Nach Bericht

Zuckerschock im Bus: RGA findet den Lebensretter

Eine Notsituation hat sie zusammengebracht: Lothar Schwengbeck (rechts) und sein Retter Volker Afflerbach sind nun Freunde. Auch Schwengbecks Enkel Luca (12) ist froh, dass sein Opa nun wieder zu Hause ist. Er hat ihn regelmäßig im Krankenhaus besucht. Foto: Roland Keusch
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Eine Notsituation hat sie zusammengebracht: Lothar Schwengbeck (rechts) und sein Retter Volker Afflerbach sind nun Freunde. Auch Schwengbecks Enkel Luca (12) ist froh, dass sein Opa nun wieder zu Hause ist. Er hat ihn regelmäßig im Krankenhaus besucht.
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Lothar Schwengbeck bedankte sich am Freitag bei seinem Schutzengel Volker Afflerbach – Die Männer sind Freunde geworden.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Der Tüpitter hat den Lebensretter von Lothar Schwengbeck gefunden. Der 62-jährige Remscheider erlitt vor zwei Wochen einen Zuckerschock, als er mit dem Bus der Linie 655 in Richtung Friedrich-Ebert-Platz unterwegs war. An jenem Mittwoch hatte er einen Schutzengel dabei: Volker Afflerbach. Der 58-jährige Wuppertaler, der nur zu Besuch in Remscheid und ebenfalls auf dem Weg in die Innenstadt war, reagierte blitzschnell, als Lothar Schwengbeck vom Notsitz kippte: Er verabreichte dem Bewusstlosen Notfall-Spritze. Am Freitag trafen sich die Männer vor dem Stadtwerke-Gelände an der Neuenkamper Straße. Lothar Schwengbeck und sein Enkel Luca (12) bedankten sich nicht nur beim Lebensretter, sondern auch beim RGA.

„Ich bin froh, dass es ihn in diesem Moment gab – und sich überhaupt jemand um mich gekümmert hat“, sagt Lothar Schwengbeck, dem es nach einer Woche samt MRT und Blutuntersuchung im Sana-Klinikum wieder besser geht. Denn das bemängeln beide Männer: Zivilcourage ist heutzutage offenbar ein seltenes Gut. „Keiner hat sich bewegt, als er umgefallen ist. Eine Frau meinte sogar noch, er sei sicher betrunken“, ärgert sich Volker Afflerbach über solche Äußerungen in einer Notsituation. „Ich war richtig sauer. Einer Frau, die sich aufregte, habe ich auch später noch etwas zu ihrem Verhalten gesagt.“

Der 58-Jährige verteidigte den Kollabierten und bat die ungeduldigen Fahrgäste um Verständnis. Denn die forderten, der Bus solle doch endlich weiterfahren. Gemeinsam mit Busfahrer Michael Peucker (55) versorgte Afflerbach den hilflosen Lothar Schwengbeck. Die anderen Fahrgäste wechselten in einen nachfolgenden Bus, den Michael Peucker angehalten hatte. Die 655 mit dem Notfallpatienten an Bord blieb stehen.

Glück im Unglück: Volker Afflerbach ist nicht nur selbst Diabetiker, sondern hat auch eine Sanitäterausbildung durchlaufen und zuletzt im Diabeteszentrum in Haan gearbeitet. „Erst habe ich seinen Puls gefühlt, aber er hatte nichts am Herzen. Dann habe ich seine Tasche gesehen – doch der normale Glukagonstift war leer. Zum Glück war noch ein Notfall-Glukagon drin, das habe ich ihm in den Bauch gespritzt“, erzählt der gelernte Handelsfachpacker von jenem 3. Juni gegen 10 Uhr. „Wäre der auch leer gewesen, hätte ich Trick 27 angewandt: Ich hätte ihm mein Notfall-Set gespritzt.“ Denn auch er verlässt das Haus nie ohne seine kleine Umhängetasche samt Spritze.

Der besagte Moment sei für ihn wie ein Einsatz abgelaufen. „In so einer Situation darf man nicht aufgeregt sein, sonst macht man Fehler.“ Den Ablauf einer Ersten Hilfe habe er schließlich einmal gelernt. Beide Männer plädieren dafür, dass möglichst jeder seine Kenntnisse auffrischen sollte.

„Ich bin noch einer von der Generation, für die es selbstverständlich ist, zu helfen.“
Volker Afflerbach

Als Glücksengel, wie Lothar Schwengbecks Freunde den Wuppertaler nennen, sieht sich Afflerbach indes nicht. „Ich bin noch einer von der Generation, für die es selbstverständlich ist, zu helfen.“

Den Suchaufruf las er zufällig, als er in seinem Smartphone die RGA-Internetseite aufrief. „Da dachte ich mir: Den Mann auf dem Bild kenne ich doch“, sagt der Wuppertaler über Lothar Schwengbeck. Und merkte, dass er der Gesuchte war. Sofort habe er seiner Lebensgefährtin, die im Südbezirk lebt, amüsiert erzählt: „Die haben mich 13 Jahre jünger gemacht.“ Volker Afflerbach nahm Kontakt zum RGA und zu Lothar Schwengbeck auf. Nun wollen die Männer gemeinsam mit Afflerbachs Lebensgefährtin einen Kaffee trinken gehen. „Es ist eine Freundschaft entstanden“, freut sich Lothar Schwengbeck.

Diabetologie

Hilfe in Remscheid: Wer an Diabetes leidet oder sich testen lassen möchte, kann sich im Medizinischen Versorgungszentrum des Sana-Klinikums beraten lassen. Die diabetologische Versorgung übernimmt die Fachärztin für innere Medizin, Diabetologin Bettina Harmeyer, Alleestraße 105-107. Kontakt: Tel. 46 51 40.

Kontakt zum Diabeteszentrum in Haan: (0 21 29) 9 29-4 28 78.

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