Workshop: Binnen einer Stunde ist die Orgel fertig gebaut

Orgelbaukurs in der Lutherkirche: Kantorin Ursula Wilhelm (rechts) leitete den Workshop.
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Orgelbaukurs in der Lutherkirche: Kantorin Ursula Wilhelm (rechts) leitete den Workshop.

Kirchenmusikerin Ursula Wilhelm zeigte Teilnehmerinnen in der Lutherkirche, wie ein Organetto aus Holz entsteht - Von den Tasten bis zu den Pfeifen.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die Tradition des Eigenbaus von Musikinstrumenten ist hauptsächlich bei sich unersetzlich wähnenden Rockgitarristen zu beobachten, die ihren Namen gerne auf den Gitarren, die sie spielen, lesen wollen. Dass man aber Instrumente bauen will, um deren Funktionsweise zu verstehen, ist eher selten anzutreffen. In einem Workshop am Sonntagmittag zeigte die Remscheider Kirchenmusikerin Ursula Wilhelm in der Lutherkirche, wie man eine kleine Orgel, ein Organetto, baut.

Für die fünf Teilnehmerinnen des Workshops liegen die vorgefertigten Teile der Orgel bereit. Zu erkennen sind die Orgelpfeifen und lange, dünne, aus Holz gefertigte Geräte mit Widerhaken. Alles andere bleibt vorerst unbekannt. Das Grundgerüst für die zu bauende Orgel ist rund einen Meter lang und etwas mehr als 40 Zentimeter breit. So groß wird das Organetto werden.

Der Bau beginnt mit dem Sortieren und Einfügen der 27 Tasten, die nummeriert sind, was die Arbeit erleichtert. 27 Töne haben wir zur Verfügung, mehr als zwei Oktaven.

Die fertige Tastatur wird in das Grundgehäuse eingepasst und festgeschraubt. Selbst die Schrauben sind aus Holz. Jetzt werden Orgelteile benötigt, deren Namen man noch nie gehört hat: Ein Wellenbrett gehört dazu, was dafür sorgt, dass man um die Ecke bauen kann. „Nicht jede Pfeife ist direkt zu erreichen“, weiß die Kantorin. Ebenso ist ein Windkanal unabdingbar. „Schließlich benötigen wir Luft, damit aus den Orgelpfeifen später Töne zu hören sind.“ Und die Abstrakten sind wichtig, die die Orgelpfeifen schließen oder öffnen. „Hätten wir die nicht, würden immer alle Töne gleichzeitig erklingen, und das wollen wir nicht“, erklärt Ursula Wilhelm.

Das Einbringen der Abstrakte - das sind die Holzstücke mit den Widerhaken - ist eine filigrane Arbeit, aber so langsam gewöhnen sich die orgelbauenden Frauen daran, und nach drei Minuten geht es zügiger voran. Durch die Abstrakten können sie die Tasten bedienen, die vorher starr waren. Die Tasten liegen nicht alle gleich hoch. „Das wäre jetzt die Arbeit des Orgelbauers“, erläutert die Kantorin.

Der Pfeifenstock wird eingesetzt. Er gibt die Position der 27 Orgelpfeifen vor und wird festgeschraubt. Extrem wichtig ist das Hinzufügen von zwei Blasebälgen, die für die nötige Luft – oder in der Sprache der Musiker: für den Wind – sorgen und schräg zum Grundgehäuse angebracht werden. Ein auf ihnen montiertes Gewicht hält den Luftdruck konstant.

Als Abschluss werden die Pfeifen montiert, die größte, eine C-Pfeife, steht in der Mitte. Die Öffnung der Pfeifen weist stets von der Orgel weg, weil ansonsten Turbulenzen oder unsaubere Töne entstehen könnten. Je mehr Pfeifen hinzugefügt werden, desto mehr sieht die fast fertige Orgel aus wie die Sagrada Familia in Barcelona, wie eine moderne Kirche. Ursula Wilhelm hilft beim Hinzufügen der Orgelpfeifen. „Das ist eine fis-Pfeife“, sagt sie und weist auf die Stelle, wo diese hingehört.

Malheur ist nicht tragisch:Orgel spielt auch ohne das „b“

Nach einer Stunde ist das Organetto fertig und spielbereit. Erste Prüfungen mit den Blasebälgen ergeben, dass ein Ventil undicht ist und einen Dauerton erzeugt: ein b. Die Kantorin versucht, das Malheur zu beheben, vergebens, was zur Entfernung der entsprechenden Pfeife sorgt. „Das b brauchen wir nicht“, erklärt sie. Sie spielt auf der selbst zusammengebauten Orgel, und es klingt wie das, was es ist: eine kleine Variante einer Kirchenorgel, nicht mit deren Volumen, Tonkraft oder Registern, aber der Klang ist deutlich als der einer Orgel zu erkennen. Zum Schluss spielt sie „Ich singe dir mit Herz und Mund“ und der kleine Chor der Teilnehmenden singt dazu.

Workshop als stetiges Angebot

Der Orgelbauworkshop ist ein stetiges Angebot der evangelischen Landeskirche. Das von den Teilnehmerinnen gebaute Organetto wird wieder auseinander genommen und geht dann zu einer Kölner Gemeinde.

Die größte spielbare Orgel der Welt steht über sieben Etagen in einem amerikanischen Kaufhaus. Die kleinste spielbare Orgel stammt aus Deutschland und ist so groß wie eine Streichholzschachtel.

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