Mein Blick auf die Woche in Remscheid

Von Bilderstürmern, Glühwein und einem Ex-General

axel.richter@rga.de
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In Lennep sorgt ein Klettermaxe dafür, dass die Cragg-Stele vorübergehend wieder verschwindet. Jene, die alles vorher und mindestens besser wissen, haben so etwas natürlich vorausgesehen. Dabei ist die glänzende Kunst eine Bereicherung für Lennep, findet RGA-Lokalchef Axel Richter. Die Weihnachtsmarktbesucher in Alt-Remscheid müssen dagegen einen echten Verlust erleiden.

Remscheid. Die Cragg-Stele muss nochmal aus Lennep verschwinden, weil ein Klettermaxe auf ihr herumgekraxelt ist. Jene, die immer alles schon vorher und mindestens besser wissen, sehen sich bestätigt. Hatten sie nicht gleich gesagt, dass das glänzende Kunstwerk alsbald dem nächstbesten Bilderstürmer anheim falle? Und überhaupt: So etwas passt ja auch gar nicht nach Lennep. Schiefer wäre besser gewesen, schrieb einer im Internet.

Schiefer gab es aber nicht, sondern glänzenden Edelstahl - geformt vom Künstler Tony Cragg und finanziert von Spendern und Sponsoren. Das geschwungene Werk, das den Pilgerweg nach Santiago de Compostella aufgreift, steht in Form und Farbe im Kontrast zur Lenneper Altstadt. Deshalb wird es ein echter Hingucker sein und Lennep bereichern. Übrigens auch, indem die Betrachter sich mit dem Werk auseinandersetzen und sich bildlich gesprochen daran reiben. Nur hinaufklettern sollten sie eben nicht.

Während Lennep um ein Kunstwerk reicher wird, muss Alt-Remscheid einen Verlust verkraften. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) verabschiedet sich mit ihrer Glühweinhütte vom Weihnachtsmarkt vor dem Remscheider Rathaus.

Die Awo-Hütte besaß so etwas wie Kultcharakter, war Treffpunkt für die Vereine, deren Mitglieder sich an manchen denkwürdigen Abend in der Vorweihnachtszeit erinnern. Die Awo nennt Altersgründe für den Rückzug. Die Ehrenamtler sind in die Jahre gekommen, nur wenige Junge wollen sich auf dem Weihnachtsmarkt hinter die Theke stellen.

Doch es gibt auch ein hausgemachtes Problem. Die schöne neue Holzhütte, den die Awo sich und ihren Gästen vor Jahren gönnte, zeigte einen gewichtigen Nachteil: Die Ehrenamtler wussten ihn selbst nicht aufzubauen und mussten dafür eine teure Fachfirma engagieren. Am Ende blieb danach nur wenig in der Kasse übrig. Die Awo-Glühweinhütte lohnte sich nicht mehr.

Manchmal ist weniger eben doch mehr. Glaubt man dem ehemals ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr gilt das auch mit Blick auf die Waffenlieferung Deutschlands an die Ukraine.

Die Bundesregierung solle keine Waffen liefern, „die es der Ukraine erlauben, russisches Territorium anzugreifen“, erklärte General a.D. Harald Kujat in dieser Woche im RGA-Interview. „Und schon gar nicht solche Waffen, durch die ein Nuklearkrieg entstehen könnte.“ Kujat setzt auf einen Frieden infolge von Verhandlungen und sieht auf dem G20-Gipfel in Bali Mitte November die Gelegenheit dazu.

Das und der Umstand, dass der einstige Generalinspekteur, der auch Vorsitzende des Nato-Militärausschusses sowie des Nato-Russland-Rates war, dem Westen eine Mitschuld am Krieg und dem neuen Ost-West-Konflikt gibt, macht ihn zu einem umstrittenen Gesprächspartner. Dass die AG 60 plus in der SPD Remscheid ihn dennoch zum Gespräch nach Remscheid einlud, ist insofern ebenso bemerkenswert wie richtig.

Der Mann ist kein „Putin-Versteher“, zu dem neuerdings jeder abgestempelt wird, der für den völkerrechtswidrigen Krieg nach einer Exitstrategie fragt. Und mit den Verwirrten, die donnerstags wieder pöbelnd durch die Remscheider Innenstadt irrlichtern, hat der Ex-Militär schon gar nichts zu tun. Schließlich versteht der Mann etwas von den Dingen, über die er spricht.

TOP Schneller zum Führerschein: Der Tüv prüft nun auch samstags.

FLOP Zur falschen Zeit am falschen Ort: Keiner mag die Fußball-WM zeigen.

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