Konzert

Zwei Virtuosen sorgen beim Publikum für Schnappatmung

Joscho Stephan (l.) und Kai Heumann hatten zu „Gypsyswing meets Latinguitar“ in die „Welle“ eingeladen. Foto: Roland Keusch
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Joscho Stephan (l.) und Kai Heumann hatten zu „Gypsyswing meets Latinguitar“ in die „Welle“ eingeladen.

Kai Heumann und Joscho Stephan hatten zum Gitarrenkonzert in die „Welle“ eingeladen.

Von Peter Klohs

Wenn sich zwei so profunde Kenner der akustischen Gitarre wie Kai Heumann und Joscho Stephan zu einem Konzert zusammenfinden, kann das nicht schlecht werden. Das Duo lernte sich in zahlreichen gemeinsamen Konzerten schätzen. Mittlerweile versteht man sich auf der Bühne beinahe blind, dementsprechend spärlich sind die zuweilen hilfreichen Blicke auf den Partner. Höchstens das Ende eines Solos wird durch einen schnellen Augenkontakt angekündigt.

Von der Professionalität und der Spielfreude des Duos konnten sich am Sonntagnachmittag rund 60 Gäste im Jugendzentrum „Die Welle“ an der Wallstraße überzeugen. Der 1979 in Mönchengladbach geborene Joscho Stephan, zur Zeit führende Kraft im gitarrenorientierten modernen Gypsy-Swing, hat sich in den vergangenen Jahren eine treue Fanschar aufgebaut. Dass dies nicht grundlos geschah, bewies Stephan bereits im Opener des 100-minütigen Konzertes, dem von ihm geschriebenen „Blues for Stochelo“, eine Hommage an den Kollegen Stochelo Rosenberg. Stephans Solo war gespickt mit aberwitzigen Schwierigkeiten und riskanten Läufen. Dabei vergaß er das Erzählen nie. Eine selten gehörte Mixtur aus feiner Dynamik und überraschenden Phrasierungen, der zuzuhören ungeheuren Spaß macht.

Dass Kai Heumann neben einem solchen Virtuosen nicht verblasst, liegt an seiner Vielseitigkeit. Er liebt die Latin-Rhythmen, ist aber auch in Musette, Blues, Jazz und regional geprägter Musik bewandert. Auch er ist ein Virtuose, wenn auch auf anderem Gebiet. Seine Kompositionen „Waltz of Provence“ – ein herrlicher Dreiviertel, bei dem man mittanzen möchte – und einer von Chet Atkins beeinflussten Komposition, die man sofort zu Irland gehörig identifiziert, belegen das.

Stephan bezog sich des Öfteren auf den Gottvater der Gypsy-Musik: Dem legendären Django Reinhardt und bewies in „Djangos Waltz“, dass ein Walzer durchaus swingen kann. Die einzige „echte“ Ballade des Konzertes, Reinhardts „Nuages“ endet mit einer mehrminütigen Coda des Gitarristen. Dazwischen spornten sich die beiden Musiker immer wieder zu Höchstleistungen an und hatten großen Spaß dabei. So im von Georg Shearing geschriebenen „Lullaby of Birdland“, in dem die beiden parallel solierten und frei interagierten, was im Publikum erst für Schnappatmung, dann für orkanartigen und spontanen Applaus führte.

Das „gut gealterte“ Stück „Papillon“, ein von Joscho Stephan komponierter Bolero sowie Jobims „Black Orpheus“ rundeten das Konzert ab, das mit einer irrsinnig schnellen Swingnummer endete. „Ein Qualitätspublikum weiß sich gegen das Ende eines Konzertes zu wehren“, tat Joscho Stephan gewohnt humorvoll kund, und das Publikum bewies, dass es sich ohne Frage dazugehörig fühlen kann.

Im abschließenden „Minor Blues“ bewiesen beide Musiker noch einmal ihre Klasse: Stephan durch ein fein konstruiertes, sehr langes und virtuoses Solo, bei dem er aufzeigte, wie aus einem Blues ein Latin werden kann, Heumann mit Sensibilität, herausragendem Rhythmusgefühl und der Gabe, sich in sehr viele Musikstile sofort einzufühlen.

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