünden jetzt aus. So lange dürfe niemand mehr mit dem Serum immunisiert werden. „Ich hoffe jetzt auf den Impfstoff von Johnson & Johnson und dass der in etwa zwei Wochen in Deutschland eintrifft“, bleibt Meyer dennoch optimistisch. „Der wird für uns die Wende bringen.“

Birgit Bär, Sprecherin des Krisenstabs im Rheinisch-Bergischen Kreis, berichtet, dass für die nächsten Tage und Wochen bereits 13 000 Impftermine für Impfungen mit Astrazeneca an bestimmte Berufsgruppen der Prioritätsstufe 2 vergeben worden waren. „Wir wollten jetzt richtig loslegen, vor allem mit dem Personal in Kitas und Schulen, damit die alle möglichst schnell durchgeimpft sind“, berichtet sie. Daraus wird jetzt erstmal nichts. Die Mitglieder des Krisenstabs würden jedoch hoffen, dass der Zusatz „vorerst vorsorglich ausgesetzt“ im Schreiben des Ministeriums, darauf hindeute, dass es nicht allzu lange dauere, bis die Immunisierungen mit Astrazeneca wieder aufgenommen werden könnten. „Wir wissen es aber nicht“, sagt Bär.

Bürger werden in Kürze angeschrieben

Jene Bürger und Mitarbeiter im Kreis, die bereits eine Einladung zur Impfung erhalten hätten, würden in Kürze per Mail vom Kreis angeschrieben. Bär: „Die Impftermine in fernerer Zukunft bleiben natürlich erst einmal bestehen. Und sollte ein Termin ausgesetzt werden, können sich die Betreffenden einen neuen zu einem späteren Zeitpunkt sichern.“

Die ausgesetzten Impfungen, von denen jetzt erstmal alle Unter-65-Jährigen betroffen sind, wird wohl auch die weiteren Gespräche zwischen Dr. Hans-Christian Meyer, Marion Lück und Stefan Leßenich (CDU) beeinflussen. Sie hatten sich erst am Montagabend wieder zu einem Krisengespräch zusammengefunden. Inhalt: Der Wunsch nach Impfung in den Hausarztpraxen. Zudem hat Impfarzt Dr. Hans-Christian Meyer auch immer noch nicht aufgegeben, für eine Impfung mit den sogenannten Zero-Residual-Spritzen (Null-Rest-Spritzen) zu werben. „Bis zu 1000 Impfdosen“, sagt der Wermelskirchener Hausarzt“, würde er dadurch mehr verimpfen können. Und wäre somit in der Lage, schneller und in größerer Breite zu immunisieren.

Laut Presseberichten war es der Referatsleiter für Pharmazie und Gesundheit im NRW-Ministerium, der sich vehement gegen den Einsatz der Zero-Residual-Spritzen eingesetzt haben soll. „Wir haben ihn deshalb jetzt angeschrieben, um etwas Klarheit in die Sache zu bringen“, sagt Stefan Leßenich, der seit Wochen engen Kontakt zu der Landesregierung beim Thema Impfen vor Ort pflegt. „Ich finde die Aussagen und Verhinderungen von ihrer Seite aus skandalös und sie sind für die Menschen nicht mehr nachvollziehbar“, schreibt Leßenich an den Landesapotheker. „Mehrere hundert Menschen hätten in den vergangenen Tagen zusätzlich geimpft werden können. Es ist beschämend, wie hier mit den Menschen und Ideengebern umgegangen wird. Ich bitte Sie inständig, alles dafür zu tun, damit schnellstmöglich wieder sieben Spritzen aus einem Vial entnommen werden können, um das Impfprozedere endlich zu beschleunigen.“

Ob das im Hinblick auf das Aussetzen von Astrazeneca nun noch realisierbar sein wird, bleibt fraglich. Auch Bürgermeisterin Marion Lück schlägt inzwischen kritische Töne an: „Wir waren im Nordkreis mit den Impfungen der Prioritätsgruppe 1 so flott. Und wir haben seit Wochen die Anfrage für eine Schwerpunktpraxis gestellt. Ich frage mich wirklich, warum es nicht vorangeht.“

Hintergrund

Nach Hinweisen auf mögliche Nebenwirkungen hat die Bundesregierung die Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca vorsorglich ausgesetzt. Man folge damit einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Mehr auf der Homepage des Paul-Ehrlich-Instituts

oder telefonisch bei der Bürgerhotline des Landes: Tel. (02 11) 91 19-10 01.

https://t1p.de/o8eo

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Gleichwohl die Infiziertenzahl wieder steigen, war die Hoffnung doch bei den meisten groß, dass mit zunehmenden Impfungen in naher Zukunft die Welle ein letztes Mal abflacht und dann endlich Licht am Ende des Corona-Tunnels sichtbar würde. Mit der Nachricht, dass die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff vorerst wegen gesundheitlicher Bedenken gestoppt werden, rückt diese Hoffnung wieder in weitere Ferne. Denn „in die Breite impfen“, wie Mediziner die flächendeckende Immunisierung großer Bevölkerungsgruppen gern nennen, ist nur dann möglich, wenn ausreichend Impfstoff vorhanden ist. Und der wurde auch schon unter Einsatz von Astrazeneca eher knapp gehalten, die Priorisierungslisten streng berücksichtigt. Von „in die Breite impfen“, was der geschundenen Bevölkerung immens guttun würde, keine Spur. Und nun noch ein Dämpfer, der eine ganze Gesellschaft weiter in den Wartemodus versetzt. Angesichts der steigenden Infektionszahl und der demgegenüber schwächelnden Wirtschaft sowie der angekratzten Nerven der allermeisten ein echtes Desaster. Mehr bleibt dazu kaum zu sagen.

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