Die Woche in Remscheid

Wo bleibt der Werkzeug-Store, wo die Werkzeugmesse?

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Der Einzelhändler zahlt 20 Prozent der Miete, den Rest teilen sich Stadt und Land: Mit solchen Deals will Remscheid der Verödung der Innenstadt begegnen. Das Geld ist gut angelegt, findet RGA-Lokalchef Axel Richter. Allerdings brauche es auch mehr privates Engagement, um die Innenstädte zu retten. Richter fragt: Was hält die berühmte Remscheider Werkzeugindustrie eigentlich davon ab, einen Werkzeug-Store auf der Allee aufzumachen? Und: Warum gibt es in der Werkzeugstadt Remscheid nicht längst eine Werkzeugmesse?

Remscheid. Joachim Bollongino füllt einen schäbigen Leerstand, Der Inhaber des Modeladens 5th Avenue baut in der Alleestraße 32 seinen Internetshop aus. Für das Ladenlokal zahlt er lediglich 20 Prozent der Miete. Den Rest teilen sich Stadt und Land.

Von dem Deal gegen die weitere Verödung der Innenstadt berichtete in dieser Woche die bei der Beseitigung von Leerständen nicht eben erfolgsverwöhnte Wirtschaftsförderung. Sie kämpft gegen einen bundesweiten Abwärtstrend: Bis zu 50 000 Geschäfte könnten nach Corona dauerhaft schließen, befürchtet der Einzelhandelsverband. Das Virus wirkt dabei nur als Beschleuniger einer Entwicklung, die aufgrund des wachsenden Onlinehandels schon im vollen Gange war. Die Folge ist ein Ladensterben, wie es sich in Remscheid seit Jahren schmerzlich mitverfolgen lässt.

Eine andere, ebenfalls nicht unbekannte Stadt, macht vor, wie dem begegnet werden kann: Paris. Dort kämpfen die Verantwortlichen bereits seit 2004 mit einem ehrgeizigen Revitalisierungsplan gegen die Verödung der Arrondissements, indem verlassene Geschäfte aufgekauft, zu günstigeren Konditionen vermietet und Einzelhändler mit digitalen Start-ups zusammengebracht werden.

Nun geht auch Remscheid diesen Weg. Der kostet Geld. 800.000 zahlt die Stadt für den Erwerb der Sinn-Leffers-Ruine. Noch einmal die gleiche Summe wird für ihren Abriss fällig. Danach soll zunächst eine Grünfläche dort entstehen, später ein Treffpunkt mit Cafés und Bibliothek. Die Stadt wird weitere Gebäude kaufen (müssen), um die Innenstadt vor dem Niedergang zu bewahren. Doch dazu bedarf es auch privaten Engagements.

In Solingen bauen sie an einer Gläsernen Werkstatt, in der es selbstverständlich auch die Klingen zu kaufen geben wird, für die Solingen weltberühmt ist. Was hält eigentlich die nicht minder berühmte Remscheider Werkzeugindustrie davon ab, einen gemeinsamen Werksverkauf auf der Alleestraße aufzumachen? Und: Warum gibt es in der Werkzeugstadt Remscheid eigentlich nicht längst eine Werkzeugmesse?

Auch das wäre eine Aufgabe für die Wirtschaftsförderung. Denn auch Events, bei denen Lokalkolorit übrigens gar nicht groß genug geschrieben werden kann, zahlen am Ende auf das Konto „Lebenswerte Innenstadt“ ein.

Davon ist die Alleestraße noch weit entfernt. Mittlerweile aber werden die ersten Schritte in die richtige Richtung unternommen. Jetzt bedarf es nur noch ein paar weiterer Bollonginos, die auf diesem Weg mitgehen.

TOP Kirmes: Remscheider freuen sich über die Wiederkehr.

FLOP Hackenberg: Neuer Streit um die Zukunftspläne.

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