Leitstelle

So wird ein Notruf richtig abgesetzt

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Auf sechs Bildschirmen koordiniert der Disponent in der Feuerwehrleitstelle bei einem medizinischen Notfall, einem Unfall oder Brand alle weiteren Schritte. Ist ein Leben in Gefahr, coacht er den Anrufer in Erster Hilfe.

Die Technik ist neu, erst 2013 ist die Leitstelle der Feuerwehr Remscheid erneuert worden. Doch der Mensch in der Schaltzentrale für den Rettungsdienst und die Brandbekämpfer ist mindestens genauso wichtig.

Von Axel Richter

Wer dort sitzt, die Anrufe von Hilfesuchenden entgegen nimmt, die relevanten Informationen herausfiltern und an seine Kollegen weitergeben muss, der trägt eine große Verantwortung. Von ihm hängt es ab, wie schnell und wie gut vorbereitet die Helfer vor Ort erscheinen. Deshalb ist er nicht nur speziell geschult, er folgt auch einem festen Schema bei der Anrufannahme und coacht zur Not auch den Anrufer in Erster Hilfe. Wer möchte, dass die Rettungsprofis dennoch schnell vor Ort sind (und wer will das nicht?), der sollte vor allem eins: dem Disponenten in der Leitstelle genau zuhören und seine Fragen möglichst detailliert beantworten. Das will er wissen:

Wo ist es passiert? 

„Das ist die wichtigste Information, die wir brauchen“, sagt Thorsten Bußmann, Chef der Feuerwehrleitstelle bei der Berufsfeuerwehr im Gewerbegebiet Ueberfeld. Dazu gehören der Stadtteil, die Straße und die Hausnummer. „Ist man auf der Autobahn unterwegs oder auf einer Straße, deren Namen man nicht kennt, ist die Fahrtrichtung wichtig“, sagt Bußmann. „Der Mann in der Leitstelle fragt im Zweifel nach, was der Anrufer sieht, um den Einsatzort möglichst genau einzugrenzen.“ Denn je genauer die Ortsangabe ist, desto weniger Zeit verbringen die Helfer mit der Suche.

Was ist passiert? 

Handelt es sich um einen Verkehrsunfall oder einen medizinischen Notfall? Um ein qualmendes Auto oder brennt eine Firma und sind sogar Gefahrgüter im Spiel? Die Feuerwehr braucht möglichst genaue Informationen über das Ereignis und die Folgen. Danach entscheidet sie, in welcher Stärke und mit welchen Einsatzmitteln sie ausrückt. Befinden sich zum Beispiel noch Menschen in einem brennenden Gebäude, fahren die Helfer in anderer Einsatzstärke zum Einsatzort an als im Falle eines schwelenden Containerbrandes.

Wie viele Verletzte gibt es? 

Bei größeren Unfällen reicht die Schätzung. Besser ist es, die Feuerwehr erhält genaue Informationen darüber, wie viele Menschen verletzt oder erkrankt sind. Danach entscheidet es sich, wie viele Rettungsfahrzeuge und Notärzte gebraucht werden. Und ob allein das Sana-Klinikum die Menschen weiterbehandeln kann oder ob weitere Kliniken angefragt werden müssen. Sind Kinder unter den Verletzten, ist auch das Alter eine wichtige Information. Zwar sind alle Rettungsfahrzeuge in Remscheid kindgerecht ausgestattet. Dennoch hilft die Information den Notärzten, sich entsprechend auf die Situation einzustellen.

Welcher Art sind die Verletzungen? 

Sind die Menschen ansprechbar oder bewusstlos? Haben sie das Unfallauto verlassen können oder sind sie im Unfallwagen eingeklemmt? Auch hier gilt: Je mehr Informationen die Helfer bekommen, umso effizienter laufen die Rettungsarbeiten. Um Leben zu retten, wird der Mann in der Leitstelle dem Anrufer per Telefon sagen, was zu tun und was zu lassen ist. „Niemand, der an einem Unfall vorbeikommt, muss deshalb Angst davor haben, nicht zu wissen, was zu tun ist“, sagt Thorsten Bußmann. „Der Disponent coacht den Anrufer per Telefon in Erster Hilfe. In dem Fall kann er gar nichts falsch machen.“

Wer meldet das Ereignis? 

Bei aller Aufregung sollte der Anrufer nicht vergessen, seinen Namen zu nennen, eine Rückrufnummer zu hinterlassen und danach auch wieder ans Telefon zu gehen, wenn er angerufen wird. Zudem sollte der Anrufer am Einsatzort auf die Helfer warten und sie dort einweisen. Auf noch eine Kleinigkeit wird der Mann in der Feuerwehrleitstelle den Anrufer immer hinweisen, wenn der von Zuhause angerufen hat: „Wenn es an Ihrer Haustür klingelt, dann öffnen Sie die Tür. Es ist die Feuerwehr.“ Andere Menschen, die an der Autobahn zum Zeugen eines Unfalls geworden sind, bekommen andere Ansagen: „Ziehen Sie Ihre Warnweste an und begeben Sie sich hinter die Leitplanke.“ 

Wir sind unterwegs zu Ihnen. 

Generell gilt: Der Mann in der Leitstelle beendet das Gespräch. Der Anrufer sollte mithin nicht vorzeitig auflegen, sondern alle Fragen abwarten. Denn noch während telefoniert wird, sind die Einsatzkräfte im Notfall bereits alarmiert und rücken aus. Binnen acht Minuten müssen sie am Einsatzort sein – das ist die in Nordrhein-Westfalen geltende gesetzliche Hilfsfrist. Sie reicht vom Anruf bis zum Eintreffen der Helfer vor Ort. Lediglich in den Randbereichen der Stadt darf sie gerissen werden.

EINSÄTZE 2014

NOTRUFE Im vergangenen Jahr gingen in der Remscheider Feuerwehrleitstelle Auf dem Knapp im Gewerbegebiet Ueberfeld rund 130 000 Anrufe ein. Davon waren rund 48 000 Notrufe. Bei der Hälfte davon handelte es sich um falschen Alarm. Rund 15 000 Mal rückte danach ein Rettungswagen beziehungsweise eine Einheit der Feuerwehr zu einem Einsatzort aus. Hinzu kamen rund 3000 Krankentransportfahrten. Am Ende kommen die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren in Remscheid somit auf rund 18 000 Einsätze.

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