Handel

Wochenmärkte in Remscheid kämpfen ums Überleben

Der Wochenmarkt am Theodor-Heuss-Platz ist mit Abstand der größte in Remscheid: Mittwochs gibt es allerdings weniger Marktstände als samstags.
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Der Wochenmarkt am Theodor-Heuss-Platz ist mit Abstand der größte in Remscheid: Mittwochs gibt es allerdings weniger Marktstände als samstags.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Zahl der Beschicker ist rückläufig – Kundenzuspruch hat nach Corona-Umsatzboom ebenfalls abgenommen.

Remscheid. Anfang des Jahres verabschiedete sich der letzte Stand vom Richard-Lindenberg-Platz. Der Obst- und Gemüsehändler zog einen anderen Standort außerhalb Remscheids vor. Seither ist der Hasten freitags ohne Wochenmarkt. Auch an den anderen fünf Standorten in dieser Stadt ist das Angebot rückläufig. Die festen Beschicker nehmen ab.

In Lennep diskutierte die Bezirksvertretung unlängst, wie es mit dem dortigen Wochenmarkt weitergeht. Der Mittwoch-Termin ist gestrichen, auch beim Samstag gibt es Unmut. Denn für die sommerlichen Feste musste der Wochenmarkt aus der Altstadt zum Rosengarten gegenüber vom Hardtpark verlegt werden. Die Lage passte nicht jedem, obendrein gab es Probleme mit der Stromversorgung. Einmal verschwand das lange Kabel, dann wurde der Stromkasten von Vandalen beschädigt. Constanze Mandt, beim Stadtmarketing für die Organisation der Märkte zuständig, sieht Handlungsbedarf. „Ich werde mich noch in diesem Jahr mit den Anbietern zusammensetzen, eine Bestandsaufnahme machen, klären, wo der Schuh drückt.“

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Lüttringhausen: Fischhändler steht allein auf weiter Flur

Mit dem Geflügelhof Kempe, der Landmetzgerei Lattner, Obst und Gemüse Sass sowie Blumen Baum hat Lennep vier feste Verkaufsstände. Im Südbezirk am Johann-Vaillant-Platz stehen donnerstags morgens nur zwei Anbieter, in Lüttringhausen ist der Fischhändler dienstags am Rathaus allein auf weiter Flur. An den beiden Tagen auf der unteren Allee stellen sich freitags drei Daueranbieter auf plus Tagesbeschicker, dienstags sind es weniger. Am meisten los ist auf dem Theodor-Heuss-Platz.

Mittwochs und samstags sind dort noch 16 feste Anbieter auf der Liste des Stadtmarketings. Die Fläche vor dem Rathaus könnte freilich wesentlich mehr vertragen. Gärtnermeister Torsten Höpken kennt noch die Zeiten, als die Märkte im Herzen der Stadt ein Magnet waren. Seine Familie beliefert die Kundschaft seit Jahrzehnten mit Blumen. Der Niedergang der Wochenmärkte sei eine komplexe Geschichte, sagt der 48-jährige Burscheider. Generell gäbe es fast überall rückläufige Tendenzen, nicht nur in Remscheid. Märkte wie in Wermelskirchen oder Lüdenscheid würden funktionieren, Remscheid aber nur bedingt.

Das liege zum einen an der Organisation, die städtischerseits verbesserungswürdig sei. „Oft werden wir zum Beispiel über Überlegungen der Märkte kurzfristig und als Letzte informiert. Das darf nicht sein, bringt bei manchen Kollegen das Fass zum Überlaufen und führt dazu, dass sie nicht mehr kommen“, nennt Höpken einen Kritikpunkt. Wichtig sei auch, ob die Einkaufsstruktur einer Innenstadt noch funktioniere. Auch da hat Remscheid enorme Defizite. Nachdem die Corona-Zeit für die Händler eine Boomzeit war, die zwar nicht mehr Anbieter zu den Wochenmärkten lockte, aber die Umsätze steigerte, nimmt der Zuspruch wieder ab.

Inflation und Energiekrise sorgen für kostenbewussteres Einkaufen. Torsten Höpken verweist auch darauf, dass die Supermärkte längst ihre eigenen Frischetheken und -produkte hätten. Zudem nehme der Onlinehandel zu, das Durchschnittsalter der Käufer läge bei weit über 55 Jahren.

Höpken hält es zudem für unglücklich, wenn sich Kollegen bei ihren Urlaubsplanungen nicht absprechen: „Wenn dann beide Metzgereien beim Wochenmarkt fehlen, gibt das beim Kunden kein gutes Bild ab.“ Ein weiteres Problem sei der Personalmangel, verbunden mit der Übergabe im Alter. „Es gibt viele Besitzer, die keinen Nachfolger finden.“

Ein Patentrezept, um den Abwärtstrend aufzuhalten, kennt Höpken nicht. Ebenso wenig wie Constanze Mandt. Die hat in ihrem Büro Muster für Obstnetze und Eierboxen liegen, die im Design „Unser Remscheid - unsere Wochenmärkte“ das Verbundenheitsgefühl stärken sollen. Wenn es die Zeit erlaubt, soll die Werbemaßnahme auf den Weg gebracht werden.

Fünf Wochenmärkte im Überblick

Folgende Wochenmärkte (7 bis 13 Uhr) gibt es noch in Remscheid: Theodor-Heuss-Platz mittwochs und samstags; Johann-Vaillant-Platz donnerstags; untere Alleestraße dienstags und freitags (freitags bis 16 Uhr); Lüttringhausen dienstags; Lennep am Alten Markt samstags. Die Entgeltordnung sieht beispielsweise am Theodor-Heuss-Platz pro Tag und laufenden Meter 3,60 Euro vor, Dauerbeschicker 25 Prozent weniger.

Standpunkt von Andreas Weber: Bio gibt es jeden Tag

andreas.weber@rga.de

Die treuen Marktbeschicker erinnern sich an die goldenen Zeiten, als der Wochenmarkt vor dem Rathaus ein Treffpunkt war, bei dem alle zum Einkaufen und Klönen zusammenströmten. Als die Verkaufswagen dicht gedrängt ab 6 Uhr morgens standen, so wenig Platz lassend, dass sie am Ende nur langsam der Reihe nach die Fläche verlassen konnten. Als sieben Blumenhändler nebeneinander ihre Waren anboten.

Wochenmärkte als Einkaufsmagnet funktionieren vielerorts nicht mehr. Die großen stationären Mitbewerber der Markthändler haben sich eingestellt auf das, was gefragt ist. Regionales, frisches Essen wird in allen Supermärkten angeboten. Wer Bio will, muss nicht mehr auf einen Tag in der Woche warten, um an der frischen Luft seine Küche mit lokalen Produkten aufzufüllen.

In Hasten gehört der Wochenmarkt schon der Vergangenheit an. Zu befürchten steht, dass weitere Stadtteile folgen.

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