Hoher Besuch

Mängel am Morsbach: Anwohner haben Angst vor neuem Hochwasser

Gipfeltreffen in der Beckeraue: Anwohner trafen sich mit Verwaltung und Politik, unter anderem den Oberbürgermeistern Schneidewind (3. v. r.) und Mast-Weisz (2. v. r.). Foto: Michael Schütz
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Gipfeltreffen in der Beckeraue: Anwohner trafen sich mit Verwaltung und Politik, unter anderem den Oberbürgermeistern Schneidewind (3. v. r.) und Mast-Weisz (2. v. r.).
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Stadtwechsel von Wuppertal nach Remscheid, Brücke und Hochwasserschutz: Das waren die Themen bei hochrangigem Besuch.

Von Andreas Weber

Remscheid. Solch hochrangige Gäste hatten die Anwohner der Straßen Beckeraue, Beckerhof, Morsbacher Berg und Morsbach noch nie auf ihrem abgeschieden gelegenen Grund und Boden. Lange am Ufer des dahin plätschernden Morsbachs im Niemandsland zwischen Remscheid und Wuppertal vergessen, erhielten sie nach dem 14. Juli 2021 Aufmerksamkeit.

Freitagnachmittag erreichte diese bei einer Ortsbesichtigung ihren vorläufigen Höhepunkt. Es ging um Stadtwechsel, eine lebenswichtige Brücke und Hochwasserschutz.

Die Oberbürgermeister von Wuppertal und Remscheid, die Kämmerer beider Städte, mehrere Verwaltungsmitarbeiter, zwei Bezirksbürgermeisterinnen und der Wupperverband dokumentierten mit ihrer Anwesenheit, dass sie die Sorgen und Wünsche der 30 Anwohner ernst nehmen.

Die Hofschaft im Morsbach, ein Randgebiet Wuppertals, möchte zu Remscheid gehören. OB Burkhard Mast-Weisz legt diesem Ansinnen keine Steine in den Weg. Im Gegenteil: „Wir haben nach der Flutkatastrophe erklärt, dass 2021 beim Wiederaufbau geholfen wird und wir uns 2022 um die Umgemeindung kümmern.“

Behelfsbrücke bringt ein Stück Lebensqualität zurück

So geschieht es gerade auf höchster Ebene in den beiden Großstädten. Mehr als der Ortswechsel drückt der Schuh aktuell beim fehlenden Bach-Übergang. Die Brücke Ulrichskotten, beim Hochwasser im vergangenen Sommer komplett aus der Verankerung gerissen, wird seit Mitte Dezember durch einen Behelf für Fußgänger ersetzt und gibt den Nutzern wenigstens ein Stück Lebensqualität zurück.

Fehlende Brücke: Beckeraue jetzt Sackgasse

„Dadurch konnten Kinder und Jugendliche in der dunklen Jahreszeit sicher zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen“, sagt Anwohnerin Nicole Stöhrer. Vorher war die Brücke für 18 Tonnen ausgelegt, als Kfz-Ausfahrt entfällt sie aber nun. Die Beckeraue ist zur Sackgasse geworden.
Dazu auch: Einigkeit beim Gipfeltreffen: Beckeraue wird umgemeindet

Die Zufahrt zu der Siedlung erfolgt von der L 216 über die Brücke Beckeraue. In einem nicht beantworteten Schreiben an die Wuppertaler und Remscheider Stadtverwaltungen hatte Nicole Stöhrer am 9. Februar daran erinnert, dass die Brücke extrem wichtig sei: „Man kann zwar über die Brücke Beckeraue zu seinem Heim gelangen, jedoch gibt es keine Ausfahrt in Ulrichskotten für Müllabfuhr, Feuerwehr, Krankenwagen. Im Moment dreht die Müllabfuhr auf einem Privatgrundstück, das dadurch immer mehr in Mitleidenschaft gezogen wird.“

Rechtsstreit mit Anwohner: Gericht muss entscheiden

Burkhard Mast-Weisz kündigte bei dem Ortsbesuch an, dass die Stadt Remscheid die Planungshoheit für die neue Brücke übernehmen werde. Zuvor müsse ein Rechtsstreit mit einem Anwohner auf Remscheider Seite in Morsbach richterlich entschieden werden. Der Anwohner will dem motorisierten Verkehr das seit Jahrzehnten bestehende Wegerecht verweigern.

Permanente Angst haben die Anwohner in der exponierten Tallage vor erneutem Hochwasser. Sie wiesen die beiden Vertreter des Wupperverbandes, Georg Wulf (Vorstand) und Thomas Klein (Leiter Technik und Flussgebietsmanagement) auf Mängel hin, die einen erneuten Übertritt forcieren könnten.

So liege viel Schotter im Bach, viel Müll, zum Beispiel in Engelskotten und außerdem, bemerkte Silke Maczewski, könne freigespültes Wurzelwerk zur Zeitbombe werden, wenn bei weiteren Unwettern Bäume mitgerissen werden und sich Staudämme bilden.

Wir hatten nach der Flut über 800 Stellen mit Schäden.

Georg Wulf, Wupperverband

Georg Wulf bat um Geduld: „Wir hatten nach der Flut über 800 Stellen mit Schäden, versuchen sie so schnell wie möglich abzuarbeiten.“

Zwar war der Wupperverband auch mit einem Bagger vor Ort und die Anwohner haben auf einem Teilstück den Bach in Eigeninitiative gesäubert, gleichwohl reicht dies nicht. Mast-Weiz wies daraufhin, dass in der nächsten Sitzung des Bergisches Rates am 20. Mai der Wupperverband dezidiert zum zukünftigen Hochwasserschutz Stellung beziehen werde.

Sackgasse

Früher konnten sie an der anderen Seite 400 Meter weiter rausfahren, jetzt endet die Beckeraue, ein Abzweig von der Landstraße 216 (Morsbachtalstraße) als Sackgasse. Wenden ist kaum möglich, Rückwärtssetzen auf dem engen Weg eine Kunst. Wuppertal und Remscheid sind sich einig, dass es in Ulrichskotten eine neue Brücke für den motorisierten Verkehr geben muss. Erste Schätzungen gehen von 500.000 Euro aus.

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