Die Woche von Axel Richter

Würden wir anders reagieren?

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    VonAxel Richter
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Die Menschen in Heinsberg und Gütersloh haben die Erfahrung früh in der Krise gemacht: Als Bewohner eines Corona-Hotspots waren sie in anderen Regionen Deutschlands und Nordrhein-Westfalens nicht mehr gern gesehen.

Zu groß war die Sorge davor, dass die Heinsberger und Gütersloher das Virus in sich tragen und weiter verbreiten. Hotels empfahlen ihnen deshalb, im Interesse der anderen Hotelgäste von der Anreise abzusehen, und wer sich doch mit einem Autokennzeichen HS für Heinsberg und GT für Gütersloh in andere Städte wagte, der wurde mitunter schief angesehen.

Viele Remscheider machen nun ähnliche Erfahrungen. Jens Nettekoven zum Beispiel. Der Corona-Grenzwert von 50 Infektionsfällen auf 100 000 Einwohner war in seiner Heimatstadt Remscheid gerade überschritten worden, da wurde dem CDU-Landtagsabgeordneten auf Besuch in Frankfurt empfohlen, sein Auto mit RS-Kennzeichen besser in der Tiefgarage zu parken. Und nicht vor dem Hotel, in dem er ein Zimmer gebucht hatte.

Weniger unterschwellig machen die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ihre Vorbehalte deutlich. Mit strengen Reisebeschränkungen haben sie Remscheidern den Besuch nahezu unmöglich gemacht, beziehungsweise verboten. In NRW wiederum ist eine Reha-Einrichtungen zu dem Entschluss gelangt, einer Patientin aus Remscheid einen späteren Behandlungsbeginn anzuempfehlen.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz erneuerte in dieser Woche seine Kritik an einer Stigmatisierung der Remscheider Bürger. Trotz des Infektionsgeschehens seien nicht alle Bürger seiner Stadt unter Generalverdacht zu stellen.

Damit hat das Stadtoberhaupt recht. Einerseits. Andererseits ist es nur allzu menschlich, und deshalb auch uns selbst nicht fremd, mit Personen, die möglicherweise ein Risiko in sich tragen, wenig bis nichts zu tun haben zu wollen.

Mit den Beschränkungen müssen und können wir leben. Schwerer als eine Reise, die nicht angetreten werden kann, wirkt ohnehin die Zurückweisung, die wir damit erfahren. Das mögen wir als Betroffene gerade jetzt für moralisch verwerflich erachten. Die Frage bleibt, ob wir im umgekehrten Fall anders reagieren würden.

TOP Verstärkung: 10 Bundeswehrsoldaten unterstützen das Gesundheitsamt im Kampf gegen Corona. Remscheid heißt die Einsatzkräfte dankbar willkommen.

FLOP Verstimmung: Weil eine Schule saniert werden muss, laufen Lenneper Grundschüler seit drei Monaten zwischen zwei Gebäuden hin und her. An der Schule aber tut sich nichts.

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